Von "Abfall" mit geringem Restwert sprach der Sachverständige in seinem Gutachten. Er hatte nach dem Zufallsprinzip sechs Fahrzeuge des Angeklagten in Augenschein genommen. Insgesamt waren es sogar an die 20 Autowracks und Autowrackteile, die sich auf einem Hof im südlichen Landkreis Kronach stapelten. Das Grundstück - ein ehemaliger Schulhof, der der Ex-Lebensgefährtin des Angeklagten gehört - war schon in der Vergangenheit mehrfach ins Visier von Landratsamt und Polizei geraten.

Auf Grund des beschädigten Asphalts und der an den Kanal angeschlossenen Abflussrinne bestand die Gefahr der Bodenverunreinigung. Alle Fahrzeuge enthielten noch die Betriebsflüssigkeiten. Diese hätten ins Erdreich sickern können, wenn die Fahrzeuge durch die Witterung oder durch Vandalismus Schaden genommen hätten.

Juristisch handelt sich dabei um unerlaubten Umgang mit gefährlichen Abfällen und um eine Abfallentsorgungsanlage ohne Genehmigung. Doch davon wollte der Angeklagte nichts wissen. Er sah keinerlei Gefahren. "Das ist doch kein Abfall und nichts zum Wegwerfen. Das hat seinen Wert", echauffierte er sich über den Begriff "Abfall". Doch da sei die Definition eindeutig, meinte Richterin Jana Huber. "Abfall" sei etwas, was man entsorgen wolle oder müsse. Und die Fahrzeuge des Angeklagten hätten als Schrottwagen nach den gesetzlichen Bestimmungen entsorgt werden müssen.

Kein Spaßverfahren

Wie Huber erklärte, handele es sich bei Umweltstrafdelikten um abstrakte Gefährdungsdelikte. Allein die Tatsache, dass man Autowracks lagere, um sie auszuschlachten oder um Teile von ihnen zu verwerten, die nur noch den puren Wert der Teile haben, sei strafbar. "Sie wurden immer wieder aufgefordert, die Autos zu entfernen oder ein Genehmigungsverfahren in Gang zu setzen. Aber sie haben nichts getan", warf sie dem gelernten Kfz-Mechaniker vor.

"Der Sachverständige hat doch sogar rotbraune Grundierung als Rost angesehen", beharrte dieser auf seinem Standpunkt und zweifelte das Gutachten an. "Das ist kein Spaßverfahren", wies Huber den Mann, der sich dem Ernst der Lage nicht bewusst war, in die Schranken.

Fahrzeugbestand vermehrte sich

Laut Polizei ist der Angeklagte ein "alter Bekannter". Auf die im Hofraum abgestellten Fahrzeuge sei er aufmerksam geworden, als er gegen den Rentner wegen häuslicher Gewalt - nach einem Streit des Mannes mit seiner Ex-Lebensgefährtin - ermittelte. "Als ich ihn darauf angesprochen habe, hat er mir versprochen, sich darum zu kümmern und die Fahrzeuge im Haus unterzubringen", erinnerte er sich. Das Gegenteil sei aber eingetreten. Bei Kontrollen habe er festgestellt, dass sich der Fahrzeugbestand sogar vermehrt habe.

Obwohl er ihm mitgeteilt habe, dass gegen ihn ermittelt werde, habe er nicht reagiert. "Der Asphalt wurde mehrmals geflickt und ist an manchen Stellen gebrochen. Da wachsen Grashalme und junge Bäumchen durch. Die Abflussrinne ist - nach Feststellung der Gemeinde - an den Kanal angeschlossen. Es gibt eine Rohrverbindung zum Kanalschacht", so der Polizist. Die eingeschaltete Staatsanwaltschaft hatte schließlich aufgrund der ihr vorgelegten Bilddokumentation den Gutachter hinzugezogen.

Alexander Sell von der Staatsanwaltschaft forderte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Auf Grund der - teilweise auch einschlägigen - Vorstrafen und der offenen Bewährung könne diese nicht mehr zur Bewährung erfolgen. Pflichtverteidiger Andreas Günther tat sich ebenfalls mit dem Begriff "Abfall" schwer und plädierte auf Freispruch. Er verwies darauf, dass sein Mandant den Willen hatte, die Fahrzeuge zu restaurieren. Dies sei ihm aber aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse bislang nicht möglich gewesen. Dem schenkte die Richterin aber keinen Glauben. "Sie haben die gleiche Tat wieder begangen. Ich glaube nicht, dass sie sich in Zukunft rechtstreu verhalten werden", begründete sie ihr Urteil.