Neben einer großen Kreuzung befindet sich eine Gaststätte. Davor stehen ein Reisebus und ein Bierlaster. Auch einige Personen sind zu erkennen. Auf der Anhöhe im Hintergrund sieht man die Kronachtalschule. Der Fluss Kronach fließt durch den Ort. Der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Steinberg, Wolfgang Förtsch, und seine beiden Stellvertreter, Heiko Sesselmann sowie Heiner Eidloth, begeben sich am Donnerstagvormittag auf Spurensuche. Vor ihnen auf dem Tisch in Eidloths "Jagdzimmer" stapeln sich jede Menge schwarz-weiße Luftaufnahmen - darunter auch diese Ortsansicht von Steinberg. Die Luftaufnahme des Steinberger Dorfmittelpunktes ist leicht zu erkennen, bei anderen Perspektiven ist das schwieriger.

"Die Orte haben sich so sehr verändert, dass es selbst Alteingesessenen schwer fällt, manche Landschafts- und Straßenzüge wieder zu erkennen", erklärt Wolfgang Förtsch. Rund 140 bislang unveröffentlichte Luftaufnahmen von Steinberg, Wilhelmsthal, Roßlach und Gifting hat der Heimat- und Kulturverein Steinberg aufgekauft. Es handelt sich dabei um Aufnahmen von Fotoflügen aus dem Jahr 1959, digital aufbereitet auf einer CD. Da die vorhandenen Archive ausgeräumt werden sollten, wurden diese nun den jeweiligen Gemeinden beziehungsweise Städten zum Kauf angeboten. Die Bilder, für die kein Interesse besteht beziehungsweise für die sich keine Abnehmer finden, werden vernichtet.

"Als wir die Probeabzüge betrachtet haben, waren wir sehr beeindruckt. Wir hätten nie eine solch hohe Qualität vermutet. Es ist hochspannend zu sehen, wie unsere Heimat früher ausgesehen hat. Man kann gar nicht mehr aufhören, die Bilder zu betrachten und zu rätseln, wo das sein könnte", sagt Förtsch. Eindrucksvoll spiegelten die historischen Aufnahmen die Dorfgeschichte wider. Dabei zeigen sie, wie sehr sich die Dörfer im Laufe der über fünf Jahrzehnte verändert haben. Besonders die Gegenüberstellung der früheren und aktuellen Ansicht sei sehr interessant. Derzeit ist man seitens des Heimat- und Kulturvereins mit der Auswertung und dem Sortieren der Bilder beschäftigt. "Wir sind da sicherlich noch das ganze Jahr drüber", mutmaßt Eidloth. Ausgewertet werden die Bilder insbesondere von Heiner Eidloth und dessen Familie. Sie und weitere Mitglieder des Heimat- und Kulturvereins Steinberg gingen schon in den einzelnen Ortschaften vor Ort auf "Spurensuche". Auch von der Bevölkerung erhielt man bereits viele Tipps - so beispielsweise auch bei der öffentlichen Fotopräsentation in Steinberg.

Nach der Auswertung sollen die Fotos der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - beispielsweise durch eine Ausstellung. Zudem möchte man Interessierten Ausschnitts-Vergrößerungen zu günstigen Preisen anbieten. Dadurch will man die Anschaffungskosten refinanzieren, wie Eidloth erklärt. Er setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass die Zeugnisse aus seiner Heimat und die damit verbundene Geschichte nicht verloren gehen. So schrieb er beispielsweise im vergangenen Jahr die Festschrift anlässlich des 100-jährigen Weihejubiläums der neuen Pfarrkirche. Auch das Steinberger Heimatbuch stammt aus seiner Feder.

Begeistert von den Bildern ist auch Heiko Sesselmann. Der 35-Jährige ist erst seit einem halben Jahr im Verein. "Ich interessiere mich einfach für unsere Heimat und alles, was damit zu tun hat. Ich habe beispielsweise eine Sammlung alter Postkarten", verrät er. Leider gehe vieles von der Ortsgeschichte verloren, da es nicht dokumentiert werde. Die Bilder seien deshalb sehr wertvoll - ein richtiger Schatz, den es zu entdecken gelte.