In den vergangenen Wochen wurden viele Gespräche geführt, um Loewe wieder zukunftsfähig zu gestalten. Mit dem Partner in China wurde nun ein erster Schritt gemacht, der bei Politikern Optimismus verbreitet. Es gibt allerdings auch kritische Stimmen.

Ein Mitarbeiter von Loewe, der anonym bleiben möchte, sieht in der Partnerschaft mit Hisense einen kleinen Fortschritt, weil das Unternehmen eine Weltmarktstrategie verfolgt. Allerdings glaubt er, dass in erster Linie die Chinesen von der Kompetenz Loewes in Sachen Design, Technik und Bedienkomfort profitieren werden. Andererseits vermisst er Audioprodukte im Sortiment von Hisense. Gerade dort benötige Loewe einen effektiveren Zugang zu Komponenten.

Äußerst kritisch sieht der Mitarbeiter, dass Hisense wohl kein Kapital einbringt, um die Geschicke bei Loewe mitbestimmen zu können. "Ich hätte mir einen Partner gewünscht, der das Ruder komplett übernimmt und die zukünftige Ausrichtung maßgeblich bestimmt - auch wenn es dabei zu harten Einschnitten gekommen wäre."
Diese werden sich nach Einschätzung des Mitarbeiters auch so nicht vermeiden lassen. Er zweifelt daran, dass man bei Loewe selbst in der Lage ist, die Firma zukunftsfähig auszurichten. "Wie in der Vergangenheit wird vieles halbherzig angepackt und gesunder Menschenverstand zu oft außen vor gelassen", spricht er deutliche Worte.

Trotzdem will er sich einen Funken Optimismus bewahren, verbessern sich doch seiner Einschätzung nach die Aussichten, nun einen Finanzinvestor zu finden. "Aber selbst wenn der gefunden ist, wird nicht automatisch eine Besserung der Situation eintreten." Damit spricht der Mitarbeiter nicht zuletzt den schwächelnden TV-Markt in Europa an. Zudem ließen sich Gerätekomponenten trotz der Partnerschaft nicht ohne Weiteres austauschen. "Und neue preisgünstige Produkte entstehen nicht von heute auf morgen. Nach meiner Einschätzung müssen wir die nächsten neun bis zwölf Monate mit dem auskommen, was bislang geplant ist. Die Skepsis bleibt."

Sichtweise der Politik
"Die Marke Loewe muss gerettet werden. Es ist genug Substanz da. Dafür ist aber guter Wille und auch eine gute Zusammenarbeit notwendig", sagte MdB Hans Michelbach (CSU) zur Situation bei Loewe. Dass mit dem chinesischen Unternehmen Hisense nun ein strategischer Partner gefunden wurde, bezeichnete Michelbach als eine Perspektive für die mittel- und langfristige Entwicklung. Kurzfristig sei jedoch schnelle Unterstützung erforderlich, um Loewe zu helfen. "Da ist momentan alles im Fluss." Erst am Dienstag fand in München eine "große Runde" statt, um mögliche Hilfsmaßnahmen für das Kronacher Unternehmen zu koordinieren. Dem Vernehmen nach waren unter anderem Ministerpräsident Horst Seehofer sowie Verantwortliche von Loewe und Banken vor Ort, um zu verhandeln. Über Details wurde laut Michelbach Stillschweigen vereinbart. Natürlich wird es dabei um Staatshilfen gegangen sein, was jedoch gemäß EU-Recht nicht so einfach ist.

Der Bundestagsabgeordnete ließ jedoch durchblicken, dass es einen Instrumentenkasten gibt, aus dem man sich bedienen könne. "Es müssen aber viele mitspielen", betont Michelbach. Dazu zählen sicherlich die Banken - die beiden wichtigsten sind die Deutsche Bank und die Hypo-Vereinsbank. Wie Michelbach erklärt, habe er gestern in Frankfurt Gespräche mit den jeweiligen Vorstandsmitgliedern Jürgen Fitschen (Deutsche Bank) und Theo Weimer (Hypo-Vereinsbank) über die Zukunft von Loewe geführt. Dabei ging es wohl nicht zuletzt darum, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit weiterhin Geld an Loewe fließt. Den chinesischen Partner bezeichnet Michelbach dabei als wichtiges Pfund, mit dem man die Zukunft leichter gestalten könne.

Spekulation wäre falsch
Ob bei Loewe mit weiteren Entlassungen zu rechnen sei, darüber wollte sich Michelbach nicht äußern: "Darüber zu spekulieren, wäre völlig falsch. Es geht jetzt darum, eine betriebswirtschaftlich fundierte Lösung zu erstellen. Dann muss man abwarten, wie sich die Marke nach ihrer Neuausrichtung am Markt bewegen wird."
Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) hält es angesichts der diskutierten Teil-Verlagerung der Produktion nach Asien für nicht ausgeschlossen, dass die Belegschaft weiter reduziert wird. Es müsse aber das Ziel sein, so viele Arbeitsplätze wie möglich in Kronach zu halten. "Arbeitsplätze zu haben, ist enorm wichtig. Dabei geht es mir nicht um die Gewerbesteuer", verdeutlichte Beiergrößlein. Vielmehr sieht er die zahlreichen Familienmitglieder, die hinter jedem einzelnen Loewe-Mitarbeiter stehen. "Wir haben noch eine relativ gute Kaufkraft", so der Bürgermeister.

Doch mit jedem Arbeitslosen mehr werde diese schlechter. "Das trifft dann wiederum andere Firmen. Das wäre eine Katastrophe", spricht Beiergrößlein einen Kreislauf an, der in Gefahr sein könnte. "Da muss man gegensteuern." Deshalb war er in der Angelegenheit Loewe selbst in München und hat Ministerpräsident Horst Seehofer als auch Wirtschaftsminister Martin Zeil "in die Pflicht genommen". "Jetzt kann man nur noch hoffen und beten, dass alles zu einem guten Ergebnis kommt. Wenn es uns gelingt, die Premiummarke vor Ort zu halten, dann wäre das Schlimmste abgewendet - dass in Kronach nämlich gar nichts mehr ist."

Landrat Oswald Marr (SPD) war gestern bei der Hauptversammlung in Berlin - aus zweierlei Gründen: "Zum einen hat es mich einfach interessiert, wie die Stimmung ist. Ich wollte sehen, was Vorstand und Aufsichtsrat berichten und direkt gegenüber die Aktionäre für Fragen stellen. Zum anderen wollte ich mit meiner Anwesenheit Loewe und auch den Mitarbeitern den Rücken stärken." Die Stimmung sei insgesamt positiv gewesen: "Es gab überhaupt keine Anfeindungen", betont der Landrat, der den Eindruck hatte, dass das vorgetragene Konzept ankam. Dass man in China einen Partner gefunden hat, ist für Marr ein positives Signal: "Es ist wichtig, neue Märkte zu erobern. Mit dem Partner, der über ein großes Vertriebsnetz verfügt, hat man nun einen Fuß im chinesischen Markt. Außerdem wird Loewe damit in der Lage sein, ein günstiges Gerät auf den Markt zu bringen."
Es wird nun also viel davon abhängen, ob die Banken weiterhin zu Loewe stehen. Weiteres Geld könnte zudem durch den Verkauf weiterer Aktien in die Kassen gespült werden. Dies könnte dann der Fall sein, wenn es gelingt, Investoren vom neuen Konzept zu überzeugen.