Die Problemstellung war für Heimatminister Markus Söder (CSU) klar: "Lassen wir die Großstädte weiter überhitzen, während der ländliche Raum abkühlt?" Diese Frage habe sich der Politik angesichts des demografischen Wandels und der Abwanderung der Menschen in die Ballungsräume gestellt. Die Antwort für Bayern sei inzwischen gegeben worden. "Wir wollen die Großstädte etwas entschleunigen, dafür den ländlichen Raum beschleunigen." Das neue Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken in Kronach soll dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die Einrichtung ist auf dem Loewe-Gelände angesiedelt und wird von Oberfranken Offensiv getragen. 90 Prozent der Finanzierung des laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) "vorerst einmal" bis 2020 angelegten Projekts übernimmt der Freistaat. Söder sprach von 1,3 Millionen Euro.

Der Breitbandausbau, die Verlagerung von Bildungseinrichtungen oder auch die Stabilisierungshilfen von zuletzt 150 Millionen Euro - "der Großteil floss nach Oberfranken" - zeigten dem Heimatminister, dass ein Umdenken in der Landespolitik stattgefunden hat. "Von München aus fließt Geld, um in Franken etwas zu verändern - so stelle ich mir das vor." Die Franken ihrerseits hätten einen Mentalitätswandel vollzogen, arbeiteten zusammen, meldeten sich zu Wort. Auch das habe dazu geführt, dass im Jahr 2015 erstmals seit 2001 im Bezirk wieder ein Anstieg der Bevölkerung registriert werden konnte. "Oberfranken ist keine Abwanderungsregion mehr", betonte der Minister.


Langfristige Strategie

Diese Entwicklung solle durch eine langfristige Strategie begleitet und weiter befeuert werden. Dann werde beispielsweise auch der Kronacher Raum noch mehr davon profitieren. Ein Leuchtturm-Projekt sah er dabei im Kompetenzzentrum, ein anderes in der bevorstehenden Verlagerung der Beamtenfachschule in die Kreisstadt. "Das wird Kronach verändern" - zum Positiven - war sich der Minister sicher. Solche Vorhaben gehörten zu einer Kette von Impulsen, welche die Situation in den ländlichen Räumen verbessern werde.

Melanie Huml erinnerte an "unheimlich düstere Zahlen", die vor gar nicht allzu langer Zeit für die Zukunft Frankens aufgezeigt worden seien. Inzwischen habe sich die Lage deutlich aufgehellt. Auf dem Weg zu gleichwertigen Lebensbedingungen sei man in Franken ein gutes Stück weit vorangekommen.

Mit dem neuen Demografie-Kompetenzzentrum auf dem Loewe-Campus entstehe eine weitere Möglichkeit, innovative Ideen für die Bewältigung demografischer Herausforderungen ins Spiel zu bringen sowie Synergien mit den benachbarten Einrichtung zu nutzen. "Es geht darum, Akteure zum Handeln zu ermutigen und sie besser zu vernetzen", ging die Ministerin auf die Zielsetzung ein. Musterbeispiele sollen vom Zentrum gesammelt und zu einem "Think Tank" - einer Denkfabrik - formiert werden. Von diesen Geistesblitzen könne dann ganz Oberfranken profitieren.


Gute Vorarbeit geleistet

Der Geschäftsführer von Oberfranken Offensiv, Frank Ebert, zeichnet für das Kompetenzzentrum in Kronach verantwortlich. Er erinnerte daran, dass es seine Wurzeln in der Demografie-Werkstatt und später in der Demografie-Pilotregion hatte. Bei diesen Projekten war der Vorsitzende von Kronach Creativ, Rainer Kober, eine treibende Kraft. Dieser freute sich über die neue Einrichtung, die nun wohl auch die Ergebnisse nutzen werde, welche das Pilotregion-Team erarbeitet habe.

Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung seien zunächst unterschätzt worden, die Komplexität des Themas habe in den Rathäusern zu so manchem Schulterzucken geführt und die finanziellen Möglichkeiten, auf die Herausforderungen zu antworten, hätten gefehlt. So schilderte Kober die erste Bestandsaufnahme. Inzwischen gebe es "wirklich gute Anregungen aus der Praxis und für die Praxis". Kober freute sich vor allem darüber, dass viele Initiativen auf privater Basis beruhten. "Das Bürgerengagement zeigt, dass die Leute einen Beitrag leisten, ihre Gemeinde attraktiv halten wollen", forderte der Vorsitzende dazu auf, dieses Potenzial weiter zu nutzen. Wichtig sei nur, dass die Bürger aus den Rathäusern klare Zielvorstellungen an die Hand bekommen, wohin die Reise ihrer Gemeinde gehen soll.

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz betonte, dass Oberfranken Kümmerer brauche und zusammenstehen müsse, um eine nachhaltige Aufwärtsentwicklung zu erzielen. Die Themen "Demografie" und "Digitalisierung" müssten dabei als Einheit gesehen werden. Dann sei der Bezirk gerüstet, denn: "Wir wollen als Oberfranken den anderen zeigen, wo der Hammer hängt."