Weil sie einen 20-Jährigen aus seinem Auto gezerrt, ihn geschlagen und getreten haben sollen, mussten sich gestern zwei 30-jährige Männer aus dem Landkreis Kronach vor dem Amtsgericht verantworten. Als ein Freund des Opfers die Polizei rufen wollte, soll ihm einer der Männer mit dem Tod gedroht haben.


Körperverletzung und Nötigung


Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung wurde einer der Angeklagten zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt, der andere wurde freigesprochen.

"Nachdem das Geschirr gepoltert hat, soll es auch unter den Besuchern zum Poltern gekommen sein", sagte Richter Hendrik Wich.

Der Vorfall soll sich im Sommer 2014 - nach einem Polterabend im nördlichen Landkreis - zugetragen haben.
Alle Beteiligten gaben an, in dieser Nacht alkoholisiert gewesen zu sein. Die beiden Angeklagten stritten vor Gericht alle Vorwürfe ab. "Wir wollten nur, dass er nicht besoffen Auto fährt", erklärten sie. "Er wollte immer wieder anfahren." Deswegen hätten sie lediglich die Autotür geöffnet und den Autoschlüssel des 20-Jährigen in den Fußraum geworfen.


Im Auto zur Ruhe gelegt


Die Version des Opfers klang jedoch anders: Er sei im Auto gewesen, weil er darin habe schlafen wollen. "Plötzlich wurde ich aus dem Auto gezerrt und habe nur noch Tritte gespürt." Seinen Autoschlüssel habe er einen Tag später in einem vier Meter hohen Baum gefunden. Außer einer Zerrung im Arm habe er keine schwerwiegende Verletzungen davongetragen. Immerhin aber sei er für eine Woche krankgeschrieben worden.

Nach der Anhörung von vier Zeugen glaubte Staatsanwalt Michael Imhof den beiden Angeklagten kein Wort und forderte Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr und vier Monaten beziehungsweise elf Monaten sowie jeweils 900 Euro Geldstrafe.

Die Verteidiger Axel Blöcher und Tina Maria Steiner waren sich dagegen einig: Ihre Mandanten wollten lediglich eine Trunkenheitsfahrt verhindern und keine Schlägerei anzetteln. Sie forderten eine Verwarnung mit Strafvorbehalt für den einen sowie einen Freispruch für den anderen Angeklagten.


Im Zweifel für den Angeklagten


Richter Hendrik Wich kam der Forderung der Rechtsanwältin nach und sprach einen der 30-jährigen Männer frei. "Im Zweifel für den Angeklagten: Es konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden, ob er beteiligt war oder nicht", begründete er den Freispruch.

Gegen den anderen Angeklagten verhängte er eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Positiv wertete der Richter, dass der 30-Jährige noch keine Vorstrafen hat, negativ jedoch die Intensität des Angriffs.