Es ist ein gewaltiges Andachtsbild, das sich dem Besucher beim Eintritt in das Gotteshaus St. Heinrich auftut. In der als Marienkapelle konzipierten Südnische der Kirchenvorhalle sticht die "Pietà am Stacheldraht" sofort ins Auge.

Das Kunstwerk besteht aus einem nahezu wandfüllenden rohen Betonblock als Schrein mit bizarr strukturierter Oberfläche. Sein Mittelteil führt in silbern schimmerndem Metall diese Strukturen weiter und bindet die ebenso gestaltete Figur einer Pietà ein. Dabei werden oben und unten die Stacheln eines Stacheldrahtes versinnbildlicht, die im Metall plastischer weitergeführt werden.

Diese Gestaltung geschah - laut der Festschrift von 1966 zur Einweihung der Kirche - bewusst als Mahnmal an die ehemals nahebei verlaufende Grenze zur früheren DDR. "Ihr Leid ist Ausdruck der schmerzlichen Trennung der Menschen durch den Eisernen Vorhang" heißt es in der Festschrift weiter. Die durchbrochen gestaltete Metallfläche ist mit grobem Stoff von der Rückseite her abgedeckt. Die zum Andachtsbild gehörenden bauzeitlichen Metallständer für Opferkerzen und die Einzäunung werden heute nicht mehr benutzt. Geschaffen wurde das Werk von Henry Walz aus Beton in Verbindung mit gelötetem Blech. Die Metallarbeiten wurden vom Gundelsheimer Schlosser Hans Stäudeler durchgeführt.


Aus Platzmangel

"Auslöser für die Entstehung des Werks war, dass die alte Wehrkirche in Steinbach am Wald nach dem Zweiten Weltkrieg die Gläubigen bei Gottesdiensten nicht mehr fassen konnte. Im Juli 1963 gründete sich dort ein Kirchenbauverein, der die Errichtung einer neuen größeren Kirche zum Ziel hatte", erklärt Kreisheimatpfleger Robert Wachter vor Ort in Begleitung von Mesnerin Karin Fuckner.

Entwurfsvorschläge für den Kirchenneubau lieferte im gleichen Jahr der damals knapp 30-jährige Architekt Hans Karl Völker (1932 - 2004) aus Bamberg. Er überzeugte mit diesen Entwürfen sowohl das Erzbischöfliche Ordinariat als auch die Steinbacher. Als Bauplatz war ein Grundstück ausgewählt worden, das die neue Kirche repräsentativ im Ortsbild heraushob und zugleich den alten Ortskern von Steinbach mit dem durch Bahnbau und Industrie entstandenen Ortsteil Steinbach-Bahnhof miteinander verband.

"Mit diesem Gotteshaus wurde einer der bedeutendsten und progressivsten Kirchenbauten der 1960er-Jahre im Landkreis Kronach geschaffen. Der Architekt Hans Karl Völker hatte einen expressiven Betonbau auf asymmetrischem Grundriss konzipiert, der sich so vom bis dato gewohnten Kirchenbau mit seinen traditionellen längsrech teckigen Kirchenschiffen vollends unterschied und abhob", würdigt der Kreisheimatpfleger.
Leider seien spätere - nicht immer nötige - Instandsetzungen und Bauänderungen dem einst spektakulären Erscheinen der Kirche nicht unbedingt förderlich gewesen.


Dokument der Trennung

Der erste Spatenstich zur neuen Kirche erfolgte im April 1965. Schon die Grundsteinurkunde des Gotteshauses thematisierte vor inzwischen 50 Jahren die "Deutsche Teilung": "Zeugen soll dieses Gotteshaus von ungebeugter Treue und opferbereiter Liebe zu unserem verwundeten deutschen Volk, durch dessen Herz sich unweit von unserer Gemeinde eine unselige Mauer der Trennung zieht und unser Land teilt."

Am 13. November 1966 weihte der damalige Bamberger Erzbischof Josef Schneider das Gotteshaus.
Einen kongenialen Partner für den Kirchenbau fand Architekt Völker in dem in Forchheim geborenen Künstler Henry Walz, der damals erst Ende 20 war. Das Team Völker und Walz arbeitete auch bei anderen Bauprojekten zusammen und prägte so im Erzbistum Bamberg und darüber hinaus seinen ganz eigenen Stil.

Zeitgleich mit St. Heinrich in Steinbach am Wald schufen Völker/Walz die ebenfalls 1966 geweihte Kirche St. Josef in Forchheim-Buckenhofen. Das Team wurde auch für den Neubau der katholischen Heilig-Geist-Kirche in Ludwigsstadt engagiert.