"Ach, Herrgott", sagte die ältere Frau, als sie am Donnerstagabend den Luther-Saal in Küps betrat. Rund 70 Besucher drängten sich in den Stuhlreihen. Die Kreisgruppen aus Kronach und Lichtenfels des Bundes Naturschutz hatten nach Küps eingeladen. Es ging um das Dauerbrenner-Thema: Der Ausbau der B 173. An diesem Abend konzentrierte sich die Debatte auf den vierspurigen Ausbau der B 173 bei Küps und die Lerchenhoftrasse, die die B 303 mit der B 173 verbinden soll.

Themen, bei denen sich Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bundes Naturschutz für Bayern, in Rage redete. Schon der Titel des Abends machte deutlich, was der Umweltverband von den aktuellen Planungen hält: "Intelligente Lösungen an der B 173". Vor allem der "autobahnähnliche" Ausbau der Bundesstraße verärgere Mergner. Die Kritikpunkte: Das Verkehrsaufkommen sinke, zusätzliche Spuren seien daher nicht notwendig. Durch den Eingriff in die Rodach-Aue werde nicht nur die Natur zerstört, sondern die Hochwassergefahr steige. Er könne es nicht nachvollziehen, weshalb das Bayerische Innenministerium den vierspurigen Ausbau bevorzuge. Der ist laut Mergner schlicht zu teuer. Zur Situation in Küps sagte er. "All diese Varianten sind riesige Eingriffe in die Natur, sie sind sauteuer, und selbst wenn es einen Planfeststellungsbeschluss geben sollte, bleibt die Frage, ob das Ganze überhaupt gebaut wird. Denn egal welche Farbe die Regierung nach der Bundestagswahl haben wird: Es wird einen Kassensturz geben."

Region wird wirtschaftlich nicht abgehängt

Sein Vorschlag: Man möge die Straßen ausbauen, die es bereits gebe. Inklusive Lärmschutz für die Anwohner. Außerdem solle der Schwerlastverkehr verstärkt auf der Schiene rollen. Die Regierung, so Mergner, solle die Bundesstraßen lieber sanieren, statt neue zu bauen. Die Region um Kronach werde wirtschaftlich nicht abgehängt, sollte der vierspurige Ausbau der B 173 ausbleiben.

Auch einige Zuhörer waren mit dem Projekt, so wie es in der vorläufigen Liste des Bundesverkehrswegeplans steht, nicht zufrieden. "Sie und der Gemeinderat hätten sagen müssen, dass in die Flussaue nicht gebaut werden darf. Wieso habt Ihr denn dafür gestimmt?", fragte eine Zuhörerin in Richtung Herbert Schneider (parteilos), Bürgermeister von Küps. Der wollte diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. Er habe schließlich einen Antrag in den Marktgemeinderat eingebracht, der gefordert habe, dass nicht nur das Konzept des Staatlichen Bauamts überprüft werden solle, sondern auch ein Ausbau der bereits bestehenden Straßen. "Es ist schade, dass dieser Ergänzungsantrag nicht aufgenommen wurde."

Marktgemeinderätin Helga Mück (Freie Wähler) wollte das so nicht stehen lassen. "Es wurde in die Stellungnahme extra aufgenommen, dass wir ein neuen Vergleich nach den aktuellen Planungen fordern. Denn es ist damals mit den Planungen von 2002 und nicht von 2012 verglichen worden." Außerdem habe das Gremium nie den momentanen Planungen zugestimmt, sondern lediglich Stellung dazu genommen. Bevor auf kommunaler Ebene gehandelt werde, müsse erst der Kreistagsbeschluss, der den vierspurigen Ausbau befürworte, infrage gestellt werden.

Appell an die Kreistagsmitglieder

Auch Richard Mergner vom Bund Naturschutz sah das so: Der Politik müsse eine sinnvolle Alternative geboten werden, "aber dann muss auch der Kreistagsbeschluss weg". Edith Memmel (Die Grünen), Mitglied im Kreistag, hat damals gegen den Ausbau gestimmt. Sie versprach, bis kommenden Dienstag einen Antrag zu formulieren, der den gültigen Kreistagsbeschluss bei der nächsten Sitzung am 22. Juli kippen soll. Alleine habe sie allerdings keine Chance, weswegen sie auf alle Kreistagsmitglieder hoffe: "Ich möchte an die Kollegen appellieren, dass wir den Bürgern dienen und nicht der Fraktion."

Die nächste Möglichkeit im Planfestellungsverfahren, dass die Marktgemeinde Küps ihre Meinung äußern kann, ist der Erörterungstermin. "Spätestens zum Zeitpunkt der Erörterung sehe ich die Notwendigkeit, den Ergänzungsantrag auf den Weg zu bringen", sagte Bürgermeister Schneider. "Dann bin ich gespannt, ob mir der Marktgemeinderat folgt." Er sehe sich dabei allerdings "auf schwachen Füßen". Richard Mergner wandte ein, dass er es selten in dieser späten Phase des Verfahrens erlebt habe, dass das Staatliche Bauamt seine Pläne verwirft. Die Gemeinde solle daher versuchen, vorzeitig ein Moratorium für die Lerchenhoftrasse und den vierspurigen Ausbau der B 173 zu erwirken.

Ein Vertreter der Bürgerini tiative aus Hochstadt ließ durchblicken, dass für ihn die Zeit des Redens vorbei ist. Er wollte wissen, ob der Bund Naturschutz nicht als Verband gegen die Pläne des vierspurigen Ausbaus der B 173 klagen kann. "Wir halten uns das offen", antwortete Richard Mergner, "aber die eigentliche Auseinandersetzung muss die politische sein."