Die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern und Peta üben schon lange scharfe Kritik am Circus Voyage. Der Zirkus reist mit 89 Tieren durch das ganze Land. Die Tiere leben dabie hauptsächlich in ihren Gehegen, wenn sie nicht in der Manege das Publikum verzaubern.

"Elefanten, Giraffen oder Flusspferde gehören keinesfalls in einen Wanderzirkus. Es ist Zeit, dieses traurige Kapitel der Tierquälerei in die Geschichtsbücher zu verbannen", wird Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta in deren Pressemitteilung zitiert.

Als Beispiel für eine nicht artgerechte Haltung führt Peta die deutlich sichtbaren Narben einer Giraffe an, "die eine Folge der ständigen Transporte sein können".

Für Sascha Grodotzki, Sprecher des Circus Voyage, könnten diese auch etwa vom Spielen oder vom Geschlechtsverkehr stammen. Genau erklären kann er es aber nicht. Für ihn seien Narben eben etwas ganz normales bei Lebewesen: "Wenn ein Kind Narben hat, denkt man ja auch nicht gleich daran, dass er misshandelt wird. So etwas verheilt einfach nicht."


Tiere können sich frei bewegen

Die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern kritisiert hingegen "heftige Verhaltensstörungen", wie das sogenannte Weben bei den Elefanten. Damit wird ein heftiges hin- und herschütteln des Kopfes bezeichnet. Dazu führt die Gruppe in ihrer Mitteilung "gefährliche Tierausbrüche", wie etwa im Mai 2015, als das Flusspferd auf eine Straße gelaufen sei.

"Die Tiere sind nicht ausgebrochen" stellt Grodotzki klar. Vielmehr würden sich die Tiere während des Aufbaus teilweise frei und unter Aufsicht auf dem Zirkus-Gelände bewegen. Fußgänger würden dies als Ausbruch falsch interpretieren. Eventuelle Verhaltensstörungen würden bei der Kontrolle durch das Veterinäramt auf jeden Fall auffallen.
Beide Tierorganisationen fordern in ihren Mitteilungen ein Wildtierverbot für Zirkusse, so wie es schon in zahlreichen Kommunen in Deutschland existiert und auch in einigen europäischen Ländern auf nationaler Ebene.
"Man nimmt uns damit grundlos unser Recht", sagt Grodotzki. "Diese Beschlüsse werden ohne jegliche Fachkenntnis gefasst." Für die Tierrechtler hat er ebenfalls wenig übrig: "Das ist eine reine Hetzjagd. Sie suchen verzweifelt etwas und finden seit Jahren immer nur das gleiche."


Demonstration am Sonntag

Das Veterinäramt Kronach hat dieses Mal jedenfalls keine Missstände im Circus Voyage entdecken können. Wie Landratsamtssprecher Bernd Graf auf Nachfrage bestätigte, fand am gestrigen Donnerstag eine Untersuchung statt. "Dabei wurde festgestellt, dass die Unterbringung der Tiere allen gesetzlichen Vorschriften entspricht", so Graf.

Für Sonntag haben lokale Tierfreunde dennoch eine Demonstration vor dem Zirkus in der Ludwigsstädter Straße von 13 bis 15 Uhr angekündigt, unterstützt von der Aktionsgruppe Tierrechte Bayern.


Kommentar: Keine Kunststückchen mehr

Sichtlich genervt ist Sascha Grodotzki, der Sprecher des Circus Voyage, wenn er über die Kritik der Tierschützer spricht. Verständlich, wenn man bedenkt, dass er vor jedem neuen Halt mit seinem Zirkus mit den selben Fragen und Vorwürfen konfrontiert wird. So oft, dass er schon vorab eine Stellungnahme an die Vertreter der Presse und Ämter verschickt.

Rein rechtlich gesehen ist bei seinem Zirkus alles in Ordnung, sagen die Veterinärämter - alle Richtlinien werden eingehalten. Ist die Kritik der Tierschützer also falsch?

Sie ist zumindest laut. In den sozialen Netzwerken und in den Medien. Immerhin unterstützte die Bundestierärztekammer die Tierschützer. Die Kammer forderte bereits 2010 ein generelles Wildtierverbot in Zirkussen - ruderte aber in einer Stellungnahme vom September wieder etwas zurück und wies etwa auf die teilweise großen Belastungen für exotische Tiere beim Transport hin.

Entscheiden muss letztlich die Politik. Nicht aber aufgrund von Gefühlen oder Ideologien - von denen sich der ein oder andere Tierschützer gerne mal leiten lässt - sondern aufgrund handfester, wissenschaftlicher Fakten.

Ganz abgesehen von der Diskussion um die Haltung, sollte man sich heutzutage aber sowieso keine Kunststückchen von wilden Tieren vorführen lassen.