Die ausdrucksvolle Dichtung "Stabat Mater" des unsäglichen Leid Mariens - die Mutter, die zu ihrem gekreuzigten Sohn aufblickt - entstand im 13. Jahrhundert. Die Bitten, die regelmäßig gebauten Strophen und der bilderreiche Text werden Jacopone da Todi zugeschrieben. Ungewöhnlich ist die Entstehungsgeschichte von Gioachino Rossinis "Stabat Mater", das am kommenden Samstag in Seibelsdorf für Soli, Chor und Orchester in einer kammermusikalischen Fassung zu hören sein wird.

Dekanatskantor Marius Popp geht es beim Einstudieren nicht nur um schöne Musik. Er möchte den Inhalt und die Botschaft dieses großartigen Werks vermitteln. Das in der Liturgie präsente Gebet beschreibt den Schmerz und die Trauer der Gottesmutter. Es zeigt aber auch ihre Stärke.

So wechseln sich in Rossinis Werk stille und schmerzerfüllte Tonfolgen mit fröhlichen Passagen und die Hoffnung auf Auferstehung ab. Vor dem Konzert wird immer wieder im evangelischen Gemeindehaus geprobt. "Ihr müsst nach vorne zu mir schauen. Ich habe die Hand oben und dirigiere. Das Orchester geht mit mir - und ihr schaut in die Noten", tadelt er die Chöre, von denen er höchste Konzentration einfordert. "Das ist zu schwerfällig. Eine Fuge versteht man nur dann, wenn sie transparent ist", ermahnt er die Sänger.


Zwei Aufführungen

Der Dekanatskantor nimmt es mit den Proben sehr genau. Am Samstag wird das Ergebnis in Seibelsdorf und am Sonntag in St. Moriz Coburg zu hören sein. "Das Werk und seine Entstehung sind sehr außergewöhnlich", würdigt Popp dessen hohe kompositorische Qualität.

Nach seinem "Wilhelm Tell" von 1829 hat Rossini seine Laufbahn als Opernkomponist beendet und sich der Kirchenmusik zugewandt. Aus dieser Zeit stammen die beiden bedeutenden Werke "Petite Messe solenelle" und das "Stabat Mater", wozu er sich während einer Spanienreise von Madrids Erzdiakon überreden ließ. Rossini sagte zu, komponierte aber nur sechs Sätze und überließ die Komposition der restlichen Sätze seinem Kollegen Giuseppe Tadolini. So wurde das Werk am Karfreitag 1833 in Madrid uraufgeführt.

Nach dem Tod des Auftraggebers geriet das Autograf in die Hände des Verlegers Aulagnier. Um geschäftlich nicht benachteiligt zu werden, ersetzte Rossini die von Tadolini geschriebenen Sätze durch eigene Musik. In dieser komplettierten Form erklang das Werk am 7. Januar 1842 im Théàtre des Italiens von Paris.

"Mit welcher Sorgfalt Rossini bei diesem Werk vorging, zeigt sich nicht nur darin, dass er keinerlei Material aus früheren Werken verwendete, sondern auch darin, dass er hier eine stilistische Summierung anstrebte", ergänzt der Dekanatskantor Popp. So enthalte das "Stabat Mater" sowohl opernhafte als auch kirchenmusikalische Züge: Schwungvolle Melodik und vorantreibende Rhythmik stehen neben im alten Stil komponierten Abschnitten.
Vorfreude erfüllt die Sänger seit der Vorstellung des Werks, sagt Popp. Besetzt ist das Konzert mit Chor, Soli - Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bass - und einem kleinen Orchester in einer kammermusikalischen Fassung.

Popp, der die Gesamtleitung übernimmt, gelang es, hoch angesehene Solisten für das Werk zu gewinnen - mit dabei sind Gina Ianni (Sopran), Nadiya Petrenko (Mezzosopran), Diego Cavazzin (Tenor) und Frano Lufi (Bass). Musikalisch begleitet werden die Sänger vom Popp-Consortium. Das außergewöhnliche Werk wird im Landkreis Kronach erstmals aufgeführt.


14 Minuten an der Klarinette

Vor dem "Stabat Mater" wird der Solist Massimo Santaniello - ebenfalls aus Rossinis Feder Introduktion, Thema und Variationen für Klarinette und Orchester erklingen lassen. Das 14-minütige Bravourstück für Klarinettisten mit seiner unglaublich perlenden Technik gilt als eines der populärsten Werke für Klarinette.

Die vielen gegensätzlichen Variationen fordern dem Klarinettisten sein ganzes Können ab, würdigt der Dekanatskantor. Diesem ist es ein großes Anliegen, den Freunden guter Musik in unserer Region ein möglichst breitgefächertes Musikangebot ganz unterschiedlicher Stilrichtungen und Epochen der verschiedensten Komponisten und Länder zu präsentieren.