Für den 19. Januar kommenden Jahres ist die Zwangsversteigerung der Bettenhäuser des Aparthotels Steinwiesen angesetzt. Der Bürgermeister des Marktes, Gerhard Wunder (CSU), hat große Sorgen, dass der Komplex mit fast 100 Zimmern bei der Versteigerung in falsche Hände gerät, die touristische Nutzung gefährdet wird. Deshalb hat er einen "Plan B", bereits Gespräche mit Interessenten geführt.

Lieber wäre es Wunder, wenn die Anlage von der Familie Neubeck weitergeführt würde. Bob Neubeck und seinen Mitarbeitern bescheinigte er großes Engagement: "Die strampeln sich da unten ab wie die Wilden!" Kritik übte Wunder jedoch an der bisherigen Kommunikation.


Hinter den Kulissen

Hotelier Bob Neubeck wollte am Mittwoch die zwischenzeitliche Entwicklung nicht kommentieren, verwies auf laufende Verhandlungen und Gespräche: "Hinter den Kulissen passiert sehr viel." Neubeck war sich sicher, dass die Verhandlungen noch vor dem Versteigerungstermin abgeschlossen würden, es gar nicht zur Versteigerung kommen werde. Da hätte man die Mitarbeiter vorab informiert. Selbstverständlich werde man den Hotelbetrieb fortführen, "denn betriebswirtschaftlich stehen wir gut da". Bob Neubeck war enttäuscht vom Verhalten einiger Steinwiesener Bürger, die das Aparthotel schlechtredeten, Sachen kolportierten, die nicht zuträfen.

Die ganze Sache mit der Zwangsversteigerung habe andere, rechtliche Ursachen, hatte Bob Neubeck bereits Ende September berichtet. Im Zuge der Fortführung des Gesamtunternehmens und der Übertragung auf die Tochter wolle man Verträge umschreiben. Nur durch diesen ungewöhnlichen Weg könne man aus einem Vertrag rauskommen, sich hoher Zinssätze entledigen.

Wie gut es dem Aparthotel geht, wollte Bob Neubeck am Telefon nicht sagen, aber es soll mehrere Gläubiger geben. Der Hauptgläubiger, die BAG-Bank, die bereits das frühere Hotel "Flößerhof" in Marktrodach versteigern ließ, hat auch die Zwangsversteigerung für die Bettenhäuser des Aparthotels in die Wege geleitet.


Das Erbbaurecht

Das Aparthotel mit Restaurant selbst gehört der Gemeinde, ist von Bob Neubeck gepachtet. Zur Disposition stehen nur die fünf Bettenhäuser, denn die hat Bob Neubecks Vater seinerzeit auf gemeindlichem Grund errichtet. Das Erbbaurecht läuft 99 Jahre, noch bis zum Jahr 2087. Deshalb hat die Gemeinde auch ein Mitspracherecht, beispielsweise bei der Unterbringung von unbegleiteten Jugendlichen, denn die läuft der ursprünglich vereinbarten touristischen Nutzung zuwider. Der Marktgemeinderat hat dem Bewohnen durch die Asylbewerber "zähneknirschend zugestimmt", wie Bürgermeister Wunder berichtete. Denn er hätte natürlich viel lieber Hotelgäste im Komplex gesehen, schon wegen der Nutzung des Erlebnisbads, der Hoteleinrichtungen oder weil Steinwiesener Geschäfte vom Einkaufen durch die Urlauber profitieren.

"Es besteht ein großes Interesse der Gemeinde, dass der Hotelbetrieb fortgeführt wird", verdeutlichte der Bürgermeister. Weil die Kommunikation zwischen den beiden Protagonisten anscheinend ein wenig hapert, forderte das Gemeindeoberhaupt den Hotelier über die Öffentlichkeit auf, endlich ein schlüssiges Konzept vorzulegen. Es gebe Interessenten, die mit den Neubecks kooperieren wollten. Große Angst hat Gerhard Wunder vor dem 19. Januar, wenn bis dahin keine Einigung erzielt wurde, es tatsächlich zu einer Versteigerung der Bettenhäuser kommt. Der Wert wurde mit 800 000 Euro auch nicht allzu hoch angesetzt. "Die Bank wird das versteigern und wenn den Komplex jemand ersteigert, dann ist er weg." Wunder sieht zwei potenzielle Erwerber: Leute, die sich erhoffen, durch die massenhafte Unterbringung von Asylbewerbern die Kosten rasch wieder einzuspielen. Noch schlimmer wäre es für den Bürgermeister, wenn die Bettenhäuser in ganz falsche Hände gerieten: "Die rechte Szene sucht solche Objekte."


Über die Schmerzgrenze hinaus

"Wir unterstützen die Neubecks auch über die Schmerzgrenze hinaus, weil wir wissen, was am Hotel hängt", betonte der Bürgermeister. Dass der Hotelier damals in die Bettenhäuser investiert habe, die Gemeinde in die gastronomischen Einrichtungen, bezeichnete das Gemeindeoberhaupt als eine gute Lösung. Der Markt Steinwiesen sei bereit, das so zu regeln, dass die Zwangsversteigerung nicht stattfinde, Bob Neubeck die Umschreibung der Verträge durchsetzen könne. "Aber was passiert, wenn das schiefgeht?", zog Gerhard Wunder alle Eventualitäten in Betracht. In Steinwiesen brauche man "ein Haus, wo man ein bis zwei Busse unterkriegt".