Über eine Gemeinschaftsschule oder auch eine andere Schulform für den Rennsteig wird nicht erst seit dem Landrats-Wahlkampf eifrig diskutiert. Auch eine schon vor Jahren auf den Plan gebrachte Wirtschaftsschule in Pressig macht derzeit wieder die kommunalpolitische Runde. Schulamtsdirektor Uwe Dörfer steht diesen Überlegungen grundsätzlich offen gegenüber, doch hat er Zweifel an der Realisierbarkeit: "Der Geburtenrückgang von circa einem Drittel in den zurückliegenden zehn Jahren in der Rennsteig-Region macht den Aufbau einer neuen Schule dort natürlich nicht leicht."

Im aktuellen Schuljahr habe man beispielsweise in Windheim wieder eine Mittlere-Reife-Klasse zusammenbekommen. "Das war aber schon schwierig", betont Dörfer. Im Einzugsbereich der Windheimer Schule gab es laut Statistik in vier der elf Jahre von 2005 bis 2015 keine 20 Geburten. Das macht die Klassenbildung an der Schule nicht einfacher. Noch kritischer stellt sich die Lage beispielsweise im Bereich der Tettauer Schule dar. Dort wurde im gleichen Zeitraum kein einziges Mal die 20-Geburten-Marke erreicht. 2013 kamen gar nur neun Kinder zur Welt.

Mut macht Dörfer allerdings, dass zumindest die Talsohle bei den Geburtenzahlen anscheinend durchlaufen ist. "Wir setzen alles daran, dass wir den Mittlere-Reife-Zug im Oberen Frankenwald weiter bilden können", verspricht er daher. Ein Gymnasium oder eine Realschule für den Norden hält er jedoch für utopisch - zumindest nicht ohne Schüler aus dem südlichen Landkreis, was wiederum die dortigen Schulen treffen würde.

In Sachen Wirtschaftsschule ist Dörfer skeptisch. Diese - so die Planung - sollte in Pressig an die Mittelschule angedockt und als staatliche Schule betrieben werden. Mittelschule und Berufsschule sollten beim Unterricht kooperieren.

Das hierfür vorgesehene Modellprojekt sei mittlerweile jedoch ausgelaufen. Infos, ob es irgendwann wieder aufgelegt wird, sind dem Schulamt bisher nicht zugegangen. Auf unsere Nachfrage in München hieß es hierzu: "Aktuell liegt dem Kultusministerium kein Antrag vor, in Pressig eine Wirtschaftsschule einzurichten." Wie aber CSU-Kreisrat Bernd Liebhardt kürzlich feststellte, bereite seine Partei derzeit einen entsprechenden Antrag vor.


Woher kommen die Schüler?

Doch auch hierbei hegt Dörfer Zweifel daran, ob das Modell umsetzbar wäre, ohne andernorts Kerben ins Schulsystem zu schlagen. "Wenn man die Schülerzahl nimmt, muss man sehen, wo die Leute herkommen sollen", sagt der Schulamtsdirektor. Allein mit den Jugendlichen aus dem nördlichen Landkreis werde man sich jedenfalls sehr schwertun. Daher müssten neben Mittelschülern aus Kronach und Küps seiner Ansicht nach auch Schüler aus den Reihen der Gymnasien und Realschulen kommen. "Und die Wirtschaftsschule darf keine andere Wirtschaftsschule, zum Beispiel die private in Lichtenfels, gefährden", gibt Dörfer zu Bedenken.

Während er wenig Perspektiven für neue Schulen im Norden erkennt, ist er zufrieden, auf Sicht die bestehenden Grund- und Mittelschulen in einer stabilen Position vorzufinden. Auch die Diskussion um die Johannisthaler Schule ist momentan vom Tisch. Dort wurde in den vergangenen Jahren immer wieder über eine Eingliederung der Schüler in Küps und eine Auflösung der Schule diskutiert. "Johannisthal ist bis auf Weiteres gesichert", stellt der Schulamtsdirektor fest. Erst wenn die Sanierungsarbeiten an der Küpser Schule abgeschlossen sind, kommt dieses Thema seiner Ansicht nach wieder auf den Tisch. Doch bis dahin werden noch einige Jahre vergehen.

Fraglich ist allerdings, ob die Steinwiesener Mittelschule diese Zeit überdauern wird. Sie ist das Sorgenkind im Schulamtsbezirk. "Die Mittelschule Oberes Rodachtal hat nur noch zwei Klassen. Daher gilt sie als extrem gefährdet." In der siebten Jahrgangsstufe sind dort aktuell noch 14 Schüler zu finden, in der achten 18.

Solange zumindest eine Klasse an dieser Schule vorhanden ist, darf die Einrichtung weiter bestehen. Allerdings hat das Ministerium die Lage dort im Blick, und es droht, dass der Schulbetrieb langsam ausläuft. Gründe für die Abwanderung der Schüler sieht Dörfer im fehlenden Ganztagsangebot und in dem Drang in die Realschulen und Gymnasien. So besuchen im aktuellen Schuljahr die Schüler der Klassen 5, 6 und 9 bereits die Mittelschule in Kronach.

Wie die Situation an den Mittelschulen im Landkreis Kronach in fünf oder zehn Jahren sein wird, wagt Dörfer heute nicht vorherzusagen.

Schließlich steht ein prognostizierter Rückgang der Schülerzahl im Raum. Und rückläufige Geburtenzahlen würden sich irgendwann auf den Schulbetrieb niederschlagen, stellt Dörfer fest.


Was tut sich an den Schulen

Lehrplan Im übernächsten Schuljahr wird es an den Mittelschulen einen neuen Lehrplan nach dem Vorbild der Grundschulen geben. Ziel des veränderten Lehrplans ist laut Uwe Dörfer eine "stärkere Kompetenzorientierung" bei den Schülern.

Grundschulen An den Grundschulen läuft der neue Lehrplan (Schwerpunkt "Kompetenzorientierung") bereits bis zur dritten Jahrgangsstufe. Dort wurden gute Erfahrungen damit gemacht, wie Dörfer berichtet. "In fast allen Grundschulen werden Lernentwicklungsgespräche durchgeführt", geht der Schulamtsdirektor auf eine Veränderung durch das neue Konzept ein. Diese Gespräche treten an die Stelle der Zwischenzeugnisse; im dritten Jahrgang gibt es zusätzlich noch Noten. Insgesamt seien viele Maßnahmen ergriffen worden, um die Eltern stärker ins Schulgeschehen einzubinden. Fast die Hälfte der Grundschulen sind "Flexible Grundschulen" (jahrgangskombinierte Klassen in 1/2). Die Lucas-Cranach-Grundschule Kronach ist eine von 20 Modellschulen für den bilingualen Unterricht (Deutsch/Englisch), die Grundschule Weißenbrunn befindet sich im Modellversuch "Offene Ganztagsschule in der Grundschule". Bemerkenswert ist weiterhin, dass die Grundschule Rodachtal den zweiten Platz beim i.s.i.-Wettbewerb in Oberfranken (Innere Schulentwicklung Innovationspreis) erreicht und dass die Grundschule Teuschnitz zum zweiten Mal den Modus-Status (Modellunternehmen Schule, Evaluation durch Externe, alle fünf Jahre) erhalten hat.

Flüchtlinge Uwe Dörfer stellt fest, dass die Flüchtlingssituation an den Schulen im Kreis noch überschaubar sei. Allerdings rechnet er mit einem Anstieg der ausländischen Schüler ("Nach der Inklusion kommt mit den Flüchtlingen jetzt das zweite große Thema auf uns an den Schulen zu"). Im Bereich Pressig/Windheim seien derzeit die meisten Flüchtlingskinder an den Schulen zu finden.

Integration Für die Lehrkräfte ist die Flüchtlingsfrage nicht leicht zu lösen. Die Deutschkenntnisse seien sehr unterschiedlich ebenso wie die Alphabetisierung, erklärt Dörfer. "Mit der Zeit zeigt sich, dass vom Förderschüler bis hin zum Gymnasiasten alles vertreten ist." Doch gerade zu Beginn sei es angesichts der teilweise vorhandenen Sprachbarriere schwierig, die Schüler richtig einzuschätzen. Auf jeden Fall favorisiert das Kronacher Schulamt für den Unterricht der Flüchtlingskinder ein Konzept, dass diese Menschen in eigenen Gruppen/Klassen die deutsche Sprache erlernen lässt, in anderen Unterrichtsfächern, wie den musischen, praktischen, gestalterischen oder Sport, jedoch auf eine Integration in gemischten Klassen mit deutschen Kindern setzt. So soll eine völlige Isolierung oder gar Ghettoisierung vermieden werden.

Unterstützung In der Flüchtlingsfrage werden momentan Mittel für zusätzliches Personal, sogenannte Drittkräfte, zur Verfügung gestellt, wie zum Beispiel Dolmetscher, Sozialpädagogen, Studierende, Erzieher, Pensionisten.