Wer Gisela Lang kennt, kennt auch ihre positive Ausstrahlung. Sie hat eigentlich immer ein Lächeln ins Gesicht geschrieben und ein aufmunterndes Wort für ihre Gesprächspartner parat - sei es als Kreiskulturreferentin, als Mitglied der historischen Szene in Kronach oder ganz privat. Wenn sie allerdings die ersten Frühlings-Grillpartys sieht, verflüchtigt sich ihr fröhlicher Blick. Ihre Gedanken wandern zehn Jahre zurück.

"Wenn nur ein Grillunfall verhindert wird, haben wir etwas erreicht", sagt die Kronacherin im Gespräch mit unserem Reporter. Am 30. April 2007 hat sie erfahren, wie schnell es zu einem solchen Vorfall kommen kann - und wie lange danach der Leidensweg ist.


Eine Feuerwand

Gisela Lang wollte damals nur helfen, als ein Grill noch einmal angeschürt werden sollte. Zu spät sah sie, wie Spiritus auf das heiße Gerät und die verbliebene Kohle geschüttet wurde. Sie konnte sich nur noch ein kleines Stück weit abdrehen. Ein übler Knall. Eine Feuerwand. Hinter ihr schneite ein Papieraushang in kleinen verkohlten Fetzchen zu Boden. Ihre Haut kringelte sich am Handgelenk. Sie hing in Streifen grau herunter. Ein Sekundenbruchteil veränderte ihr ganzes Leben.

Zwölf Tage lag Gisela Lang im künstlichen Koma. Überlebenschancen: ungewiss. Heute erinnert sie sich mit Grauen an die Operationen, die Hauttransplantationen und die Leidenszeit für ihren Mann und ihren Sohn. "Für die beiden war es brutal." Sie selbst habe ja im Koma gelegen und später einfach gekämpft, doch die Angehörigen hätten ja keine Möglichkeiten einzugreifen. Sie könnten nur hilflos zusehen, was passiert. Und diese Situation werde von Außenstehenden leider kaum wahrgenommen. Zudem habe sie keine Patientenverfügung gehabt, was die Familie zunächst auch in medizinischen Fragen ausgeschlossen habe.

Trotz des Martyriums in der Klinik weiß Gisela Lang, wem sie es zu verdanken hat, dass sie heute noch am Leben ist und wieder ihrer Arbeit nachgehen kann. Das Zentrum für schwer Brandverletzte im Klinikum Nürnberg-Süd habe sie gerettet.



Schmerz wurde ein Begleiter

Gezeichnet ist sie von dem Unfall allerdings bis heute. Die transplantierte Haut ist wie Pergament. Sie reißt ein. Sie schmerzt bei Wärme. Sie schmerzt bei Kälte. Sie schmerzt bei Sonnenschein.

"Die Haut ist regeneriert, aber sie ist nicht mehr die selbe", erklärt Gisela Lang. "Sie schiebt sich wie die Haut auf der Milch." Eine Folge davon ist Scham. "Ich gehe so gerne Schwimmen", gesteht die Kronacherin, "aber ich schäme mich im Bad." Die Verletzungen sind jedoch auch mit handfester Angst verknüpft. So hatte Gisela Lang kürzlich wieder eine offene Stelle im Ohr. Wenn es da eine Entzündung am Knorpel gegeben hätte, hätte wieder operiert werden müssen. Sonst könnte das Ohr abfaulen. "Ich habe wieder eine Woche in Angst gelebt, dass ich ins Krankenhaus muss." Doch sie hatte Glück. Die Stelle schloss sich wieder.

Auch im April 2007 hatte sie Glück im Unglück. Hätte sie nicht die Hände hochgerissen und sich weggedreht, wäre das Gesicht wohl viel stärker verbrannt worden. Hätte sie eingeatmet, wäre wohl die Lunge zerstört worden.


Mitleid mit Kindern

Während ihrer Zeit in der Klinik hatte sie den Blick bei aller Sorge nicht nur auf sich gerichtet. "Am meisten haben mir die Kinder dort leid getan. Die konnten ja auch nichts dafür", sagt sie und erzählt von diesen Grillunfall-Opfern. Auch sie waren nur zur falschen Zeit am falschen Platz und bekamen die Flammen ab. Ihr Heranwachsen wird über Jahre von Operationen geprägt sein, weil transplantierte Haut nicht mitwächst.

Deshalb ist es ihr ein Herzensanliegen, anderen dieses Schicksal zu ersparen. Und dazu reichen oft schon Aufmerksamkeit und Vernunft am Grill. Sonst kann ein Sekundenbruchteil Leben zerstören.





Kamin, Bio, Gel, Holzwolle oder Paraffin - es gibt viele sichere Alternativen

Die Zeit des Brennspiritus' am Grill sollte längst vorbei sein. Gebraucht wird er heutzutage längst nicht mehr, wie Susan Spörl vom Hagebaumarkt feststellt. "Selbst die Händler der Grills weisen schon darauf hin, dass an ihren Geräten nicht mit Spiritus gearbeitet werden soll." Die Bandbreite der Alternativen ist mittlerweile riesig.
Paraffinwürfel oder Kaminanzünder entflammen wesentlich langsamer und somit sicherer als Spiritus. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch Anzündgel, das zudem an der Kohle haften bleibt.

Flüssiganzünder sind deswegen nicht tabu. Doch gibt es in diesem Bereich inzwischen sichere Varianten. Die eigens für diesen Zweck hergestellten Flüssigkeiten werden über die kalte Kohle gegeben und sollen erst kurze Zeit einwirken, bevor sie entzündet werden. Dann fangen sie langsam Feuer. Diese Flüssiganzünder gibt es ebenso wie diejenigen aus Feststoffen auch auf biologischer Basis. Diese sind dann unter anderem frei von Paraffin.
Wachsgetränkte Holzwolle ist mittlerweile eine weit verbreitete Möglichkeit, die Kohle zum Glühen zu bringen. "Das ist eine sehr sichere und günstige Methode", stellt Susan Spörl fest.

Wer es nicht nur sicher, sondern auch effizient haben möchte, der bereitet die Kohle in speziellen Behältern für das Grillen vor; so genannte Grillkamine, die den Luftstrom in ihrem Innenraum nutzen, bieten die Möglichkeit, die sonst etwas schwerer anzufachenden Grillbriketts optimal durchglühen zu lassen. Anschließend kann die Kohle wie aus einem Topf in den Grill gekippt werden.


Auf EN-Nummer achten

Doch egal, für welchen Brennstoff sich die Grillfans bei den Anzündern entscheiden, sie sollten im Fachhandel einkaufen und auf Experimente verzichten. Dank der Kontrolle durch die EU gibt es auf den geeigneten Produkten ein sicheres Kennzeichen. "Sie müssen geprüft sein und die EN-Nummer 1860-3 tragen", erklärt Susan Spörl. "Darauf sollte man achten." Wenn dann noch mit Vorsicht am Gerät agiert wird, steht einem Grillvergnügen eigentlich nur noch schlechtes Wetter im Weg.