Aktuell ist es nicht gewünscht, einen Briefträger der Deutschen Post AG bei seiner Arbeit zu begleiten. Das erklärt der Pressesprecher für Franken, Alexander Böhm, auf Anfrage unserer Zeitung am Donnerstag.

Grund dafür kann etwa nicht sein, dass die Zusteller in Kronach nicht mehr hinterherkommen und keine Zeit verlieren dürfen, weil ein Teil der Kollegen ausfällt, nein. "In Kronach selbst ist noch kein Postbote am Streiken", sagt Böhm. Wie das in den nächsten Tagen weitergeht, kann er aber nicht sagen - schlichtweg nicht einschätzen.
Kurz nach dem Gespräch mit Alexander Böhm verschickt die Gewerkschaft Verdi Bayern eine Pressemitteilung: "Auch wenn die Post gegenüber den Medien behauptet, der Streik habe wenig Auswirkungen, intern kommuniziert die Post ganz anders."

Weniger Post - nur ein Gefühl?!

Die Deutsche Post beschäftigt rund 140.000 Tarifkräfte - aber auch noch an die 40.000 Beamte, wie Böhm mitteilt, die per se nicht streiken dürfen. Zwischen 15.000 und 16.000 Angestellte haben am Donnerstag gestreikt - je nachdem, ob man sich auf die Angaben von Verdi oder die des Logistikkonzerns beruft.

Die Kronacher konnten auch am Freitagmorgen einen gelben Briefträger-Wagen in der Innenstadt sichten und das Klappern von Briefkasten-Deckeln hören. Bemerkbar mache sich der Arbeitskampf nämlich vor allem in den Betriebszentren, wie Böhm erklärt. So sei zum Beispiel auch die Niederlassung in Würzburg betroffen und Verdi mutmaßt öffentlich, dass in Nürnberg eine Halle angemietet wurde, um dort Post zu lagern.

Post-Menge ist nicht schätzbar

Zwischen 89 und 90 Prozent Arbeitssoll werde trotz Lohnkampf von den verbliebenen Kollegen erfüllt. Im Notfall müsse eben auch der Innendienst mitanpacken, erklärt Böhm. "Rückstände arbeiten wir täglich auf", so der Konzernsprecher weiter. "Etwas weniger" Post sei durch den Tarifkonflikt wohl im Umlauf. Allerdings: Wie viel weniger die Kronacher Briefträger an die Haushalte verteilen, "weiß keiner". Da unklar ist, wie viel Post aufkommt, bleibe es Gefühlssache, ob die Austrägertasche leichter und die Kästen leerer sind.

Die Arbeitnehmervertretung ist sich dagegen sicher, dass der Streik schon in den ersten Tagen "massive Wirkungen" zeige: "Wer nach außen versucht weiszumachen, dass der Poststreik keine Auswirkungen habe, aber intern dazu auffordert, den Postversand einzustellen, der verschaukelt die Öffentlichkeit...", sagt Anton Hirtreiter von Verdi Bayern. Startschuss für den Arbeitskampf war Anfang des Jahres, weil die Post 49 regionale Gesellschaften für die Paketzustellung gegründet hat. Verdi schimpft diese "Billigtöchter". Mit einher gehen nämlich regionale Arbeitsverträge mit niedrigeren Löhnen. In bereits sechs Verhandlungsrunden mit zehn Verhandlungstagen wehrte sich die Gewerkschaft gegen diesen Schritt. Alle Paketzusteller sollen wieder nach Haustarif bezahlt werden. Im Gegenzug würde Verdi heuer auf Lohnerhöhung verzichten, möchte aber eine Einmalzahlung von 500 Euro und 2016 dann ein Lohnplus von 2,7 Prozent. Einen "tragfähigen Kompromiss" gibt es aber noch nicht.

Deshalb könnte es sein, dass bald auch in Kronach Zusteller demonstrieren gehen, statt Briefkästen aufzufüllen. Ein Trost für alle Bürger: Sendungen können sich zwar verzögern, aber nicht verloren gehen...