Das Klopfen und Hämmern alljährlich im Sommer hoch über den Dächern der Stadt - das gehört einfach zum Kronacher Jahreskreislauf dazu. Seit 20 Jahren greifen auf der Festung Rosenberg Männer und Frauen zu Meißel, Fäustel und Hammer, um damit Sandsteine in kleine Kunstobjekte zu verwandeln.

Die kreativen Köpfe kommen aus ganz Deutschland, die meisten sind seit vielen Jahren dabei. Eine Reihe "Wiederholungstäter", aber auch einige "Novizen" der "süchtig machenden" Bildhauerei fanden sich am Freitag im Innenhof der Festung Rosenberg ein, um gemeinsam in fröhlicher Runde das Jubiläum zu feiern. Hierfür nahmen sie teilweise weite Anfahrtswege auf sich. Auch dies belegt die Wertschätzung für das besondere Angebot, vor allem aber für dessen Leiter, Heinrich Schreiber.

"Es sind im Wesentlichen zwei Dinge, die die Sandstein-Akademie so erfolgreich gemacht haben: Das besondere Ambiente auf der Festung Rosenberg sowie die Person Heinrich Schreiber", sagte Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann. Unter den Gästen war auch Bürgermeister a.D. Manfred Raum, in dessen Amtszeit die Sandstein-Werkstatt 1995 ins Leben gerufen worden war.

Sandstein sei für Kronach als auch für den gesamten Frankenwald ein sehr wichtiger Rohstoff gewesen, mit dem im hohen Maße Handel betrieben worden sei. Er zeichne sich durch seine hochwertige und langlebige Qualität aus. Zudem sei er relativ leicht zu bearbeiten. Die Sandstein-Werkstatt passe daher besonders gut zu Kronach. "Heinrich Schreiber ist der Mittelpunkt der Sandstein-Werkstatt", lobte Hofmann unter großem Applaus der Anwesenden.

Durch seine bis weit über die Landkreisgrenzen hinaus geschätzte fachliche Kompetenz, aber auch seine lockere, gelassene und umgängliche Art habe der Workshop nun schon 20 Jahre Bestand. Großer Dank gebühre auch dem Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach für die Organisation. Dessen stellvertretende Leiterin Jessica Lutz freute sich, dass alle Teilnehmer zu einer festen Gemeinschaft zusammengeschweißt seien, in der auch Neue herzlich aufgenommen würden. Sie dankte Tobias Schreiber für die wertvolle Unterstützung.

Zeugen der Vergangenheit gerettet

In seiner unnachahmlichen Art gab der akademische Bildhauer einen Einblick in die Geschichte der Werkstatt. Leider seien viele Steine, Fragmente, Bildstöcke oder Grabsteine weggeworfen worden. Seit seinem 20. Lebensjahr habe er solche "Zeugen der Vergangenheit" gesammelt und "gerettet".

Da er irgendwann in seiner Werkstatt keinen Platz mehr dafür gehabt habe, habe ihm die Stadt zu seinem 60. Geburtstag die Halle aus alten Balken und Ziegeln geschenkt. "Wir dachten damals, dass die Sommer-Akademie noch größer wird", erinnerte er sich. Aber andere Angebote wie Malereien oder Glasmosaike hätten sich nicht etablieren können, wohl aber die Bearbeitung des Sandsteins.

Heinrich Schreiber freute sich über die vielen guten Erfolge der Bildhauer in den vergangenen 20 Jahren, selbst von "völlig ahnungslosen Steinnovizen". In diesem museumsartigen Umfeld sollten die Teilnehmer nicht nur arbeiten, sondern auch schauen und sich austauschen.

Familiäres Miteinander

Dabei stellte er besonders das familiäre Miteinander der "Gemeinschaft der staubigen Schwestern und Brüder" in den Vordergrund. So werde ein freundschaftliches "Du" gepflegt und auch die Mahlzeiten würden von zuhause mitgebracht, geteilt und gemeinsam eingenommen.

Alle Anwesenden beschenkte er mit zwei Holzschnitten, die er im Gründungsjahr 1995 beziehungsweise anlässlich der 3. Sandstein-Akademie geschaffen hatte und nachdrucken ließ.

Der Zusammenhalt, das Gesellige, das Ambiente, die unvergleichliche Art von Heinrich Schreiber und seine fachliche Kompetenz kommen bei den Teilnehmern gut an. Darin waren sich diese, befragt nach dem Erfolgsrezept der Sandstein-Werkstatt, einig.
Musikalisch umrahmt wurde die kleine Feier von Stefan Ender. Er hatte nicht nur seine Ziehharmonika dabei, sondern auch jede Menge fränkische Lieder zum Mitträllern.
Natürlich wurde auch Schreibers Lieblingslied, das Flößerlied, angestimmt.