Der Fernseher lief bei Familie Holzheimer schon, als am Sonntagmittag über das politische Gipfel-Geschehen im bayerischen Elmau berichtet wurde. Marianne Holzheimer hat allerdings nur selten von ihrer Häkelnadel aufgesehen. Immer dann, wenn jemand Wichtiges vors Mikrofon trat, so schildert sie den Sonntagnachmittag daheim: "Ob es was bringt?", da ist sich die Kronacherin nicht sicher, wenn sie über das Zusammentreffen der sieben Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen nachdenkt.

Mit diesem Zweifel, dieser Meinung, ist sie nicht alleine. Das zumindest ergab eine kleine Straßenumfrage in der Kronacher Innenstadt am Montagmittag. "Dass gar nichts dabei rauskommt", war oft der erste Satz, der den Passanten über die Lippen kam. Eine 75-jährige Kronacherin, die wir an einer Bushaltestelle am Bahnhof getroffen haben, überlegt weiter: "Vielleicht muss es ja sein", dass sich die wichtigen Politiker in diesem Rahmen zusammensetzen, "den Putin, den haben sie nicht eingeladen, weiß Gott, ob das richtig ist". Ihren Namen will die 75-Jährige - wie viele andere Bürger bei diesem Thema - lieber nicht in der Zeitung lesen.

Anonym konnten sie und die Frau neben ihr an der Haltestelle, die "strikt gegen den Gipfel" ist, aber "mal richtig schimpfen", wie die 75-Jährige selbst sagt. Wenn "das Trara vorbei ist, sind wir 300 Millionen Euro los" - mehr bringt der G7-Gipfel vom 7. auf den 8. Juni in Elmau nach Ansicht ihrer Nachbarin, einer 50-Jährigen aus Stockheim, nicht. Dabei fallen den beiden Frauen im Gespräch auf Anhieb Themen ein, über die gesprochen werden müssten. Armut sei eines davon. Darunter auch das umstrittene Freihandelsabkommen (TTIP), das zumindest auf der Tagesordnung des 24-Stunden-Zusammentreffens in Elmau steht.

 
Sieben Länder mit viel Macht

Dass es beim G7-Gipfel weniger um politische Ergebnisse geht, sondern eher um "Machtspielchen", findet ein 45-jähriger Kronacher: "Das ist eigentlich ein Weltgipfel, aber die Welt ist nicht dran beteiligt."
Für die "sieben stärksten Mächte" bringt das zweitägige Treffen wahrscheinlich etwas, vermutet dieser Kronacher. Besser fände er es allerdings, wenn sich ganz Europa - und vor allem auch andere schwächere Länder - einbringen könnten.

Dass sich viel vom politischen Weltgeschehen zwischen Deutschland, den Vereinigten Staaten und Russland abspielt, erlebt eine gebürtige Weißrussin, die seit einigen Jahren in Kronach lebt. Als junge Mutter habe sie zwar in diesen Wochen wenig Zeit, die Nachrichten aktuell zu verfolgen, dass die Großmächte untereinander immer wieder um Macht ringen, erlebe sie aber nicht nur während des G7-Gipfels.

"Wetter, Fußball, Politik" sind auch im Alltagsgeschäft eines Kioskverkäufers immer wieder Thema. Das erzählt ein Mitarbeiter in der Kronacher Innenstadt. Mit den Kunden - wenn Zeit dafür bleibt - oder unter den Kunden, werden bei besonderen Ereignissen dann auch Meinungen ausgetauscht. Am Montag lieferte das Gipfeltreffen allerdings keinen Gesprächsstoff im Laden. Anders in einem Geschäft, in dem Tracht verkauft wird: Die Bilder aus Oberbayern würden doch den Anreiz geben, "auch in Franken mal Dirndl zu tragen", schmunzelt Karin Bauer. Sie findet, "es ist schon eine Ehre für Bayern, aber eine teure Ehre."

Einzig ein 23-Jähriger aus Tettau scheint in diesen Tagen nichts vom spektakulären Politikertreffen mitzubekommen. Weder übers Mobiltelefon, noch im Fernsehen: "Ich weiß nicht einmal, was G7 ist", sagt er unbeeindruckt. Zumindest, was G7 gebracht hat, wird sich wohl erst nach und nach zeigen...