Sechs kleinere, blutende Schnittwunden im Gesicht sowie am Hals und zudem eine etwas größere Wunde am Ohr. Können solche Verletzungen durch einen Hartplastikbecher entstehen? Der Angeklagte meinte: ja. Ganz anders sahen dies Richter Markus Läger sowie Staatsanwältin Bianca Franke, die sich sicher waren, dass der Mann aus dem Landkreis Kronach mit einem Bierglas seinen 28-jährigen, vorher völlig unbekannten Kontrahenten geschlagen hatte. Was war geschehen?

Faschingszeit im Februar im Mehrzweckhaus Nurn, etwa 1.30 Uhr: Bis dahin war es für die Streithähne eine ausgelassene, für beide Seiten feuchtfröhliche Nacht. Beide hatten mächtig "getankt" und kamen so auf 1,6 Promille. Bereits vorher waren die Männer einmal kurz aneinander geraten. Dabei ging es darum, dass der Angeklagte versehentlich ein Getränk seines späteren Opfers verschüttet hatte. Die Angelegenheit war aber schnell aus der Welt gebracht.

Keine Erklärung

Was zu der späteren Auseinandersetzung geführt hat, konnten sich beide vor Gericht selbst nicht genau erklären. "Ich fühlte mich von dem Mann und seinen Freunden in die Enge gedrängt. Deshalb habe ich mit dem Becher zugeschlagen", gab der bislang unbescholtene Angeklagte zu. Nach eigenen Angaben hatte er in der linken Hand ein Weizenbierglas gehalten, in der rechten den besagten Hartplastikbecher. Das Glas habe er fallen gelassen. "Ich bin Rechtshänder. Ich bin mir sicher, mit dem Becher zugeschlagen zu haben", beteuerte er.

Sein Opfer konnte zu der Tat selbst keine exakten Angaben machen. Es habe Stänkereien zwischen den beiden Freundesgruppen gegeben. "Die Stimmung war aufgeladen. Ich wollte beschwichtigen und sagte zum Beschuldigten, dass wir keinen Stress wollen, uns aber auch nicht alles gefallen lassen", erinnerte sich das Opfer. Als er sich danach abgewandt habe, habe er von hinten einen Schlag gespürt.

Polizei gerufen

Der Veranstalter habe schließlich die Polizei gerufen. Er selbst habe sich in die Notaufnahme begeben, wo sein Ohr genäht worden sei. Der Angeklagte hat sich später per SMS bei ihm entschuldigt. "Damit war die Sache für mich erledigt", meinte das Opfer.

Von einem minderschweren Fall sprach Staatsanwältin Bianca Franke. Gleichzeitig verhehlte sie nicht die Gefährlichkeit des Tuns. Sie war sich sicher, dass die Verletzungen nur durch Glas entstanden sein konnten. "Das war verdammt gefährlich, mit dem Weizenbierglas so um sich zu schlagen. Das kann richtig ins Auge gehen", sprach sie dem Angeklagten ins Gewissen. Sie forderte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen á 40 Euro.
Richter Markus Läger folgte den Ausführungen der Staatsanwältin, beließ es aber bei 100 Tagessätzen. Das Urteil ist rechtskräftig.