Das Stockheimer Steinkohlen-Geotop, das zu den hundert schönsten von Bayern zählt, wird umfassend saniert. Das verwitterungsempfindliche Steinkohlenflöz und sein Nebengestein werden großzügig freigelegt und sollen gegen Regen- und Oberflächenwasser geschützt werden. Träger ist der Geopark Schieferland Franken.

Projektinhaber sind die Gemeinde Stockheim sowie der Förderverein Bergbaugeschichte. Die Übergabe des Geo-Gütesiegels erfolgte 2008 durch den Vizepräsidenten des Bayerischen Landesamts für Umwelt, Richard Fackler. Schließlich war in Stockheim Bayerns bedeutendster Steinkohlebergbau. Nur an wenigen Stellen in Bayern wurde vor Jahrmillionen pflanzliches Material in Steinkohle umgewandelt, so auch in Erbendorf.


Bald für Besucher aufbereitet

Der Geopark Schieferland hat als Ausbaumaßnahme der Geoparkeinrichtungen die Maßnahme "Geotopsicherung Stockheimer Kohle" über das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz EU-Fördermittel beantragt und entsprechende Fördermittel erhalten. Das Ziel der Maßnahme ist, dass auf dem Gelände der Katharinenzeche befindliche Geotop "Stockheimer Kohle" dauerhaft zu sichern und Besuchern zugänglich zu machen.

Im Rahmen der Freilegungsarbeiten unter fachlicher Aufsicht durch Falk Seliger vom Bergamt Nordbayern wurde auch der sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Adam-Friedrich-Schleppschacht aufgegraben und der aktuelle Zustand des tonnlägigen Schachtes (Schrägschacht) dokumentiert. Durch diese Maßnahme, so der Leiter des Schieferparks Geoland, Werner Badum, werde die Zugänglichkeit der Kohleschichten für Besucher verbessert und das Geotop "Stockheimer Kohle" in ein Gesamtkonzept zur Darstellung der in Stockheim vorhandenen Reste des ehemaligen Kohlebergbaues, zum Beispiel Bergbauerlebnispfad Dachsbau, eingebunden. Die aktuellen Grabungsarbeiten hatten unterschiedliche Ergebnisse. Schließlich gab es bei der Freilegung des bisher vorhandenen Geotops eine faustdicke Überraschung.


Größer als im Ruhrgebiet

Der Bagger legte ein sehr breites und etwa vier Meter dickes ausstreichendes Kohlenflöz frei, das selbst im Ruhrgebiet in dieser Form nicht mehr sichtbar ist und so bei den jetzigen Grabungsarbeiten in dieser Stärke überhaupt nicht erwartet wurde. "Unser Heimatraum ist ein Eldorado für Geowissenschaftler", so die Diplom-Geologen Werner Badum und Harald Tragelehn in Stockheim, die mit großer Begeisterung die aktuellen Ergebnisse zur Kenntnis nahmen. Mit dem örtlichen Geotop biete sich für die Besucher eine echte Attraktion an, schwärmten beide. Damit werde der örtliche Steinkohlebergbau förmlich spürbar.

Bürgermeister Rainer Detsch, der mit Mitgliedern des Fördervereins bei den Grabungsarbeiten vor Ort war, zeigte sich ebenfalls vom Ergebnis beeindruckt. "Die Geschichte des Hasslachtals und das Schicksal seiner Bewohner war über Jahrhunderte mit dem Bergbau hier in Stockheim verbunden. In diesen Tagen werfen wir einen faszinierenden Blick in unsere eigene Vergangenheit."

Stolleneingang von 1932 soll nachgebaut werden

Ernüchterung machte sich allerdings bei der Öffnung der Adam-Friedrich-Tagstrecke - die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1813 - breit, denn das Stollensystem ist auf Grund des instabilen Gebirges total verschüttet. Allerdings bestehe die Möglichkeit für die Gemeinde Stockheim, in Verbindung mit dem Förderverein Bergbaugeschichte das ehemalige Mundloch (Stolleneingang) von 1932 nachzubauen und für einige Meter den Schrägschacht mit einzuplanen. Dies wäre, so Bürgermeister Rainer Detsch, bei entsprechender Absicherung ein weiterer Baustein in der Darstellung der bergmännischen Historie.

Wissenswertes zur Stockheimer Steinkohle

Nur wenige "Orte auf der Erdoberfläche" (Geotope) ermöglichen es, das Wissen über die Entstehung unserer Erde und die Entwicklung des Lebens auf ihr zu gewinnen und zu vermehren. Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden über 3.000 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt detailliert beschrieben und im Geotopkataster Bayern aufgenommen. Ein Gremium von Geologie-Experten wählte die einhundert Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen wurden. Und dazu zählt auch das ausstreichende Stockheimer Steinkohlenflöz.

Das "Stockheimer Becken" ist eines von mehreren Becken, die sich vor über 300 Millionen Jahren innerhalb eines kurz vorher entstandenen Hochgebirges (Variskisches Gebirge) bildeten. In dieses Becken wurde der Abtragungsschutt des Gebirges abgelagert. Aufgrund der häufig intensiven roten Farbe der Ablagerung werden diese als "Rotliegend" bezeichnet. Derartige Gesteine sind in Nordbayern im tieferen Untergrund weit verbreitet, an der Erdoberfläche aber nur an wenigen Stellen - wie um Stockheim und Neuhaus-Schierschnitz - zu finden.
Die untersten Schichten im Stockheimer Becken wurden im oberen Karbon abgelagert, einem Erdzeitalter, in dem hier tropische Klimaverhältnisse herrschten. Unter den feucht-warmen Bedingungen reicherten sich große Mengen von unzersetztem pflanzlichen Material z. B. in Sumpfwäldern und Mooren an, oder es wurde an anderen Orten von Flüssen zusammengeschwemmt. Diese Phase begann vor etwa 290 Millionen Jahren.

Wenn das pflanzliche Material im Lauf von jüngeren Ablagerungen überdeckt und unter dem Einfluss von Druck und Temperatur umgewandelt wurde, entstand daraus Kohle. In Bayern herrschten nur in den Rotliegend-Becken für die Bildung von Steinkohle ausreichende Temperaturen: die wesentlich jüngeren, aus der Tertiärzeit (Beginn vor 65 Millionen Jahren) stammenden Kohlen des Naabtales und des Alpenvorlandes dagegen sind Braunkohle