Wann ist eine angebaute Pflanze "bio"? Und wann ist es ihr Saatgut? Solche Fragen zu beantworten, ist verzwickt. Selbst die Fachleute und -behörden kommen dabei schon mal ins Straucheln. Das weiß auch Geschäftsführer Ralf Schmitt vom Tropenhaus "Klein-Eden".

Er ist gerade am Telefon und diskutiert darüber, ab welchem Zeitpunkt Pflanzen als Bioprodukte ausgezeichnet werden dürfen, wenn sie vor oder nach dem Zertifizierungsantrag für seine Einrichtung in den Boden gekommen sind. Und er spricht über die Samen, die diesen Pflanzen zu verschiedenen Zeitpunkten entnommen wurden. "Bio ist ein Buch mit sieben Siegeln", sagt er. Selbst wenn man sich lange damit beschäftige. Und beim Tropenhaus "Klein-Eden" gilt das besonders, denn dort wachsen Pflanzen wie die Papaya, die es sonst in ganz Deutschland nicht im Anbau gibt. Daher fehlen den Behörden in einigen Fällen schlicht die Vergleichswerte.


Offiziell zertifiziert

Was allerdings sicher ist: Das Tropenhaus in Kleintettau ist seit wenigen Tagen offiziell gemäß den EG-Ökoverordnungen 834/2007 und 889/2008 für den ökologischen Landbau - sprich den biologischen Anbau - zertifiziert. Der Weg dorthin war nicht nur mit bürokratischen Hürden besetzt, sondern er war auch über einen Zeitraum von zwei Jahren mit intensiven Prüfungen und Kontrollen verknüpft. Im April 2014 wurde der Antrag auf Zertifizierung für "Klein-Eden" gestellt, nun ist es geschafft.

"Das ist für uns das i-Tüpfelchen", erklärt Schmitt, warum sich das Tropenhaus-Team dem ganzen Aufwand gestellt hat. Es ging darum, den Besuchern darlegen zu können, dass in Kleintettau nachhaltig und transparent gearbeitet wird. "Die Leute können sich unter www.oeko-kontrollstellen.de informieren, was bei uns passiert", so Schmitt. Durch ständige, auch unangekündigte Kontrollen würden die Ergebnisse permanent auf dem Laufenden gehalten. Und in Deutschland seien diese Kontrollen gründlich. Deshalb meint der Tropenhaus-Geschäftsführer generell: "Bei Bioprodukten aus Deutschland können sich die Leute sehr sicher sein, dass da kein Schmu getrieben wurde." Denn wer einmal dabei erwischt werde, dass er sich etwas zu Schulden kommen lässt, sei danach quasi aus dem Rennen.


Nachhaltiges Konzept

Die Nachhaltigkeit ist in "Klein-Eden" das A und O, worauf Schmitt stolz ist. Er spricht von geschlossenen Stoffkreisläufen. Die Fischzuchtanlage wird mit Regenwasser gespeist und ebenso wie das gläserne Gebäude mit Abwärme beheizt. Die Nährstoffe des Fischwassers wiederum dienen der Düngung. Künstliche Dünger sind im ökologischen Landbau nämlich tabu. Ebenso wie Pestizide.

Schmitt schmunzelt, wenn er an Besucher denkt, die von Ungeziefer an den Pflanzen sprechen. Natürlich gebe es das, weil ja keine Gifte zum Einsatz kämen. Doch oft meinten die Gäste bei ihren Beobachtungen gar nicht die tierischen Übeltäter. Er zeigt auf einen grünen Stamm, an dem weiße Krabbler hervorstechen. Ihr eigenwilliges Aussehen und ihre Farbe springen sofort ins Auge, obwohl sie nur einen halben Daumennagel groß sind. Das sind die Larven des Australischen Marienkäfers. Nützlinge. Der Schädling sitzt etwas kleiner und unscheinbarer daneben: Schmierläuse. Wie in der freien Natur wird über die Nützlinge die Schädlingspopulation im Griff gehalten. Das ist eben "bio" - ebenso wie das ganze Konzept des Tropenhauses. Und das ist jetzt offiziell anerkannt.