Auf diesen Moment haben viele gewartet - sowohl auf Thüringer als auch auf bayerischer Seite: Bei strahlendem Sonnenschein erfolgte am Donnerstag der Spatenstich für den Ausbau der Landesstraße 1152 Jagdshof/Schauberg.

Dort, wo einst der "Eiserne Vorhang" die Menschen trennte, entsteht nun eine überregionale wichtige Straßenverbindung.

"Ich habe nicht mehr daran geglaubt", freut sich Hubert Steiner. Der Schauberger nahm zusammen mit dem Seniorchef der Gebrüder Rebhan, Jürgen Brandt, in den letzten 20 Jahren an unzähligen Sitzungen und Gesprächen diesbezüglich teil. Oftmals verließ er enttäuscht diese Zusammenkünfte.

"Es ist heute ein Tag der Vernunft", sagt der Geschäftführer von Gerresheimer Tettau, Bernd Hörauf. Und er spricht auch von Glück, denn ein Baurecht muss nach fünf Jahren erneuert werden. Und bei dieser Trasse wurde es im Jahre 2011 geschaffen.

"Es ist ein Supertag", erklärt Marietta Rösler von der Firma Rösler Ceramtec freudestrahlend. "Jetzt sind wir in 20 Minuten auf der Autobahn!" Doch dazu mussten "viele Bretter" gebohrt werden, erinnert sie sich. Gleichzeitig verrät sie, dass sie während des offiziellen Teils des Spatenstichs an alte Mitstreiter, wie beispielsweise Altbürgermeister Alfred Schaden, Landrat Oswald Marr, dachte, die bei dem freudigen Ereignis gestern nicht anwesend waren.

Und in der Tat: Seit der Grenzöffnung kämpften Bürger, Wirtschaftsvertreter und Kommunalpolitiker um den Ausbau der Landesstraße 1152. Denn, so brachte es der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau) auf den Punkt, der Tettauer Winkel habe rund 3000 Arbeitsplätze zu bieten. Die Trasse werde deshalb auch von vielen Pendlern frequentiert. Er bedankte sich, ebenso wie die Sonneberger Landrätin Christine Zitzmann, bei allen, darunter auch bei MdL Jürgen Baumgärtner (CSU), die sich für den Bau der Straße stark gemacht haben. Zitzmann wies darauf hin, dass der Errichtung des Todesstreifens an dieser Stelle damals das Dorf Rottenbach, die Tettautalbahn und eben diese Straße zum Opfer gefallen sind.

Die Landrätin ist überzeugt, dass durch die neue Landesstraße nicht nur die befreundeten Nachbargemeinden Schauberg und Judenbach, sondern auch die Landkreise Kronach und Sonneberg enger zusammenrücken werden. Gerold Kirchner vom Straßenbauamt Südthüringen sprach davon, dass nach der Wende der Lückenschluss zur Staatsstraße 2201 Schauberg - Welitsch nicht aktiviert werden konnte, da die Tallage ein ökologisch sensibles Gebiet sei.

Obwohl die Straße nach der Grenzöffnung in einem desolaten Zustand gewesen sei, sei die Strecke zwischen Schauberg und Judenbach also trotzdem von vielen Verkehrsteilnehmern genutzt worden. Er erinnerte unter anderem an die Beauftragung für die Planung im Jahr 2000, an die Erteilung des Planfestfestellungsbeschlusses und an das von vielen Bürgern nicht mehr erwartete Signal des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, endlich die Finanzmittel bereitzustellen. Er hofft, ebenso wie der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch und sein Kollege aus Judenbach, Albrecht Morgenroth, dass bei der Vollendung der Straßenbaumaßnahme auf thüringischer Seite Ende 2016 auch der bayerische Teil dieser Straße, die sogenannte Staatsstraße, saniert ist. Denn dann soll zusammen mit dem Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann die Einweihung gefeiert werden. Dessen Ministerium war es schließlich, das sich im vergangenen Jahr, auf Drängen von Vertretern aus Politik und Wirtschaft, bereit erklärte, den Ausbau der Straße in Angriff zu nehmen. Wenige Wochen später kam grünes Licht aus Thüringen.