Der Musikverein in Schauberg feiert am nächsten Wochenende groß sein 150-jähriges Bestehen mit dem Kreismusikfest. Der Verein zählt zwar nur 18 aktive Mitglieder, trotzdem sind zweimal gleich drei Generationen vertreten.

Am längsten aktiv ist Antje Steiner. Seit 53 Jahren spielt sie ununterbrochen im Musikverein Schauberg mit. Angefangen hat die heute 60-Jährige mit Klarinette, mittlerweile spielt sie Saxofon. Ihren Sohn Torsten hat sie schon als Kleinkind immer mit zu den Musikproben genommen. "Er hat sich immer neben die Trommeln gesetzt, hat dann mit fünf Jahren seine erste bekommen und mit sechs Jahren angefangen, im Musikverein zu trommeln."

Von der Geige zur Klarinette

Vor 33 Jahren war das. Heute spielt sogar schon Torsten Steiners zehnjährige Tochter Laura im Musikverein Klarinette. Warum Laura ausgerechnet Klarinette lernt? Das Instrument hat ihr gefallen und "außerdem kann es mir die Oma lernen". Und Antje Steiner erinnert sich auch noch, wie sie selbst zum Klarinette-Spielen gekommen ist: "Ich musste Geige lernen, das hat mir aber gar nicht gefallen. Ich wollte im Musikverein mitspielen und weil damals Klarinetten gefehlt haben, habe ich eben Klarinette gelernt."

Ähnlich war das auch bei dem heutigen Dirigenten Hans Becker. Seit 1960 gehört er zum Musikverein Schauberg, 1971 übernahm er mit nur 22 Jahren den Vorsitz bis 2005. Mit Horn hat er angefangen, dann Tenorhorn und schließlich Flügelhorn gespielt, "weil unser erster Flügelhornist plötzlich verstorben ist". Damals sei der Musikverein das einzige Freizeitangebot in dem kleinen Tettauer Ortsteil Schauberg gewesen, so sei er überhaupt dazu gekommen. Tochter Kerstin Lösch hat das "typische Fraueninstrument" Klarinette erlernt. Vor 24 Jahren ist die heute 36-Jährige dem Verein beigetreten. Wegen eines Wegzugs hat sie einige Jahre pausiert, nach der Rückkehr in die Heimat aber sofort wieder angefangen, im Musikverein mitzuwirken. Und das nicht allein. Im Schlepptau hatte sie mittlerweile Sohn Marvin Kröller, der Schlagzeug spielt und in der Orchesterschule Pressig-Rothenkirchen übt.

Mit den Familien Steiner und Becker spielen zweimal drei Generationen im Musikverein mit, auch alle anderen aktiven Musiker sind entweder Schauberger oder ehemalige Schauberger.

Mück komponiert Jubiläumspolka

Kein Schauberger ist hingegen Holger Mück. Er kommt aus Buchbach, hat aber trotzdem für das Jubiläum der Schauberger eine eigene Polka komponiert: die Finkenstein-Polka. Dirigent Hans Becker sei mit dem Wunsch an ihn herangetreten, erzählt Holger Mück, eine Polka zum Jubiläum des Musikvereins Schauberg zu schreiben.

Erinnerung an Rottenbach

Also hat sich Mück Gedanken gemacht und erklärt, wenn das Stück den Schauberger Musikern gefällt, wird es deren Polka. Zunächst habe sie Polka Musikverein Schauberg geheißen, dann habe er sich gedacht, dass es doch irgendetwas geben müsse, wonach man die Polka benennen könne. Für die Schauberger kein Problem, widmen sie die Polka doch ihren einstigen Freunden aus dem ehemals benachbarten Rottenbach. Immerhin ist der Finkenstein heute noch Symbol für die Verbindung zwischen dem bayerischen Örtchen Schauberg und dem thüringischen Rottenbach, das zu Grenzzeiten dem Erdboden gleichgemacht worden war. Und gesponsert wird sie vom Schauberger Stammtisch, den "Finkensteinern".

Holger Mück hat schon einige Male Stücke komponiert. Dazu muss er im Vorfeld wissen, wie das Stück sein soll: ob fränkisch oder böhmisch, ob fröhlich oder melancholisch, schnell oder langsam. Und es muss für die jeweilige Kapelle - je nach Anzahl aktiver Musiker - spielbar sein, erklärt er. Das sind die Eckpunkte, mit denen er sich an die Arbeit macht. Dann brauche es eine Schlüsselmelodie, also vier oder acht Takte, auf die er aufbaue. Meistens komme ihm eine Melodie beim Spielen, denn "auf Biegen und Brechen fällt einem meistens nichts ein". Wenn er die Melodie dann aber hat, gehe es meistens ganz schnell, sagt Mück. Lediglich das Arrangieren des Stücks für die jeweilige Besetzung dauere dann noch etwas.

Berggefühl

Die Finkenstein-Polka soll am Anfang durch eine Kadenz von Tenor- und Flügelhorn ein gewisses Berggefühl geben, die Polka das Jubiläumsgefühl vermitteln.

Bevor er seine Stücke aber seinen Auftraggebern präsentiert, spielt sie Mück zuvor in seinem eigenen Orchester zur Probe, nicht nur, damit er sieht, ob es auch so klingt, wie er es sich vorgestellt hat, sondern auch, um zu sehen, wie das jeweilige Stück ankommt. "Wenn einer in der Pause eine Sequenz der Melodie vor sich hin pfeift, dann passt's", weiß Mück. Die Schauberger pfeifen sie schon, seit sie "ihre" Polka bei ihrem Jubiläumskonzert im Mai vorgestellt haben. Am Festwochenende wird sie an alle teilnehmenden Musikvereine ausgehändigt.