Kompass, Megaphon, und ein Kapitän mit Schiffsführerschein - wenn man das hört, denkt man direkt an die großen Kreuzfahrtschiffe, die auf dem Mittelmeer oder in der Karibik herumschippern. Nicht aber an die Floße aus dem Frankenwald. Würde man sich jedoch strikt an die aktuell geltende bayerische Schifffahrtsordnung halten, müsste auch ein Floß mit genau diesen Dingen und noch einigem mehr ausgestattet sein. Denn laut der Verordnung lenken die Flößer kein Floß, sondern ein Fahrgastschiff. "Das ist Hanebüchen", stellt Jens Korn, Bürgermeister der Flößerstadt Wallenfels, klar.



Durch den noch gültigen Flößerbescheid gebe es schon jetzt enorme Auflagen. "Es dürfen nur erfahrene Flößer, ein Floß lenken. Wir müssen nachweisen, dass sie unterwiesen wurden und mehrere Jahre als zweiter Mann auf dem Floß mitgefahren sind", erklärt Korn. Zudem stehe an jeder Wehrdurchfahrt die Wasserwacht und die Flößer müssen immer festes Schuhwerk tragen, um nicht auszurutschen.

Über das Aufstauen des Wassers muss Floßmeister Henry Stöcker sogar Tagebuch führen. "Im Zuge des Bescheids von 2013 wurde die Gesamtmaßnahme Flößerei vom Tüv Süd abgenommen. Dazu gehören auch alle Floße", erklärt Stöcker. Die Empfehlungen vom Tüv habe man komplett umgesetzt. Nach der Schifffahrtsordnung müsse der Tüv die Floße jedes Jahr abnehmen. "Das Problem ist aber, dass es dafür noch nicht einmal Prüfkriterien gibt", erklärt Stöcker.


Irgendwann können Flößer die Auflagen nicht mehr schultern

Seit Anfang der 70er Jahre wird in Wallenfels so geflößt wie heute. In all den Jahren haben sich viele Regelungen für die Sicherheit der Gäste herauskristallisiert, die auch alle eingehalten werden. "Aber wir sehen es nicht ein, Auflagen zu erfüllen, die für die Flößerei völlig sinnlos sind und die Flößer in ihrem Engagement behindern", sagt Korn. Irgendwann können die ehrenamtlichen Flößer die Auflagen nicht mehr schultern. "Wenn noch mehr kommt, hören wir auf, da sind wir Flößer uns einig. Dann ist die Flößerei in Wallenfels gestorben", macht Andi Buckreus, Vorsitzender der Flößergemeinschaft Wallenfels, deutlich. 300 Floße lenken die ehrenamtlichen Flößer laut Buckreus jährlich von Schnappenhammer nach Wallenfels. Eine Attraktion, die in der Floßsaison, die am 27. Mai startet, über 6000 Leute in den Frankenwald zieht.


Ausnahmeregelung wäre nicht sinnvoll

Aus dem bayerischen Innenministerium, das jetzt für den Bereich Verkehr zuständig ist, heißt es, dass die bayerische Schifffahrtsordnung viel Spielraum für Ausnahmeregelungen bietet. Als Jurist ist Jens Korn da jedoch vorsichtig. Denn was passiert, wenn sich die Meinung des Ministeriums plötzlich wieder ändert wie vor vier Jahren (siehe Infokasten)? "Die Flößerei muss komplett aus der Schifffahrtsordnung herausgenommen werden. Sonst schwebt das Thema immer wie ein Damoklesschwert über der Flößerei", meint Jens Korn.

Landrat Klaus Löffler (CSU) habe erkannt wie prekär die Situation der Flößer im Frankenwald ist. Er habe einen Brief an das Innenministerium geschickt, in dem er darum bittet, die Schifffahrtsordnung zu ändern. "Das Flößen ist ein großer Wirtschaftsfaktor für die Region. Viele Leute kommen deswegen in den Frankenwald", meint Korn. Nun sei es wichtig, dass das auch in München erkannt wird, bevor es zu spät ist.

Was hinter der bayerischen Schifffahrtsordnung steckt

Hintergrund Im Juli 1992 hat das bayerische Wirtschaftsministerium, was damals noch für den Verkehr zuständig war, festgestellt, dass die bayerische Schifffahrtsordnung, nicht auf Flöße anzuwenden ist. Aus dem Schreiben geht hervor, dass Floße nicht mit Schiffen, sondern mit Fähren gleichzusetzen sind. "Dadurch ist uns einiges erspart geblieben", erklärt Jens Korn. Doch im Jahr 2013 habe man im Ministerium noch einmal darüber nachgedacht: Floße sind doch nicht mit Fähren gleichzusetzen, da Fähren quer zur Fließrichtung fahren und Floße mit der Fließrichtung. Seit vier Jahren ist das Flößen deswegen wieder der bayerischen Schifffahrtsordnung unterstellt. Ein Schreiben dazu ging an alle untergeordneten Behörden raus. Auch an das Landratsamt Kronach. Im Zuge des neuen Genehmigungsverfahren für die Wallenfelser Flößer tauchte dies nun auf. Landrat Klaus Löffler habe den Flößern im Frankenwald jedoch zugesichert, dass sich in diesem Jahr nichts für das Flößen ändern wird. "Das haben wir schwarz auf weiß", meint Korn. lk