Vor rund zwei Wochen wandten sich Schulleiter Wolfgang Schubert, MdL Heinrich Rudrof (CSU) und die Stadt Bamberg an die Öffentlichkeit, um die Menschen für diese spezielle Form des musischen Bildungswegs zu begeistern und um für das Schuljahr 2015/16 wieder eine Klasse anbieten zu können.

Im vergangenen Jahr war dies nicht möglich gewesen, da die vom Kultusministerium geforderte Schüler-Mindestzahl nicht erreicht wurde: 13 müssen es mindestens sein, zwölf waren es vor zwei Wochen, 16 sind es nun.

Für SchulleiterWolfgang Schubert ein voller Erfolg, den er in diesem Ausmaß nicht erwartet hat: "Vier weitere Interessenten haben sich für diese Schulform gemeldet."

Bayernweites Alleinstellungsmerkmal

Der Vorsitzende des Zweckverbandes Gymnasien, Landrat Johann Kalb, freute sich ebenso wie Bürgermeister Christian Lange, Referent für Bildung, Kultur und Sport, dass dieses "bayernweite Alleinstellungsmerkmal" erhalten bleibt. Nur das E.T.A-Hoffmann-Gymnasium bietet im Freistaat musisch begabten Schülern an, nach der sechsten Klasse Mittel- oder Realschule in die siebente Klasse zu wechseln und in sechs Jahren das Gymnasium zu absolvieren.

Dass der sechsjährige musische Bildungsweg ein Gewinn für die Bildungsstätte Bamberg ist, darin sind sich alle Akteure einig. Diese Form ermöglicht es Schülern, die nach der vierten Jahrgangsstufe der Grundschule aufgrund einer bis dahin nicht attestierten Eignung beziehungsweise einer bewussten Entscheidung gegen diese Schulform, im späteren Verlauf ihrer Schullaufbahn das Gymnasium zu besuchen und das Abitur zu erreichen.

Besonders von Vorteil sei es außerdem, dass es für diese Schüler möglich sei, sich relativ jung in der Schule zu akklimatisieren, was sich häufig positiv auf deren Entwicklung und auch die Notengebung auswirke, so Schulleiter Wolfgang Schubert.

Flüchtlingskinder können Sprung aufs Gymnasium schaffen

Neben spätberufenen Kindern gibt dieser musische Bildungsweg auch Flüchtlingskindern, die in sogenannten Übergangsklassen unterrichtet werden, Deutsch lernen und sich durch ihre Leistungen heraush eben, die Möglichkeit, den Sprung auf das Gymnasium zu schaffen. Für das kommende Schuljahr schlagen so wieder zwei Kinder von Asylbewerbern diesen Weg zum Abitur ein.

Wolfgang Schubert sieht in dieser Schulform die Chance einer verstärkten Integration: "Diese Schulform ist ein Sammelbecken verschiedenster Bildungsverläufe und Biografien", erklärt der Schulleiter. Voraussetzungen, um die sechsjährige Schulform besuchen zu können, sind dabei die gymnasiale Eignung sowie die musische Begabung der Schüler. Letztere ist deshalb wichtig, da am E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium die Ausbildung an einem Instrument Pflicht ist.

Zusammenführung in der elften Klasse

Zusammengeführt wird die kurze, sechsjährige mit der achtjährigen Schulform zu Beginn der elften Klasse, der sogenannten Qualifikationsstufe. Die Schüler der Kurzform haben also lediglich vier Jahre Zeit, um das Level zu erreichen, für das den Schülern der Normalform sechs Jahre zu Verfügung stehen. Diese Schulform setzt dementsprechend viel Einsatz der Schüler voraus.

Als Vorteil sieht Schubert aber, dass die Klassen mit "15 bis 20 Schülern wesentlich kleiner" sind als die herkömmlichen Klassen der Normalform G8. Dadurch sei eine bessere individuelle Betreuung der einzelnen Schüler möglich, wodurch der zeitliche Aspekt weniger stark ins Gewicht falle, so der Schulleiter.

MdL Heinrich Rudrof (CSU), der sich in der Vergangenheit im Landtag und in den Ministerien stets für diese Schulform eingesetzt hat, sieht die noch mangelnde Bekanntheit als Grund für die bis dato geringe Nachfrage.

"Es ist wichtig, diese sechsjährige Kurzform der Öffentlichkeit näher zu bringen." So gebe es zu viele Menschen, denen dieser musisch-gymnasiale Kurz-Zug noch völlig unbekannt sei. Eine Anmeldung zu dieser Kurzform ist noch immer möglich. Lukas Reinhardt