Am morgigen Freitag feiert Altlandrat Heinz Köhler seinen 75. Geburtstag. Als er damals im Jahr 1972 ins Amt gewählt wurde, war er mit 30 Jahren der jüngste Landrat Bayerns. Heinz Köhler kann auf ein interessantes Leben mit vielen Höhen, aber auch mit Tiefen zurückblicken.
Heinz Köhler ist an seinem Lieblingsort. Dort, wo einst das 70 Einwohner zählende Dorf Liebau stand, dessen Bevölkerung im Jahr 1952 nach Bayern flüchtete und das im Jahr 1975 auf Anordnung des SED-Regimes beseitigt wurde. Er fährt oft mit dem Fahrrad an den Gedenkstein, der sich am Grünen Band befindet. Dabei quert er die Landesgrenze zwischen Bayern und Thüringen und die drei Landkreisgrenzen Kronach, Coburg und Sonneberg.
Heinz Köhler ist voller Energie und man merkt, er hat ein großes Wissen. Er spricht von Terminen, die er immer noch wahrnimmt. Da ist er beispielsweise nahezu täglich in seinem Büro in der Kanzlei Wittmann. Auch bei der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) zeigt er Präsenz. Bei dem Wasserzweckverband fungiert er seit 42 Jahren als Vorsitzender. Und er war es auch, der seine Verbandsräte überzeugte, eine Kooperation mit dem angeschlagenen Wasserzweckverband Frankenwaldgruppe einzugehen. Weiterhin ist er noch im Vorstand des BRK-Kreisverbands aktiv.
Ob ihm all diese Aufgaben nicht zu viel werden? "Nein, das passt so!", kommt es spontan zurück. Heinz Köhler sieht sich in einer glücklichen Position. Er hat seine Aufgaben, die ihn täglich fordern, und damit auch Abwechslung im Alltag. Er hat aber auch seine Freiräume, an denen er sich in der Natur aufhalten, Radfahren und Bücher lesen kann. Dieser Spagat zwischen Arbeit - das ohne Druck - und Freizeit, das wirkt sich auf sein Wohlbefinden aus, ist Köhler überzeugt. Außerdem habe er eine Familie, die er sehr zu schätzen weiß.


Auf dem Boden geblieben

Heinz Köhler blickt voller Dankbarkeit auf sein Leben zurück. Seine Heimat war und ist Mitwitz. Dort wurde er geboren und ist aufgewachsen. Eigentlich sollte er auf Wunsch des Vaters Schreiner werden, später wegen eines Hüftleidens ins Finanzamt. "Letztendlich bin ich Jurist und Politiker geworden", schmunzelt er. Spricht man ihn auf seine politische Gesinnung an, so erzählt er, dass ihm anfangs - als er sich Ende der 50er Jahre für die Politik zu interessieren begann, die Auftritte des ehemaligen Verteidigungs- und Finanzministers und späteren Bayerischen Ministerpräsidenten, Franz Josef Strauß, imponierten. Letztendlich hätten ihn aber die 68er geprägt.
Heinz Köhler ist einer, der während seiner beruflichen Höhepunkte auf den Boden geblieben ist. Einer, der für die "kleinen" Leute immer ein offenes Ohr hatte und auch deren Nähe suchte. Er ist auch einer, der schon immer über die Parteigrenzen hinweg die Sympathien der Bevölkerung hatte. "Das Schönste an meinem Leben war, dass ich immer mit Menschen zu tun hatte und meine Heimat mitgestalten konnte", zieht er Resümee. Es habe ihm immer gereizt, Problemlösungen zu finden. Viele Projekte im Landkreis sind mit dem Namen Heinz Köhler verbunden. Darunter zählen unter anderem die Diskussion um eine weiterführende Schule Anfang der 70er Jahre, der Bau des Schulzentrums, des BRK-Altenheims, der Freizeitsee, die FWO, das Müllheizkraftwerk in Coburg etc.


Schlaganfall mit 61

Neben all den Aufgaben zeigte er Präsenz, sei es an seinem Arbeitsplatz im Landratsamt, bei Bürgerversammlungen, bei Festen und Veranstaltungen. Ein Leben in der Öffentlichkeit kann schön sein, sagt er. "Man wird umschmeichelt, überall begrüßt und lernt eine Menge interessante Leute kennen!" Aber man müsse das differenziert sehen und auch lernen, mit Kritik auszukommen.
Heinz Köhler wirkt etwas nachdenklich, als er klarstellt, dass ein Leben in der Öffentlichkeit und ein voller Terminkalender auch seinen Tribut fordern. Für ihn bedeutete das zu wenig Zeit für die Familie, das Scheitern seiner ersten Ehe. Mit 61 Jahren erlitt er schließlich einen Schlaganfall. Deshalb verzichtete er auch auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag.
Drei Jahre war er nach dem Vorfall in logopädischer Behandlung. Und noch heute hat er mit den Folgen des Schlaganfalls zu kämpfen. Er kann sich gut daran erinnern, als er nach seiner Krankheit am 1. Mai 2003 bei einer Festveranstaltung anlässlich des 100. Jubiläums des Deutschen Gewerkschaftsbundes eine Rede halten wollte. Auf einmal fing er an zu stottern. "Die Teilnehmer dachten, ich habe gelallt!" Seitdem ist es aus mit "großen Reden." Auch in englischer Sprache, die er eigentlich gut beherrscht, könne er nicht mehr kommunizieren. Er habe, so gesteht Köhler, lernen müssen, seine Krankheit und den damit folgenden Prozess zu akzeptieren. Mittlerweile spricht Heinz Köhler von einem großen Glück. "Das mit dem Schlaganfall hätte auch weitaus schlimmer enden können!" Stolz ist er auf seine beiden Söhne, die ihr Leben meistern. Einer als Betriebswirt, der andere als Richter beim Bundesgerichtshof. Dankbar ist Köhler für seine Frau Elfriede und für seine sieben Enkelkinder, mit denen er gerne und bewusst Zeit verbringt.


"Mal schaun"

Und was wünscht sich nun ein Mann, der so ein interessantes und außergewöhnliches Leben hatte? Nun - ein verschmitztes Lächeln - huscht über sein Gesicht: "Mit 75 Jahren rückt die Endlichkeit des Lebens immer näher - man macht da nicht mehr so viele Pläne." Bei der Frage, ob das nun bedeute, dass er bei den nächsten Verbandswahlen den Vorsitz der FWO abgebe, meint er: "Mal schaun."



Am Freitag findet von 10.30 Uhr bis 14 Uhr ein Empfang im Gasthof Wasserschloss in Mitwitz statt. Jeder Bürger kann - sofern er dies wünscht - dem Altlandrat seine Glückwünsche überbringen. Geschenke werden nicht erwartet. Sollte dennoch jemand das Bedürfnis haben, könne er gerne eine Spende für die Illumination des Dötschel-Brunnens im Rahmen des Mitwitzer Beleuchtungskonzeptes auf das Konto DE52771500000101593689, BIC: BYLADEM1KUB überweisen.




Zur Person

Heinz Köhler wurde in Mitwitz geboren und ist dort aufgewachsen. Er legte das Abitur im Jahr 1963 am Gymnasium Albertinum in Coburg ab. Heinz Köhler promovierte nach dem Studium der Rechts- und Volkswirtschaft in Würzburg, München und Genf.
Nach einer kurzen Zeit als Regierungsrat bei der Regierung von Oberfranken war er von 1972 bis 1989 Landrat und von 1974 bis 1986 Bezirksrat. Von 1989 bis 1994 gehörte er als SPD-Abgeordneter dem Europäischen Parlament an, danach war er bis 2002 Mitglied des Landtags. Von 2002 bis 2005 war er im Bundestag vertreten. Weiterhin war er von 1999 bis 2003 Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes und ist seit 1975 Verbandsvorsitzender der FWO. Er wurde ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 1. Klasse, der Denkmalschutz- und Europamedaille des Freistaates Bayern, dem Bayerischen Verdienstorden, der Großen Verdienstmedaille des Landkreises Kronach in Gold. Heinz Köhler ist Ehrenbürger der Gemeinden Mitwitz und Steinbach am Wald. vs