Obwohl sich die Tettauer in der Gemeinderatssitzung am Montagabend mit 13:2 Stimmen für ein Sanierungskonzept des Zweckverbands Wasserversorgung Frankenwaldgruppe (FWG) ausgesprochen hatten, war das Thema Wasser am Mittwochabend der Schwerpunkt der Bürgerversammlung.

Die Festhalle war gut besucht. Der neue Vorsitzende des Wasserzweckverbandes, MdL Jürgen Baumgärtner (CSU), stand Rede und Antwort. Und er nahm zumindest den überwiegenden Teil der Bevölkerung mit. Mehrmals erhielt er Beifall.

"Wir sind im Härtefall noch nicht drin? Keine zusätzlichen Wasserpreiserhöhungen nach dem 1. Januar 2016? Die Bürger werden mit nicht mehr als 5000 Euro in den nächsten 25 Jahren belastet?", fragte Hubert Steiner abschließend. "Stimmt!", antwortete Jürgen Baumgärtner. "Dann sage ich als SPD-Ortsvorsitzender von Schauberg: Respekt, Baumgärtner!"

Der Landtagsabgeordnete musste einige Fragen beantworten, wie beispielsweise: Wer ist schuld an der Situation? Wie funktioniert das Sanierungskonzept? Wie ist das mit dem Härte-fall? Sind die Wasserpreise der Ortsteile kostendeckend, die nicht zur FWG gehören?

"Schuldzuweisungen bringen nichts", versuchte Baumgärtner zu erklären. Und er wiederholte sein Konzept: Er wolle, dass die FWG als Härtefall anerkannt wird, dafür müsste er aber in den nächsten vier Jahren 17 Millionen Euro verbauen. Anhand seiner Ausführungen konnte man erkennen, dass es nicht immer leicht war, den Mandatsträgern zu erklären, warum die Kommunen einen Investitionskostenbeitrag leisten müssen. Sonst würden auf jeden Haushalt 20 000 Euro Verbesserungsbeiträge zukommen.


Großer Sanierungsstau

Bezüglich des in einem Gutachten festgestellten Investitionsstaus der FWG in Höhe von 65 Millionen Euro, meinte Baumgärtner, dass so manche Kommunalpolitiker diese Summe anzweifeln. Das sei ihr gutes Recht, auch habe er dafür Verständnis, dass einige über eine Informationsflut klagen. "Aber seit 2003 steht die Sanierung an!" Baumgärtner geht davon aus, dass diese Summe nicht ausreicht: "Das ist oft der Fall." Als Beispiel führte er den Kreiskulturraum auf, dessen Kosten innerhalb von zwei Jahren um 28 Prozent gegenüber der Kalkulation gestiegen sind.

Dass die FWG so in der Misere sei, liege nicht an den Wasserpreisen, sondern an gravierenden Fehlentscheidungen in der Vergangenheit. "Es wurde nicht saniert, sondern nur repariert, und das ist teuer." Der Vorsitzende machte deutlich, dass es mit ihm keine "Flickschusterei" geben wird. Als Beispiel führte er auf, dass eine Gemeinde eine Ortsstraße mit der Aufbringung einer Teerschicht verbesserte. Im Zuge dessen mussten auch einige Arbeiten an den Leitungen getätigt werden, die FWG erhielt dann die Rechnung - "da lieber g'scheit sanieren".
Baumgärtner räumte auch ein, dass er bei seinem Sanierungskonzept Kompromisse machen musste. Damit sprach er den Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder (CSU) an, der als Einziger einen Alternativvorschlag unterbreitet hatte. Statt 17 Millionen sollen die Kommunen nun nur 12 Millionen Euro berappen. Er sprach von Verantwortung gegenüber der nächsten Generation und dass er die FWG auf einer wirtschaftlichen Basis ausrichten wolle. "Wenn die FWG in ruhigen Gewässern ist, trete ich ab."


Härtefall ist wahrscheinlich

Dass die FWG nun - wenn sich die Mehrheit bei der heutigen Zweckverbandsversammlung für das Konzept aussprechen sollte - als Härtefall anerkannt wird, davon ist Baumgärtner überzeugt. Zumal am Mittwoch in München die Voraussetzungen dafür geschaffen worden sind.

Der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau) sprach für seine Gemeinden Schauberg und Langenau von Solidarität zur FWG. Und an die stark vertretenen Schauberger meinte er: "Ihr bekommt eine Wasserleitung von 1,1 Millionen Euro und das bei 128 Einwohnern - so etwas würde kein Unternehmer machen."