Geradezu ehrfurchtsvoll stehen Annika Wiedel und Tamara Májer vor dem Lucas-Cranach-Denkmal. Die Figur des berühmtesten Sohnes der Stadt glänzt an diesem Freitagvormittag im Sonnenlicht. Fast scheint es so, als hätte Tamara das schöne Wetter von ihrer Heimat mitgebracht. Ihre Heimat liegt "schlappe" 1000 Kilometer entfernt. Tamara wohnt nämlich in Ungarn, wo sie das Bibó István Gimnázium besucht. Seit Donnerstagabend ist sie mit weiteren 15 Mitschülern zwischen 15 und 17 Jahren zu Besuch in Kronach.

"Als wir daheim weggefahren sind, hatte es gerade einmal um die 15 Grad", erzählt Tamara in einem beeindruckend gutem Deutsch. Die 17-Jährige ist bereits zum fünften Mal in Deutschland, in Kronach - nach dem Schüleraustausch 2011 - zum zweiten Mal. "Unsere Stadt Soltvadkert hat eine Städtepartnerschaft mit Bodelshausen in der Nähe von Stuttgart. Ich war schon bei zwei Besuchen in Bodelshausen dabei, und einmal war ich mit meiner Familie privat in Deutschland zu Besuch", so Tamara.


Deutsch ist leichter als Englisch



Dass sie so gut Deutsch spricht, hat aber noch mehr Gründe. "Wir lernten schon im Kindergarten deutsche Wörter wie beispielsweise Katze. Zudem gefällt mir die deutsche Sprache sehr. Sie hat einen schönen Klang. Die Grammatik ist logisch. Ich finde Deutsch viel leichter als Englisch", meint sie. Probleme habe sie allerdings manchmal mit dem Kronacher Dialekt. An Kronach gefalle ihr besonders die Landschaft. "Ich mag die engen Straßen und kleinen Ortschaften. Alles ist sehr gemütlich und ruhig", meint sie. Annika kennt sie seit vergangenem Herbst, als die ebenfalls 17-Jährige beim Schüleraustausch bei Tamaras Familie wohnte. Davor hatte man sich über Facebook ausgetauscht. Tamara verspricht sich von dem Besuch eine Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse. Zudem möchte sie viel über die deutsche Kultur erfahren.

Land und Leute kennenlernen möchte auch Annika, die in der Schnaid wohnt. "Ungarn ist ganz anders als Deutschland. Die Landschaft ist fast südländisch, wie wenn man in den Urlaub fährt. Außerdem glaube ich, dass es da etwas lockerer als bei uns zugeht", mutmaßt sie. Beide empfinden den Schüleraustausch als eine tolle Sache. Wenn Tamara am Donnerstagmorgen wieder heimfährt, hat sie aufregende Tage hinter sich. Für die ungarischen Schüler sind unter anderem ein Stadtrundgang mit Besuch der Festung Rosenberg in Kronach sowie Ausflüge nach Coburg und Bamberg mit einer Dombesichtigung geplant.


Empfang beim Bürgermeister



Beim Empfang der Austauschschüler am Freitag durch Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein im Rathaus, erfolgte auch die Übergabe eines Beamers an das ungarische Gymnasium. Laut Lehrer Ulrich Heußel habe man im Herbst beim letzten Aufenthalt in Kiskunhalas deutlich gemerkt, wie stark das Land von der Wirtschaftskrise betroffen ist. "Die Wirtschaftslage dort ist ernster als bei uns. Viele Privatfamilien, bei denen unsere Jugendlichen untergebracht waren, mussten den Gürtel enger schnallen", erinnert er sich. So sei kurzerhand die Idee eines Benefiz-Konzerts des FWG-Instrumentalensembles im Fürstenbau der Festung Rosenberg entstanden. Acht Schülerinnen und Schüler der Q11 und Q12 hatten damals mit Lehrerin Katja Heußel ein hochwertiges Konzertprogramm erarbeitet. Von dem Geld wurde ein Beamer angeschafft.

Doch nicht nur die ungarischen Schüler besuchen Kronach, vor kurzem erst besuchten auch Kronacher Gymnasiastendas Bibó István Gimnáziums in Kiskunhalas. Die neu gegründete FWG-Handballmannschaft nahm dort am Jubiläumsturnier zum 45. Bibò Kupa teil.


Höchstes sportliches Niveau



An diesem traditionellen Turnier in der Handballhochburg Südungarns nahmen Schulmannschaften aus Kecskemét, Mezötúr, Kiskunhalas, Budapest und rumänische Auswahlmannschaften teil. Die Kronacher Handballer merkten schnell, dass sie bei diesem profimäßig organisierten Großturnier auf höchstem sportlichen Niveau wenig Chancen hatten. Aber sie steigerten sich von Spiel zu Spiel und eroberten sich durch tollen Einsatz, Spielfreude, Fairness und gelungene Spielzüge mit schönen Toren den Respekt der Gegner. Stellvertretend für die Mannschaft durfte Lukas Münzel den Fairnesspokal entgegennehmen.