"Hau drauf!", "Schlag zu", "Jetzt!" - Es ist ein lautes Durcheinandergeschrei, das an diesem Dienstagabend vor dem Feuerwehrhaus auf dem Flößerplatz zu hören ist. Protagonisten des schön anzuschauenden Spektakels sind zwei wagemutige "Hahnenschläger". Bewaffnet mit einem Dreschschlegel schicken sich Kilian Piontek und Lina Kraus an, einem Hahn den Garaus zu machen. Dafür wurden beiden "Dreschschlegel-Kämpfern" die Augen verbunden, Kilian Piontek wurde zusätzlich vorab mit einer Gießkanne eine nicht unerhebliche Ladung Bier eingeflößt. Dann werden sie ein paar Mal um die eigene Achse gedreht, damit sie sich nicht mehr orientieren können. Unter Anfeuerungsrufen und allerhand Richtungsangaben ihres amüsierten Publikums wie "Vorwärts!", "ein Stück zurück!" oder "Weiter nach rechts!", versuchen sich die Helden in eine optimale Ausgangsposition zu bringen. Schließlich hat jeder nur einen einzigen Schlag, um mit dem Holzprügel den "Hahn" zu erledigen - und der muss natürlich sitzen. Aber stehenbleiben, den Stiel des Dreschflegeln in die Höhe schleudern und einen Volltreffer zu landen, so einfach ist das bei Weitem nicht: Das mussten in der Vergangenheit viele, durchaus vom Ehrgeiz gepackte Titelaspiranten erfahren - aber nicht in diesem Jahr! Heuer nämlich war die Kirchweih-Gaudi für die Zuschauer ein recht kurzes Vergnügen. Kurioserweise landeten nämlich in beiden Wettbewerben jeweils der erste ausgeloste Kandidat beziehungsweise die erste Kandidatin einen Volltreffer: Kilian Piontek bei den Erwachsenen sowie Lina Kraus als Kinder-Hahnenkönigin.
Moderator des Top-Events war der Vorsitzende des Vereins für Kulturpflege Neuses, Stadtrat Winfried Lebok.
Im Gegensatz zu früher, als es dem armen Federvieh mancherorts tatsächlich an den Kragen ging, hatten Hähne auch heuer in Neuses nichts zu befürchten. Der anwesende echte Hahn war lediglich Maskottchen der Kirchweih-Gaudi und erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit - ohne Angst, bald im Suppentopf zu landen. "Erschlagen" wurde lediglich ein auf einem Blecheimer thronende Hahn-Attrappe. Wer überhaupt zum Zug kommt, darüber entscheidet das Los. Somit ist also bei allem "Können" und "Taktieren" auch eine gehörige Portion Glück dabei. Der lebende Gockel geht als Gewinn an den Hahnenkönig.


Spende als Tradition

Tradition ist es, dass ihn dieser an den ausrichtenden Verein spendet - in diesem Fall die Tennis-Abteilung des SV Neuses, der ihn dann für wohltätige Zwecke versteigert. Heuer kamen dabei mehr als 280 Euro zusammen. Neuer stolzer Besitzer des Prachtexemplars ist Sebastian Töpfer aus Steinberg. Der Hahn hatte bei der Gaudi gleich mehrere "große Auftritte". So wurde er zunächst in seinem Korbkäfig bei einem - dem Hahnenschlag vorausgehenden - Zug dem Vorjahres-Regenten auf den Rücken geschnallt. Anschließend wurde das Duo - unter Begleitung durch die Flößerkapelle Neuses - auf einem selbstgebauten Thron durch die Straßen geschoben. Mehr als zufrieden mit dem Verlauf der Kerwa zeigten sich auch heuer die Organisatoren, der Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Neuses, Michael Zwingmann, und sein Stellvertreter Roland Schedel, die mit Vertretern der Kirchengemeinde hauptverantwortlich für die Ausrichtung der Kirchweih zeichneten. hs