Martina Zwosta (großes Bild), Neufang 33 Jahre, 2 Kinder: "Für mich bedeutet Muttertag Freude, wenn ich das Leuchten in den Augen meiner Kinder Martha und Klara (6 und 10 Jahre alt) sehe. Wenn sie mir am Muttertag ihre selbst gebastelten und gebackenen Überraschungen präsenten, die sie heimlich mit meiner Mama gezaubert haben. Ich erinnere mich aber auch an Muttertag an meine Kindheit. Als ich klein war, habe ich nämlich an diesem Tag meiner Mutter ein Erdbeerherz gebacken. Ich war damals zehn Jahre alt und das Herz aus Erdbeeren sollte ihr meine Liebe, Dankbarkeit und Zuneigung zeigen."

Susanne Grebner, Bürgermeisterin Wilhelmsthal, 2 Kinder: "Als Kind war der Muttertag der Tag, an dem ich meiner Mutter eine besondere Freude machen wollte. Ich habe ihr meist etwas gebastelt und ihr einen selbst gepflückten Blumenstrauß geschenkt. Je älter ich wurde, umso mehr wurde mir bewusst, was meine Mutter alles für mich macht und wie wertvoll sie für mich ist. Mir wurde klar, dass es nicht reicht, diese Erkenntnis mit einem Strauß Blumen an einem bestimmten Tag ihr zu zeigen. Ich verbringe nach wie vor mit meiner Mutter den Muttertag. Aber ich bin heute der Meinung, Muttertag sollte an 365 Tagen im Jahr sein. Man kann einer Mutter nicht oft genug sagen, was sie einem bedeutet und wie sehr man sie liebt. Man sollte ihr auch hin und wieder einfach so kleine Geschenke machen, wenn einem halt danach ist. Was mich sehr glücklich und stolz macht, ist dass auch meine beiden Kinder nicht nur diesen einen Tag als Muttertag sehen, sondern mit das Gefühl geben: Muttertag ist an 365 Tagen im Jahr!"


Mütter müssen keine Familienmanagerinnen sein


Am Muttertag werden viele Mütter von ihren großen und kleinen Kindern beschenkt. Aber ist dieser "Brauch" noch zeitgemäß? Ist der Muttertag gar verstaubt oder altmodisch?
Fest steht: Der Ehrentag lässt über das Mutterdasein nachdenken. Und man stellt fest: Eine Mutter zu sein, ist kein Zuckerschlecken. Bei aller Freude kann es auch ganz schön stressen.
Insgesamt hat sich das Mutterdasein gewandelt. Früher waren Mütter ein Stück weit mehr Respektperson. Im Vergleich zu heute ging es in den Familien strenger zu. Die Rollen waren klar verteilt. "Küche, Kinder, Kirche" - das waren die Aufgaben der Mütter. Sechs Kinder und mehr waren keine Seltenheit.
Dass ein Vater ein Kind wickelte oder den Kinderwagen schob, war nicht an der Tagesordnung. Es gab weder Elektroherd noch Wasch- und Spülmaschinen. Die Wäsche wurde im Dorfteich gewaschen. Das "Sonntagsgewand" trug den Namen zu Recht. Denn die heute fast vergessenen Schürzen gehörten zum täglichen Outfit der Mütter. Oftmals bewirtschafteten die Mütter neben ihrem Haushalt auch die eigene Landwirtschaft beziehungsweise arbeiten als "Erntehelfer". Der Lohn waren in der Regel Naturalien.
Und was die Berufstätigkeit einer Mutter betraf? Wenn eine Frau arbeiten wollte, musste das bis 1977 ihr Ehemann erlauben. Geschiedene oder alleinerziehende Frauen waren eher die Seltenheit und wenn, dann waren sie in der Gesellschaft eher geächtet.
Und heutzutage? Die Emanzipation hat Einzug gehalten. Frauen bestimmen in der Regel selbst, ob sie arbeiten, wie sie leben, ob sie Mütter werden wollen. Aber haben es die Mütter von heute leichter als früher? Fakt ist, das Mutterbild hat sich geändert. Die Mutter ist heutzutage nicht mehr so sehr eine Respektsperson, sondern oftmals eher eine Freundin für ihre Kinder. Die Anforderungen an die Mütter sind aber gewachsen. Mütter müssen gut aussehen, interessiert sein und möglichst auf eigenen Beinen stehen. Die Wohnung muss glänzen, die Wäsche sauber gestapelt im Schrank liegen. Und die Mütter sollen ihre Kinder fördern, schulisch wie sportlich. Sie sollen immer alles unter einen Hut bringen und für alle Sorgen in der Familie ein offenes Ohr haben. Und was früher eher eine große Ausnahme war - die Zahl der alleinerziehenden Mütter ist enorm gestiegen.


Verunsichert und unzufrieden

Oftmals geben sich Mütter nach außen hin entspannt, innen fühlen sie sich mitunter verunsichert, überfordert und unzufrieden. Einige Frauen befürchten eine zu große Abhängigkeit, wenn sie sich für eine Familiengründung entscheiden. Später haben sie Angst, dass die Familie zerbrechen könnte, dass das Kind in der Schule nicht mithalten kann und gar auf die schiefe Bahn gerät. Und wenn Frauen mittleren Alters sind, sind sie oft Mütter und Kinder zugleich. Nebenbei stehen sie noch im Berufsleben. Die eigenen Kinder sind meist fast erwachsen. Für manche Mütter bedeutet das: "Große Kinder, große Sorgen." Diskussionen gehören zum Alltag. Oftmals sind dann auch schon Enkel da. Und die Frauen stehen mit beiden Beinen im Berufsleben. In dieser Zeit rückt auch der Gedanke in den Vordergrund, dass das Leben endlich ist und man die noch verbleibende Zeit sinnvoll nutzen sollte.
In den vergangenen Jahren wurden bessere Rahmenbedingungen geschaffen, um Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können. Und trotzdem: Mütter haben weiterhin Wünsche. Das fängt an bei mehr öffentlichen Wickeltischen, einfacheren Wiedereinstiegsmöglichkeiten in den Job, besseren Teilzeitregelungen, mehr Unterstützung für pflegende Angehörige. Sie wollen mehr Berücksichtigung im Steuersystem, wünschen sich insgesamt mehr Anerkennung.
Die zu tragende Last bei allen Erwartungen an eine Mutter ist heute groß. Deshalb muss das heutige Mutterbild auf den Prüfstand. Eine Mutter muss nicht die perfekte Familienmanagerin sein, die alles im Griff hat. Sie ist ein Mensch mit Schwächen und Fehlern und sollte diese auch zeigen dürfen. Und dennoch: Am Ende wollen wir Mütter stets das Beste für unseren Nachwuchs, aber auch für unsere Eltern. Denn: Wir sind gerne für unsere Familien da.
Die Ängste, die Unsicherheiten, mitunter auch materielle Einbußen - das ist der Preis, den wir Frauen für eine wunderschöne und bereichernde Lebenserfahrung zahlen. Aber die Kinder sind diesen Preis wert. Schließlich sind es die Kinder, in denen wir weiterleben werden.


Zur Person


Veronika Schadeck ist 56 Jahre alt, alleinstehend und Mutter von zwei Kindern. Zu Hause kümmert sie sich um ihre Mutter.