Uli Scherbel hat gerade die Hauptrolle in der Rocky Horror Show in Leipzig. Ab 9. Juli ist er als Mephisto beim Freilichttheater "Faust Festspiele" in Kronach, seiner Heimatstadt, zu sehen. Wir haben darüber mit ihm gesprochen.

Sie sind vor allem als Musicalstar bekannt. Jetzt spielen Sie diesen Sommer den Mephisto bei den Kronacher Faust-Festspielen. Was reizt Sie daran?
Uli Scherbel: Genau das, dass man in Franken noch nie so wahrgenommen hat, dass ich auch Schauspieler bin. Ich habe ja schon immer Schauspiel gemacht, bin ausgebildeter Darsteller, der auch singt und tanzt. Da ich in Franken aber immer nur Konzerte gegeben habe, hat man das hier gar nicht so wahrgenommen. Und tatsächlich mache ich meistens auch Musicals, weil ich da alle drei Genres - Schauspiel, Tanz und Gesang - vereinbaren kann. Ich will mal meine Arbeit zu Hause zeigen.

Sie haben ja nun schon einige Male in Kronach geprobt. Wie fühlen Sie sich denn in Ihrer Rolle des Mephisto?
Super. Der Mephisto und Faust überhaupt sind ganz wunderbar.

Normalerweise stehen Sie ja auf großen Bühnen, mit anderen Profis. Jetzt spielen Sie Theater, überwiegend mit Laienschauspielern. Wie fühlen Sie sich in diesem Team?
Ich fühle mich sehr wohl. Aber ich unterscheide generell nicht zwischen Profi und Laie. Ich schaue immer, wie die Leute drauf sind und wie emotional sie ihre Rolle ausfüllen.
Und ich erkenne von der Arbeit her wirklich keinen Unterschied zwischen dem Faust-Festspiel-Ensemble und einem großen Opernhaus. Daniel Leistner probt sehr professionell. Der einzige Unterschied ist das Budget. Es gibt kein großes Bühnenbild. Aber dadurch kann man die Spreu vom Weizen unterscheiden. Man muss etwas können, kann sich nicht hinter dem Bühnenbild verstecken. Ich finde das auch toll so wie es ist, denn die Atmosphäre ist einzigartig. Das denke ich mir jedes Mal, wenn ich durch das Festungstor laufe. So etwas nimmt man aber glaube ich auch erst war, wenn man es nicht jeden Tag sieht. Normalerweise sehe ich ja - egal wo ich ich spiele - nur Hochhäuser um mich herum.

Nun sind Sie ja heuer der Stargast bei den Faust-Festspielen, das Highlight. Setzt Sie das unter Druck, dass jeder auf Sie schaut?
Ich hoffe, dass jeder auf mich schaut (lacht), denn das würde bedeuten, dass viele kommen und sich die Vorführungen anschauen.
Mit Druck muss ich seit 20 Jahren umgehen. Ich versuche einfach immer meine Hausaufgaben zu machen. Dazu gehört, dass ich mich intensiv auf die Rolle vorbereite. Alles was ich machen kann, ist mein Handwerkszeug und meine Persönlichkeit einzubringen. Und irgendwann muss man loslassen und fliegen. Und wenn man dann auf die Schnauze fällt, fällt man auf die Schnauze. Blöd wäre es nur, wenn es ausgerechnet in Kronach wäre (lacht).
Ich würde sagen, ich bin in gutem Maße nervös, weil es zu Hause natürlich immer nochmal eine andere Sache ist als auf anderen Bühnen. Aber ich freue mich total drauf.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Engagement bei den diesjährigen Festspielen?
Ohne Kultur geht nichts. Und ich finde es ganz toll, was das Ensemble da oben auf der Festung macht. Aber ich empfinde die Region, was Kultur angeht, immer ein bisschen wie im Dornröschenschlaf. Und ich möchte sie einfach ein bisschen wachrütteln.

Was genau finden Sie so toll an den Faust-Festspielen?
Ich finde den Lokalkolorit gut, mag den Dialekt gern, auch wenn er auf der Bühne hinten angestellt wird, aber alleine schon in den Pausen... Und dann diese typisch fränkische Herzlichkeit, dieses "Groad zuu", wie man im Frankenwald sagt. Es wird gesagt, was man denkt, es wird viel gelacht - wir haben einfach Spaß an dem, was wir tun.

Daniel Leistner hat erklärt, dass sie sich die Zeit für Ihr diesjähriges Engagement bei den Faust-Festspielen regelrecht freischaufeln mussten, weil Sie so viele Auftritte haben. Wie wahrscheinlich ist es da, dass Sie im kommenden Jahr wieder dabei sind?
Das stimmt, ich bin in den nächsten vier Wochen in Leipzig, Stuttgart, Kronach, Berlin, wieder in Stuttgart, in Flensburg, dann wieder in Berlin und dann letztlich in Kronach. Nächstes Jahr - das hängt ganz ehrlich von den Zuschauern ab.

Von der Anzahl der Zuschauer oder von deren Reaktion?
Ich sehe meine Arbeit als Dienstleistung und würde mich natürlich freuen, wenn viele Zuschauer kommen. Ich werde es ganz einfach von der Resonanz abhängig machen.