Stamm an Stamm wurde früher das Holz aus dem Frankenwald bis nach Holland gebracht. Die Flüsse dienten den Flößern als natürliche Transportwege. "Früher haben 16 000 solcher Flöße den Frankenwald verlassen", erinnerte sich Friedrich Fricke beim Besuch zweier Staatssekretärinnen kürzlich an diese Hochphase der Flößerei. Heute führt der Weg keines einzigen Floßes mehr aus dem Landkreis hinaus. Nur die Tourismusflößerei in Neuses und Wallenfels zeigt die Arbeit der Vorfahren noch in der Praxis. Doch nun fürchtet Fricke auch um deren Zukunft.

"Die größte Hürde wird wohl eine EU-Richtlinie, die besagt, dass Querverbauungen weg sollen", wenn Denkmalschutz oder wasserrechtliche Belange nicht dagegen sprächen, erklärte er. "Das wäre der Tod der Flößerei", brachte er seine Meinung gegenüber den beiden Politikerinnen auf den Punkt.


Richtlinie hat Folgen

In der Flößerstadt Wallenfels hat die Stadtverwaltung zwar schon von der so genannten Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gehört, doch konkrete Folgen für die Wilde Rodach sind noch nicht bekannt. In dieser Hinsicht sei noch niemand auf die Verwaltung zugegangen, stellt Frank Jakob fest. Das gleiche äußert Stefan Wicklein von der Stadtverwaltung in Kronach.

Dass die neue Richtlinie über kurz oder lang auch im Landkreis Kronach zum Thema werden wird, zeigt eine Nachfrage beim Wasserwirtschaftsamt Kronach. Abteilungsleiter Matthias Schrepfermann erklärt, dass es für die Umsetzung der Richtlinie ein gestecktes Ziel im Jahr 2015 gibt und Verlängerungsmöglichkeiten, welche die Zeiträume bis 2021 beziehungsweise 2027 einbeziehen. Und er verweist darauf, dass es im Frankenwald durchaus Defizite gibt, wenn es darum geht, die Prämisse der Richtlinie zu erfüllen.

Die WRRL will den "guten Zustand" der Gewässer herstellen. Diese Qualitätsstufe resultiert aus der Bewertung von vier Biokomponenten und des chemischen Zustands des jeweiligen Gewässers, wie der Abteilungsleiter erklärt.

"In vielen Fällen liegt es an einer naturfernen Gewässerstruktur sowie an der fehlenden Durchgängigkeit für Fische in Folge von Querverbauungen wie Wehranlagen oder Abstürzen", erklärt Schrepfermann, warum der anvisierte "gute Zustand" verfehlt werden kann. In den landwirtschaftlich genutzten Tälern kämen Nährstoff- und Sedimenteinträge aus der Landwirtschaft hinzu. "Nicht nur im Landkreis Kronach wirken sich all diese Belastungsfaktoren flächendeckend negativ auf die Gewässer aus."


Konzepte erarbeiten

Für die Gewässer, für die Handlungsbedarf bestehe, würden Ziel führende Maßnahmen und Maßnahmenkombinationen in Form von Umsetzungskonzepten erarbeitet, nennt Schrepfermann den Stand der Dinge. Wenn die Konzepte stünden, würden sie nach einer Beteiligung der Träger öffentlicher Belange der Regierung von Oberfranken zur Prüfung vorgelegt, weil ein "abgestimmtes Vorgehen erreicht werden soll". Die Richtlinie - sie kommt in ganz Deutschland zur Anwendung - sehe unter anderem auch den Rückbau oder die Umgestaltung von Querverbauungen vor, um die Flüsse wieder für die Wasserlebewesen durchwanderbar zu machen, sofern dies notwendig sei.

Ob derartige Maßnahmen auch den Kreis Kronach betreffen, bleibt abzuwarten. Was laut Schrepfermann allerdings feststeht: "Auch Haßlach, Kronach und Rodach im Landkreis Kronach verfehlen derzeit den ,guten Zustand‘."

Auch dort, wo geflößt werde, müsse Schritt für Schritt die Durchgängigkeit für die Wasserlebewesen wiederhergestellt werden, geht Schrepfermann auf die Befürchtungen Frickes ein. Dies werde üblicherweise dadurch erreicht, dass Wehre umgebaut werden. Das Anlegen eines Fischpasses sei eine andere Alternative. Dann müssten die Querverbauungen nicht zwingend entfernt werden.

"Momentan zeichnet es sich nicht ab, dass geplante Maßnahmen Einfluss auf den Betrieb der Tourismusflößerei im Landkreis Kronach nehmen könnten", gibt Schrepfermann den Flößern Entwarnung.


Das sagt die Regierung von Oberfranken

Die Regierung von Oberfranken ist für die Prüfung der Vorschläge zuständig, die das Wasserwirtschaftsamt Kronach vorlegt. Pressesprecher Oliver Hempfling informierte uns daher aus Sicht der Regierung über die Wasserrahmenrichtlinie.

Wie ist das weitere Verfahren, wenn das Konzept des Wasserwirtschaftsamtes vorliegt?
Oliver Hempfling: Die Regierung prüft fachlich das Umsetzungskonzept, bei dem es sich um eine Rahmenplanung handelt, und genehmigt es. Daraufhin können die im Einzelnen geplanten Maßnahmen durchgeführt werden. Natürlich müssen dabei immer die einschlägigen Regelungen im Verwaltungsverfahren beachtet werden. Ein Gewässerausbau muss beispielsweise nach wie vor wasserrechtlich genehmigt werden, wobei die Betroffenheiten anderer Gewässerbenutzer in die Abwägung eingehen.

In welchem Zustand befinden sich die Flüsse im Landkreis Kronach zurzeit?
Nahezu alle Fließgewässer im Landkreis Kronach sind im Sinne der WRRL nicht im "guten Zustand". In vielen Fällen liegt dies schon an einer naturfernen Gewässerstruktur. Weitere Faktoren sind die fehlende Durchgängigkeit für Fische sowie der Nährstoff- und Sedimenteinträge in den landwirtschaftlich genutzten Tälern.

Inwieweit müssen die Flößer mit Maßnahmen an den von ihnen benötigten Bauwerken im Landkreis Kronach rechnen?
Auch in den Flößergewässern soll sukzessive die Durchgängigkeit für Fische wiederhergestellt werden. Dies wird im Regelfall mit einem Umbau der Wehre oder durch Anlegen eines Fischpasses zu erledigen sein. Insoweit wird die Flößerei weiterhin möglich sein, da die Durchgängigkeit eben auch anderweitig hergestellt werden kann.

Bis wann müssten entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden?
Spätestens am Ende des dritten Bewirtschaftungszeitraums nach WRRL, also 2027, müssen die Maßnahmen zur Verbesserung der Durchgängigkeit umgesetzt sein.
Werden die Flößer in irgendeiner Form in entsprechende Planungen einbezogen?
/>Selbstverständlich. Die Flößerei soll ja weiterhin möglich sein. Die Flößer werden beispielsweise als "Träger öffentlicher Belange" über ihre Kommunen am Planungsprozess für die Umsetzungskonzepte eingebunden. Dies ist in der WRRL ausdrücklich so vorgesehen.