Gefährliche Schüsse bei der Jagd, so lautet am Montagnachmittag eine Pressemitteilung der Tierrechtsorganisation PETA. Geschildert wird ein Jagdunfall, den ein 73-Jähriger bei der Jagd in der Nähe von Beikheim verursacht hat. Dieser wollte Schüsse auf einen Hasen abgeben, wurde aber offenbar von der Sonne geblendet, verfehlte sein Ziel und schoss stattdessen seinen 20-jährigen Kollegen an. Dieser trug zu seinem großen Glück einen Patronengurt aus Leder, der die meisten Schrotkörner abfing. Dadurch wurde der junge Jäger "nur" von wenigen Körnern im Bereich der Leiste getroffen. Derzeit wird der 20-Jährige in der Frankenwaldklinik stationär behandelt.

"Unser Sohn hatte Riesenglück", so der Vater des Verletzten, Hans Hiesl. Seinem Sohn gehe es den Umständen entsprechend gut. Mehr wollte er allerdings zu diesem Unfall nicht sagen und bat um Verständnis. Das Thema "Jagd" hat in der Familie Hiesl Tradition. Schon der Uropa hatte ein Jagdrevier in Schmölz gepachtet. Auch das Unfallopfer und dessen Bruder hat diese Leidenschaft gepackt. Dass die Familie der Jagd weiterhin positiv gegenüber steht, daran kann auch der Unfall nichts ändern.

Anders äußert sich die PETA. Sie fordert das Verbot der Hobbyjagd. In der Mitteilung wird darauf hingewiesen, dass jedes Jahr neben hunderttausenden Tieren, denen erhebliches Leid durch Fehlschüsse zugefügt wird, auch mehrere Dutzend Menschen von Hobbyjägern getötet beziehungsweise verletzt werden.

Die PETA sieht keinen nachvollziehbaren Grund für die Jagd von Privatpersonen in Wäldern. Im Gegenteil, die Hobbyjagd gehe mit einer Störung des Rechtsfriedens sowie der öffentlichen Sicherheit und Ordnung einher. Es wird auf wissenschaftliche Studien hingewiesen, wonach die Jagd nicht dazu geeignet sei, Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren.

Aber wie sieht das der Jagdschutz- und Jägerverband Kronach? "Ein Risiko bleibt - wie bei vielen anderen Dingen - immer", betont der dritte Vorsitzende, Oliver Bauer. Seiner Meinung nach komme man in der Region nicht ohne Hobbyjagd aus. Er spricht von den sechs Hegegemeinschaften im Landkreis Kronach und weist auf die Entwicklung der Schwarzwildstrecke hin. Im Jahre 1971 waren es drei, im Jahre 2014 über 1400. Hinzu kommen über 1000 Rehe, Füchse und Hasen.

In der Vergangenheit, so Bauer, wirkten noch kalte Winter regulierend auf die Zahl der Tiere. "Die gibt es aber fast nicht mehr." Weitere Gründe für den rasanten Anstieg des Wildes sieht er in der Bewirtschaftung von Wald, Wiesen und Flächen. Es werde Mais auf den Äckern angebaut, das Gras auf den Wiesen wachse hoch, die Wälder würden wirtschaftlich genutzt. Vor etwa 50 Jahren gab es vor allem viele dicht stehende Fichten und damit weniger Nahrung und Platz für Rehe. Mittlerweile seien Mischwälder weiter verbreitet. "Unsere Kulturlandschaften und der Anbau von Getreide und Früchten bieten viel zu fressen", verweist Bauer auf steigende Schwarzwildzahlen. Einen weiteren Grund für den Anstieg sieht er in der Grenzöffnung im Jahre 1989. Dadurch sei der Lebensraum für diese Tiere viel größer geworden.

Bauer ist überzeugt, gebe es die Hobbyjagd nicht, würde auch die Zahl der Wildunfälle deutlich steigen. Außerdem griffen die Jäger mit ihren Hunden viele verletzte und kranke Tiere in der Natur auf und erlösten sie mit einem Schuss von ihren Leiden. Nicht zuletzt durchstreife man im Frühsommer regelmäßig Wiesen und rette Rehkitze, bevor die Wiesen gemäht werden.

Für Bauer gibt es keinen Grund, wegen des Unfalls die Jagd schlecht zu reden. Dass ein Weidmann bei einer Jagd verletzt wurde, das habe es Gott sei Dank in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Bauer hofft nun, dass der junge Jäger bald wieder gesund wird.

Wie sich der Unfall im Detail zugetragen hat und welche Folgen dieser für den Schützen haben wird, das ermitteln derzeit Polizei und Staatsanwaltschaft.