Am vergangenen Samstag wurde als Abschluss einer langjährigen ehrenamtlichen Aktion am früheren Firmengelände der damaligen Firma Rehbach Buffalo eine Erinnerungstafel in der neu geschaffenen kleinen Freizeitanlage enthüllt.Wer heute die Nordhalbener Bahnhofstraße hinauf zum Ort fährt, erblickt auf der linken Seite inmitten einer Brachfläche einen allein stehenden massiven Torbogen. Dahinter einen mit Schiefergabionen eingefassten Bereich mit Sitzgruppe und eine als Schreibtafel gestaltete Informationstafel, die von zwei Buntstiften gehalten wird.
Noch vor nicht allzu langer Zeit, war von dem zuletzt stark verwitterten Mauerbogen kaum mehr etwas zu sehen, er war ebenso vom Gestrüpp überwuchert, wie das dahinterliegende, bereits früher trassierte Gelände. Dass hier einst der wichtigste Arbeitgeber des Orts seinen Standort hatte und mit seiner Dampfpfeife den Tagesrhythmus bestimmte, war nicht mehr zu erahnen.
Von 1904 bis 1972 säumten die verschachtelten Firmengebäude des Familienunternehmens Pensel, das ursprünglich Argona und später J.J. Rehbach hieß, beiderseits die Straße. Heute ist nur noch auf der rechten Seite ein unansehnliches Gebäude übriggeblieben. Zunächst wurden Schiefertafeln und Bleistifte hergestellt, die in ganz Deutschland und darüber hinaus in viele andere Länder verschickt wurden. Zusammen mit den Schulmöbeln der Fa. ama (Albert Menger AG) machten sie Nordhalben/Heinersberg zu einem bekannten Produktionsstandort für Schulausstattungen in Deutschland. Bis in die 90er Jahre zeugte davon auch das "Werk II" am Nordhalbener Bahnhof.
Kurzfristig waren rund 1000 Arbeiter im Brot der Firma, die dann jedoch in wirtschaftliche Schieflage geriet. Mit der Hinzunahme von Holzspielzeug wurde versucht, den durch die Einführung der Schulhefte bedingten Niedergang der Schiefertafeln aufzufangen. Nach einem Vergleich erfolgte Mitte der 50er Jahre ein Neuanfang mit erweitertem Sortiment, jedoch mit nur noch 60 Beschäftigten. Dieser gelang und das Unternehmen expandierte mit zwei Werken in Bangladesch und Ghana. Weitere folgten, die mittelständische Fa. Rehbach aus dem Frankenwald wurde zum "Global Player" auf drei Kontinenten. 1972 waren 120 Arbeitnehmer in der Nordhalbener Fabrik im Lohn, als in der Nacht vom 28. auf den 29. April ein Großfeuer nahezu den gesamten Komplex zerstörte. Die Ursache in Abwesenheit der Firmenleitung wurde nicht offiziell ermittelt. Rund 5 Millionen DM betrug der Schaden, der das Werk von vier Generationen vernichtete.
Mit der Versicherungsleistung wagte die Familie Pensel einen Neuanfang am Nordhalbener Südrand, 1974 wurde das neue Werk eingeweiht, das zusätzlich nun Gartenmöbel und Werkbänke herstellte. Verbunden waren damit auch die Hoffnung auf neue dauerhafte Ausbildungs- und Arbeitsplätze in Nordhalben. Diese schwand jedoch bald. In kurzer Zeit trafen weitere schwere Schicksalsschläge die Familie, deren Unternehmen bereits 1975 in Konkurs und an einen Nachfolger überging. Die Familie Pensel verließ den Ort, behielt jedoch die Familiengruft bis heute bei. Die Brandruinen am alten Mühlberg verfielen und wurden 2004 eingeebnet. Auch nach über 40 Jahren sind die Erinnerungen an "den Pensel" zumindest bei den älteren Nordhalbenern noch präsent.
Dass die Erinnerung weiterlebt und an jüngere Nordhalbener und heutige Gäste am authentischen Platz weitergegeben werden kann, ist hauptsächlich einer Gruppe von Nachbarn zu verdanken. Allen voran Gerd Daum, der die letzten zehn Betriebsjahre, zuletzt als Leiter der Gartenmöbelproduktion, selbst miterlebt hat. Auch die Freundschaft zu einem der Pensel-Söhne, der 1982 ermordet wurde, war sein Anlass, aus der verwilderten Brache eine kleine Gedenkstätte zu machen.