Gesang, Modenschau, Talk und Tanz - alles war dabei. Kreisobmann Erwin Schwarz konnte das Geschehen beim Landfrauentag nur noch mit den Worten des legendären Hans Rosenthal kommentieren: "Die Landfrauen sind spitze". Der Landfrauentag im voll besetzten Kronacher Schützenhaus wurde unter dem Motto "Vielfalt leben" zu einer gelungenen Veranstaltung und zu einem tollen Erfolg für die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband (BBV), Kreis Kronach.

In lockerer und charmanter Form führte die Kreisbäuerin Rosa Zehnter durch das abwechslungsreiche und kurzweilige Programm. "Vielfalt leben" bedeutet für Landfrauen die Tradition wahren, sich aber gleichzeitig Modernem nicht zu verschließen.


Neue Idee

Ein Novum war eine lockere Schürzen-Modenschau, welche die Schürzen aus verschiedenen Epochen präsentierte. Eine weitere Neuheit: Anstatt der üblichen Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste ging Rosa Zehnter mit dem Mikrofon in den Saal, und jeder Ehrengast durfte sich persönlich den Gästen vorstellen. Den Auftakt gestaltete dann der Kulmbacher Landfrauenchor unter Leitung von Regina- Ulricke Böhmann.

"Bäuerinnen haben ein vielfältiges Leben, allein durch die vielen Berufe, die sie ausführen", stellte Kreisbäuerin Zehnter fest und zählte Beispiele auf: Erzieherin, Köchin, Bäckerin, Schneiderin, Maschinistin, Krankenpflegerin, Tierpflegerin, Reinigungsfrau. "Das Schöne dabei ist, dass wir es auch können! Oder sagen wir zu irgendeiner Arbeit, das kann ich nicht?"


Vielfalt auch in den Betriebsstrukturen

Die Vielfalt auf dem Bauernhof gehe auch weiter in den Betriebsstrukturen wie Urlaub auf dem Bauernhof, Hofladen, Direktvermarkter, Kürbisbetriebe und vieles mehr. Bäuerinnen bildeten sich auch weiter und würden Kräuterpädagoginnen, Ernährungsfachfrauen usw. "Doch Landfrauen können auf eine Vielfalt auch gerne verzichten, nämlich auf Formulare und Vorschriften, die täglich ins Haus flattern", sagte Rosa Zehnter.

Die Hauptreferentin, Gabriele Munzert, fragte: "Kann es überhaupt noch Vielfalt geben, wenn in der EU überall gleiche Vorschriften und Richtlinien herrschen?" Durch große Handelsketten und das Internet würden auch Kleidung und Lebensmittel vereinheitlicht. "Ist das die Vielfalt, die wir uns wünschen?", fragte die Pastorin provokativ.

Es gebe aber schon Vielfalt in kleinen Betrieben mit Familien, die in drei Generationen zusammenlebten. Oftmals seien es im Alltag aber die Landfrauen und Mütter die zurücksteckten, deshalb solle man ihnen öfter einmal etwas Gutes sagen. Als gutes Beispiel rief sie alle im Saal dazu auf, sich etwas Gutes zu sagen und vielleicht etwas Besonderes am Nachbarn hervorzuheben. "Auch die Bürgermeister dürfen mal was Gutes und Nettes zueinander sagen", scherzte die Referentin.



Toleranz ist wichtiges Thema

Zur Vielfalt gehöre auch die Toleranz, die Andersartigkeit zuzulassen und zu akzeptieren, dann werde das Leben bunt und vielfältig, fuhr sie fort. Sie wünschte ein Jahr voller Entdeckungen der persönlichen Vielfalt und des Mutes, diese Vielfalt auch zu leben.

Auch die moderierten Grußworte drehten sich um das Thema "Vielfalt leben". Dazu waren zur Talkrunde auf die Bühne gekommen: Regionaldekan Thomas Teuchgräber, Dekanin Dorothea Richter, Landratsstellvertreter Gerhard Wunder, Dritter Bürgermeister Markus Wich, Regina Burkhardt (AELF) sowie Kreisobmann Erwin Schwarz. Sie wurden von Kreisbäuerin Rosa Zehnter und ihrer Stellvertreterin Marina Herr zur Vielfalt befragt.
Wunder sah eine Vielfalt bei den Menschen und Charakteren, in ihrer Kultur und in den verschiedenen Dialekten. Dekanin Richter schätzt die Vielfalt der Ökumene, dass Christen aus unterschiedlichen Prägungen und von un
terschiedlichen Traditionen immer mehr lernen, was verbindet und nicht was trennt.

Laut Stadtpfarrer Teuchgräber begegnet man Vielfalt auch zwischen verschiedenen Nationen. Man solle sich dabei Zeit nehmen, einander zu verstehen. Regina Burkhardt berichtete von der Vielfalt am AELF, wie hauswirtschaftlicher Fachservice, Erlebnisbauernhöfe, Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof oder Agrotourismus. Sie nannte viele Netzwerke für gesunde Ernährung und auch die Landwirtschaftsschule mit ihren verschiedenen Bereichen.


Landfrauen sind Multitalente

Markus Wich begrüßte die Gäste in der vielfältigen Stadt Kronach, zu der auch die Landfrauen einen großen Teil beitrügen. "Vielfalt ist auch in der Kulturlandschaft enthalten; dafür gebührt den Landfrauen und den Landwirtschaftsbetrieben die Wertschätzung", betonte er.

In einem abschließenden Wortspiel wurden Landfrauen als Multitalente, die immer im Einsatz und einfach spitze sind, charakterisiert. Sie könnten sehr gut kochen und seien starke Frauen. Und sie seien unverzichtbar, so lassen sich die Kommentare der Talkrunden-Teilnehmer zusammenfassen.

Ein Grußwort entbot stellvertretende Bezirksbäuerin Rosi Kraus, die vor allem die gute Arbeit und auch das ehrenamtliche Engagement der Landfrauen im Landkreis lobte. Als besondere Eigenschaften der Landfrauen nannte sie den Dialog mit der Gesellschaft und mit den Verbrauchern. Für Landfrauen lebe sich jeder Tag vielfältig, stellte sie fest. "Die Vielfalt wird fast zum Wahnsinn, wenn man die Lebensmittel-Angebote oder die Fernsehprogramme hernimmt. Das vielfältige Angebot kann sogar zur Qual werden", meinte Kraus weiter.


Spende von über 400 Euro

Schürzen vielfältiger Art und aus verschiedenen Materialien zierten nicht nur die Wände des Schützenhauses. Eine locker und spaßig vorgetragene Schürzen-Modenschau begeisterte die Gäste. Die Kreisbäuerin war gut vorbereitet und führte fachkundig durch die verschiedenen Schürzen-Epochen. Sie erklärte dabei auch die Zweckmäßigkeiten von Schürzen. Den krönenden Abschluss bildete eine Tanzvorführung der Haiger Mädels unter Leitung von Sandra Hofmann.

Die Landfrauen spenden auch für soziale Zwecke. Während der Veranstaltung wurden 462,50 Euro für den Bäuerlichen Hilfsdienst gesammelt.