Der Frankenwald könnte Bayerns dritter Nationalpark werden. Mit diesem Vorschlag überraschte Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) am Donnerstag. Die ersten Reaktionen befragter Kommunalpolitiker fielen aufgeschlossen bis positiv aus. Doch wie wird die einschneidende Idee abseits politischer Kreise aufgenommen?

"Wir stehen dem Ganzen offen gegenüber", versichert Elisabeth Hoffmann, die Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz. Generell gehe es dem BN darum, sensiblen Arten größere Ruheräume zu bieten. "Wir sehen jedes Waldgebiet, dass in ein Naturschutzgebiet oder einen Nationalpark verwandelt wird, positiv", stellt sie fest. Sie gibt aber auch zu, dass der BN eigentlich eher an ein Laubwaldgebiet wie den Steigerwald als dritten bayerischen Nationalpark gedacht habe.


Die Menschen mitnehmen

Die drei aktuellen Mitbewerber (Rhön, Donauauen und Spessart) wären ihrer Ansicht nach gut geeignet. "Für den Frankenwald soll das aber nicht heißen, dass er nicht geeignet wäre. Vielleicht ist es gut, wenn man jetzt einfach einmal eine Machbarkeitsstudie anfertigen lässt." Das Wichtigste bei diesem Prozess ist für Hoffmann, dass die Menschen von Anfang an aufgeklärt und mögliche Ängste ernst genommen werden, um dem Vorstoß eine echte Chance zu geben. Denn: "Grundsätzlich bin ich froh über diese Idee."

10 000 Hektar Wald im Landkreis Kronach und im benachbarten Thüringen müssten für einen Nationalpark stillgelegt werden. Betroffen wäre nach Baumgärtners Vorstellungen der Staatswald. Forstbetriebsleiter Fritz Maier vom Forstbetrieb Nordhalben wollte diese Überlegung und mögliche Auswirkungen auf seinen Zuständigkeitsbereich am Freitag nicht kommentieren. Dafür fehle es ihm an detaillierteren Informationen. "Wir müssen jetzt erst einmal schauen, welches die nächsten Schritte sind", so Maier. Sein Rothenkirchener Kollege Peter Hagemann sieht die Situation genauso. Vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kulmbach war zu hören, dass die Nachricht bisher noch nicht dazu geführt habe, dass die Drähte glühen.


Lassen sich Sorgen zerstreuen?

Erheblichen Gesprächsbedarf sieht Erwin Schwarz. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes beobachtet einen möglichen Nationalpark Frankenwald "mit großer Skepsis". Eine Blockadehaltung will er deswegen aber nicht einnehmen, denn "wenn so große Fördermittel im Raum stehen, kann man es als Chance für den Landkreis begreifen - aber nicht als Chance für die Landwirtschaft." Schwarz will daher den ganzen Prozess kritisch begleiten und "qualifiziert die Probleme, die wir sehen, in die Diskussion mit einbringen". Schwierigkeiten befürchten die Landwirte in vielerlei Hinsicht. Dabei geht es Schwarz nicht bloß um ein seiner Ansicht nach drohendes Mehr an Auflagen.

Für landwirtschaftliche Betriebe, die sich vorrangig der Landschaftspflege verschrieben haben, rechnet der Kreisobmann nicht unbedingt mit größeren Nachteilen. Sehr wohl aber für die produzierenden Betriebe. Schon jetzt seien viele Flächen vom Naturschutz betroffen, stellt Schwarz fest. Wenn nun ein solch großes Territorium von Bejagung und Bewirtschaftung ausgenommen werde, bereite ihm das schlaflose Nächte. Borkenkäfer und Schwarzwild würden nicht an der Nationalpark-Grenze Halt machen, sondern weiter Richtung Privatwald beziehungsweise Acker ziehen. Wertvoller Wald verrotte ungenutzt. Dadurch entstünden für Wanderer Gefahrenstellen im Nationalpark-Gebiet. Doch Schwarz will für die Diskussion weiter offen sein, Vielleicht sei einfach noch nicht alles zu Ende gedacht und das Thema zu früh in die Öffentlichkeit gekommen. Sollte es die Politik schaffen, seine Bedenken zu zerstreuen, "dann kann man das Thema weiter verfolgen".

Seitens der IHK stellt Hans Rebhan klar: "Ein Nationalpark Frankenwald wäre eine große Chance, um etwa den Tourismus in der Region zu entwickeln." Dazu müssten alle Beteiligten an einen Tisch, um die Vor- und Nachteile abzuwägen. "Schließlich soll es nur Gewinner und keine Verlierer geben." Seiner Ansicht nach könnte durch das Projekt die Lebensqualität in der Region gesteigert und der Zuzug von Fachkräften gefördert werden. Es gelte aber, insbesondere die Interessen der Holzwirtschaft zu berücksichtigen.