Alljährlich treffen sich in Wallenfels am Montag vor Heiligabend die Flößer des Frankenwaldstädtchens zur sogenannten "Flößerkerwa". Dieser deutschlandweit einmalige Brauch erfreut sich wachsender Beliebtheit. Das Willi-Schreiber-Flößerhaus an der Floßlände platzte förmlich aus den Nähten. Nicht nur die Einheimischen, sondern vor allem auch viele Ehrengäste aus dem Landkreis Kronach zeigten Präsenz bei diesem Ritual.

Höhepunkt einer jeden Feier ist der Auftritt des Nikolaus, den seit 35 Jahren der 65-jährige Andy Buckreus - mittlerweile auch Vorsitzender - mit großer Begeisterung verkörpert. Sein Einsatz gleicht nämlich einer "himmlischen Strafexpedition", denn an die 50 Aktive der 220 Mitglieder zählenden Flößergemeinschaft Wallenfels bekommen unter dem schadenfrohen Gelächter der Besucher ganz gehörig die Rute zu spüren. Die Zahl der Schläge richtet sich nach den Schandtaten. Und die werden in Wallenfels das ganze Jahr über peinlich genau notiert. Spezialbehandlungen gibt es insbesondere für "Weicheier" und "Schönwetterflößer". Und für jeden Delinquenten hat der Nikolaus einen Spruch parat.

Warum die Flößer kurz vor Weihnachten ihre Kerwa feiern, ist leicht zu erklären. Früher waren die Flößer Mitte des Jahres auf großer Fahrt den Main hinunter bis zum Rhein, teilweise bis nach Holland. Während der Wallenfelser Kirchweih im Juli verdienten also die Flößer ihr Brot in der weiten Welt. Und dieses Fest muss ein echter Frankenwäldler feiern. Dies galt erst recht in den alten Zeiten.

So konnte es nicht verwundern, dass die rauen Burschen, wenn sie von ihren entbehrungsreichen, strapaziösen Fahrten zurückkehrten, die Kirchweih nachfeiern wollten. Als idealer Tag erschien ihnen dabei der letzte Montag vor Heiligabend.

Solange in Wallenfels Flößerei betrieben wurde - gewerblich bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs hinein und später noch als Lohnflößerei auf dem Main bis Ende der 50er-Jahre - wurde an diesem Tag die "Flößer-Kerwa" gefeiert.


In den 80er-Jahren wiederbelebt

Dieser schöne Brauch lebte dank der Initiative des ehemaligen Vorsitzenden Heinz Ring zu Beginn der 80er-Jahre wieder auf. Und seit dieser Zeit hat Andy Buckreus als Nikolaus so manche Schandtat der Aktiven ans Licht gebracht und gekonnt mit seiner Rute die Bestrafung vorgenommen.

Zum Auftakt der Zusammenkunft würdigten Bürgermeister Jens Korn und Landratsstellvertreter Gerhard Wunder die Traditionspflege der Flößer, die außerordentlich wichtig für den Fremdenverkehr sei. Allerdings habe man 2015 den Klimawandel deutlich zu spüren bekommen, denn es seien vier Floßfahrten von Schnappenhammer nach Wallenfels ausgefallen. Leider hätten dadurch 2000 Gäste auf dieses einmalige Freizeitvergnügen verzichten müssen, bedauerte Jens Korn.

Allerdings habe man viel Verständnis gezeigt, denn die extrem lang anhaltende Trockenperiode habe vielen in Deutschland zu schaffen gemacht. Leider sei die gewünschte Stauanlage mit einem Kostenaufwand von über drei Millionen Euro nicht realisierbar. Doch nach wie vor bemühe man sich um eine Zwischenlösung, versicherte der Bürgermeister.

Über viel Beifall durfte sich das Klarinettenensemble des Musikvereins Wallenfels mit Fabienne Förner, Ines Deuerling, Katrin Krump und Inga-Carina Zänker freuen. Außerdem bereicherte Lina Zeuß mit einer Weihnachtsgeschichte die Flößerkerwa.