"Landrat zu sein, ist der schönste Beruf in Bayern", schwärmte Oswald Marr (SPD) am Montag vor den Mitgliedern des Kreistags. Und doch wird er diesen Job am 21. Dezember aufgeben. Bei der letzten Sitzung des Kreistags unter seiner Leitung blickte er am Montag auf seine 18-jährige Amtszeit zurück.

83 Sitzungen des Kreistags und 146 Sitzungen des Kreisausschusses hatte es in diesen drei Wahlperioden gegeben. Tausende von Punkten seien abgearbeitet worden, war sich Marr sicher. Er stellte das gute Miteinander in den Vordergrund. Mit der Regierung von Oberfranken habe es immer ein hervorragendes Einvernehmen gegeben. Auch mit seinen jeweiligen Stellvertretern von der CSU sei er sehr gut zurechtgekommen, mit seinem jetzigen Vertreter Gerhard Wunder sogar hervorragend. "In Kronach war es nicht so wie in manchen anderen Landratsämtern, wo der Stellvertreter irgendein Zimmerchen hinten im Flur hat. Mein Stellvertreter hatte in meiner Abwesenheit immer Zugang zu meinem Büro", stellte Oswald Marr heraus. Man brauche stets eine gute Vertretung.

Als Landrat sei er in einer Vielzahl weiterer Gremien engagiert gewesen. Mit allen Lebensbereichen, die die Menschen berühren, habe der Landrat zu tun. Aber immer, wenn die Mitarbeiter des Amtes bei einem Anliegen der Bürger nicht zustimmen könnten, lande das beim Landrat. "Und da hat man auch schwierige Entscheidungen treffen müssen", berichtete Marr.

In den vergangenen 18 Jahren seien 281 Einzelprojekte angegangen worden. Bei deren Verwirklichung habe man eine gute Förderung erhalten. Am meisten sei mit etwa 50 Millionen Euro in den Schulbereich investiert worden. "Aber auch im Tiefbaubereich ist viel passiert." Ein Fünftel der Kreisstraßen sei mit einem Kostenaufwand von ungefähr 28 Millionen Euro in einen hervorragenden Zustand gebracht worden.


Der "grüne Hügel Kronachs"

"Am schönsten ist es, wenn man Menschen trifft, die sich freuen, dass sie einen sehen. Das sind die wunderbarsten Momente, die man haben kann", schwärmte Oswald Marr von den vielen positiven Begegnungen, die er in den vergangenen 18 Jahren hatte. In Anspielung an das Festspielhaus in Bayreuth nannte Marr den Kreiskulturraum den "grünen Hügel Kronachs". Der sei die zentrale Spielstätte im Kreis Kronach. Deshalb sei es wichtig gewesen, zu sanieren. Marr sprach auch weitere wichtige Entscheidungen wie die Sparkassenfusion und den Klinikverkauf an.

Gemeinsam habe man viel investiert, aber auch den Schuldenstand um 38 Millionen Euro auf elf Millionen Euro abgebaut. Gleichzeitig habe man eine niedrige Kreisumlage und liege auf Platz sieben von 71 im Freistaat Bayern.

Das Landratsamt sei zu einem modernen Dienstleistungszentrum geworden. Für seinen Nachfolger Klaus Löffler (CSU) bleibe aber noch einiges zu tun.

SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzendem Richard Rauh kam die Rolle zu, "im Namen der gesamten Kreistagsfamilie" Oswald Marr für dessen Leistung zu danken. "Das kommt auch nicht alle Tage vor, dass einer für alle sprechen darf", merkte Rauh an. Oswald Marr habe Spuren hinterlassen und Duftmarken gesetzt, die den Landkreis nachhaltig geprägt hätten. "Doch Oswald Marr ist nicht abgehoben, sondern immer Mensch geblieben", lobte Richard Rauh. Der Landrat habe auch komplizierte Themen auf den Punkt bringen können. Die 18 Jahre als Landrat hätten die Region geprägt. Doch es habe auch Jahre gegeben, wo Schmalhans Küchenmeister gewesen sei.


"Oswalds Ruhebänkla"

Die "Kreistagsfamilie" trat in Gestalt ihrer Führungsfiguren dann auch gemeinsam in Aktion und trug "Oswalds Ruhebänkla" in den Sitzungssaal. Der Landrat war hellauf begeistert, nahm darauf genüsslich Platz und kündigte an, dass diese rustikale Ruhebank einen Ehrenplatz erhalten werde.


VHS-Gebäude erhält Flankenanbau

Im Hinblick auf die Generalsanierung des VHS-Gebäudes machte der Kreistag am Montag einen Riesenschritt nach vorn. Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex wird in seiner Grundstruktur weitgehend belassen. Um für zusätzliche Fluchttreppen, Barrierefreiheit, entsprechende sanitäre Anlagen, Büroräume und Lagermöglichkeiten zu sorgen, wird an der Ostseite, zwischen Gebäude und Rodacher Straße, ein Flankenanbau errichtet.
Kreiskämmerer Günter Daum berichtete, dass es wegen der Städtebauförderung in jüngster Zeit Gespräche gegeben habe. Dabei habe sich herausgestellt, dass es das Beste sei, das Gebäude in der Kubatur so zu belassen wie es ist. Wegen der Barrierefreiheit und weiterer Anforderungen sei ein Anbau favorisiert worden. Auch Landrat Oswald Marr (SPD) plädierte für diese Lösung, weil der Eigenanteil wegen der Städtebauförderung niedriger sei als bei einem Neubau. Und saniert werden müsse das Gebäude ohnehin.


Die Nutzfläche steigt

Architektin Sabine Porzel von Spindler+ Architekten ging auf die verschiedenen Mängel ein. Neben den bereits genannten sprach sie auch die statischen Probleme mit dem Dach, feuchte Stellen und Mängel beim Brandschutz an. Ohne Ausbau des Dachgeschosses wäre das ganze Projekt nicht zukunftsorientiert, weil die Nutzfläche von 731 auf 700 Quadratmeter sinken würde. Mit Ausbau des Dachgeschosses steige sie auf über 900. Vor dem Gebäude sei von den Landschaftsarchitekten eine Terrassenanlage vorgeschlagen worden. Diese könnte sehr gut genutzt werden. Die Räume blieben nach der Sanierung im Grundriss wie bisher. Im denkmalgeschützten Bereich werde es wenig Umbauten geben. Über die Kosten konnte sie noch keine Angaben machen.

Ehrungen Landrat Oswald Marr (SPD) zeichnete folgende Kreisräte für 20 Jahre Mitgliedschaft im Gremium aus: Gabriele Weber, Hans-Peter Laschka, Joachim Ranzenberger, Gerhard Wunder, Michael Wunder (alle CSU), Richard Rauh, Dietmar Schmidt (beide SPD), Edith Memmel (Grüne) und Bernd Steger (FW).

Jugendhilfeausschuss Einen Tausch gab es auf Wunsch des Kreisjugendrings. Moritz Wicklein ist jetzt stimmberechtigtes Mitglied des Ausschusses, Matthias Simon Stellvertreter. Vorher war das umgekehrt.

Haushalt Die Jahresrechnung 2015 des Landkreises umfasst 77,3 Millionen Euro. Das Ergebnis war laut Kreiskämmerer Günter Daum sehr zufriedenstellend. Es sei viel investiert worden, vor allem in den Schulbereich und den Kreiskulturraum. Der Schuldenstand konnte nochmals reduziert werden. Daum wünschte sich, dass diese positive Entwicklung fortgesetzt wird. Man solle den Bogen jedoch nicht überspannen, weil der Kreis Kronach der zweitkleinste in Bayern sei.

Ausgaben Überplanmäßige Ausgaben im Jahr 2015 in Höhe von 3,3 Millionen Euro wurden genehmigt. Dabei handelt es sich laut Kreiskämmerer Daum nur um 670 000 Euro "echte" überplanmäßige Ausgaben, für zweieinhalb Millionen Euro besteht eine Gegenfinanzierung. Allein 325 000 Euro wurden für den Asylbereich aufgewendet, "aber die kriegen wir", war sich Daum sicher.

Zuschuss Der BRK-Kreisverband erhält für das Dienstleistungszentrum Katastrophenschutz einen Zuschuss von 250 000 Euro. Die Unterstellmöglichkeiten für Fahrzeuge und Gerätschaften kosten 400 000 Euro.

Termin Die nächste Kreistagssitzung ist am 23. Januar 2017, 9 Uhr. Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz vereidigt den neuen Landrat Klaus Löffler (CSU).