Es hat etwas Familiäres, etwas von Wiedersehensfreude. Oder ganz einfach: etwas Nettes. Die Stimmung ist locker, man kennt sich, plaudert. Einzig gespannt sind die vielen Besucher an diesem Abend im Jugend- und Kulturtreff "Struwwelpeter" auf eine alte Bekannte. Auch die zweite Vorstellung von Ulrike Mahrs "Habet! - Solo für eine Päpstin" im dortigen Kulturcafé ist ausverkauft. Die Gäste sind sich sicher, dass Ulrike Mahr, die viele noch als Mephisto bei den Faust-Festspielen in Erinnerung haben, sie nicht enttäuschen wird.

Und so ist es nach der gut einstündigen Vorstellung auch. Die Begeisterung, die im Saal des Struwwelpeters schon zu spüren war, bevor Ulrike Mahr überhaupt die Bühne betreten hat - wohl allein wegen der Freude, dass sie überhaupt wieder in Kronach zu sehen ist -, ist hinterher noch größer.

In Jeans und weißem Shirt betritt sie als Carla, eine Archäologin, die Bühne. Carla ist hin- und hergerissen. Zwischen ihrer Liebe zu Kai und ihrer Bestimmung. Carla hat sich nämlich für eine Mission zum Mars beworben. Und auch wenn es dorthin erst in knapp zehn Jahren, nämlich 2024, gehen soll, muss Carla los. Zu einem von vielen Tests, die im Rahmen des Auswahlverfahrens für die Reise zum Mars stattfinden.

Dabei muss Carla - im hautengen silberfarbenen Ganzkörperanzug - eine Hypnosesitzung durchlaufen. Und dabei taucht sie in ihr früheres Leben ein, in dem sie Päpstin war. Päpstin Johanna, die sich einer Legende nach im Mittelalter als Mann ausgegeben und als Papst amtiert haben soll.

In der Darstellung von Ulrike Mahr wird schnell deutlich, dass Carla und die Päpstin viele Gemeinsamkeiten haben. Während Carla ihrer Bestimmung folgt, den Mars erkunden zu wollen, folgt Johanna ihrer Bestimmung, "Oberhaupt der christlichen Kirche" zu werden. Beide sind hin- und hergerissen. Zwischen der Liebe zu einem Mann und ihrer Berufung. Zwischen Wissen und Glaube, Wahrheit und Täuschung, Freiheit und Unterdrückung, Weiblichkeit und Männlichkeit. Schlagwörter, um die sich beide Figuren - sowohl im Mittelalter als auch heute - Gedanken machen.

Immer geht es auch darum, sich selbst zu finden, wie Ulrike Mahr mit "May you find yourself" gesanglich verdeutlicht.

Und nicht zuletzt landen beide Figuren auch immer wieder bei der Frage nach der Macht. In Bezug auf Carlas Kindheitswunsch, Päpstin zu werden, hat ihr letztlich ihr Vater - ein Raumfahrttechniker - die Antwort auf die Machtfrage gegeben: "Papst kann nur ein Mann werden."

Dem widerspricht am Montagabend - zu recht - Dietmar Lang, Vorsitzender des Struwwel-Fördervereins, indem er Ulrike Mahrs schauspielerische Verwandlung zur Päpstin mit den Worten "Sie können's" würdigt. Die Schauspielerin, die die Faust-Festspiele mitbegründet, -initiiert und -geleitet hat, wollte mit ihrem selbstgeschriebenen und -initiierten Stück berühren, zum Nachdenken anregen. Die Frage, ob ihr das gelungen ist, muss sie sich nicht stellen. Die Antwort geben ihr die Besucher nicht nur in Form eines Blumenstraußes, sondern durch die Gespräche, die sie anschließend führen und bei denen sich Diskussionen zu aktuellen machtpolitischen Themen, zu fehlendem Miteinander oder ganz einfach dazu ergeben, wie bereichernd es für das kulturelle Angebot in Kronach wäre, wenn es wieder mehr von Ulrike Mahr zu sehen gäbe.


Weitere Vorstellung

Wegen der großen Nachfrage gibt es diesen Freitag, um 20 Uhr, noch eine weitere Vorstellung von Ulrike Mahrs "Habet! - Solo für eine Päpstin" im Kulturcafé des Jugend- und Kulturtreffs "Struwwelpeter". Karten sind dort bzw. unter Telefon 09261/51511 erhältlich.