Alexander Grahl fastet für Brummi

Vor 18 Jahren, kurz vor der Fastenzeit, war es, als hätte sich Brummi in Luft aufgelöst. Alexander Grahl suchte seine schwarz-braun getigerte Katze im Haus, auf dem Hof, im Garten und entlang der B 173. Auch die Rodachauen und einen alten Bahndamm ging der Zeyerner ab. Tagelang blieb Brummi verschollen. Dann kam Grahl "die himmlische Inspiration, ein Gelübde als ,spirituelle Wunderwaffe' einzusetzen". Er versprach, streng zu fasten, um sich mit Gott gut zu stellen. Siehe da: "Eine knappe Stunde war seit dem Gelöbnis vergangen, als es draußen miaute", erinnert er sich. Brummi war zurück. Und für den Zeyerner ist seitdem klar: Fasten wirkt positiv!

Pater Helmut Haagen sieht klarer

Pater Helmut Haagen sieht die Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest. Für ihn gehe es weniger um Abnehmen und Verzicht, sondern mehr um die Überprüfung des Lebensstils und darum, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen und von Abhängigkeiten wegzukommen. Dadurch sehe man klarer und schärfe den Blick für die eigentlichen Fallen des Lebens. Er habe vor vier Jahren den Alkohol aufgegeben: "Jetzt sehe ich klarer!" Der zentrale Aufruf der Kirche laute: "Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" Die Verzichtsleistung sei früher eingefordert worden. Jetzt solle man sich etwas gönnen, das einem wirklich gut tue.

Lukas Löffler ist ein eifriger Kirchgänger

Lukas Löffler aus Theisenort empfindet den Wechsel vom Fasching zum Aschermittwoch ein bisschen abrupt. "Das ist so, wie wenn Ostern gleich nach Weihnachten kommt." Am Dienstag hat er mit Freunden bis Mitternacht im Café Kitsch gefeiert.

"Die Fastenzeit ist eigentlich ganz schön. Das ist Beten, Fasten und Geben - ein Trainingslager der Menschlichkeit". Nach der Ausgelassenheit des Faschings solle man ein bisschen ruhiger werden und sich Gedanken über sich selbst machen. Auch in der Kirche sei alles schlichter, die Gottesdienste seien nicht mehr so festlich, der Blumenschmuck fehle.

Lukas Löffler ist ein eifriger Kirchgänger und kann sich an keinen Aschermittwoch erinnern, an dem er nicht im Gottesdienst war. Er hält selber Kreuzwege ab, beispielsweise mit den Firmlingen und meint, dass man dadurch nach der Hektik des Alltags ein bisschen zur Ruhe komme. Sein Lieblingslied ist "Bekehre uns, vergib die Sünde ...", bei dem jede Strophe auf die Fastenzeit ausgerichtet ist. "Da kann jeder was für sich mitnehmen", sagt Löffler.

Günter Romig will weniger fernsehen

Günter Romig aus Steinberg meint, dass man, wenn man das ganze Jahr gesund lebe, nicht unbedingt streng fasten müsse. "Ich will das Leben noch ein wenig genießen", sagt er. Als ihn seine Frau am Faschingsdienstag nach seinen guten Vorsätzen für die 40-tägige Fastenzeit fragte, sagte er scherzhaft: "Ich bin doch mit 65 Jahren ein alter Mann. Für die Fastenzeit nehme ich mir nichts vor."

Früher war das anders. Da hat er in der Fastenzeit mit dem Rauchen aufgehört und bis Ostern kein Bier angerührt. Das mit dem Aufhören des Rauchens hat auch nach dem Osterfest weiter geklappt, aber zum einen oder anderen Bierchen greift Günter Romig dennoch während des Jahres.

In der Fastenzeit wäre der Verzicht auf diverse Getränke auch ein bisschen schwierig, denn einige Verwandte feiern in der Zeit Geburtstag. Als KAB-Kreisvorsitzender muss er zu vielen Veranstaltungen und da auch etwas konsumieren. "Aber ich werde kürzer treten und eher ins Bett gehen. Nicht mehr jeden Mist nach 23 Uhr im Fernsehen anschauen", fasst Romig dennoch einen guten Vorsatz.

Adem Elkol findet die Fastenzeit gut

Der Moslem Adem Elkol aus Kleintettau findet die christliche Fastenzeit sehr gut. "Es ist eine Reinigung für Körper und Seele", erklärt er und beschreibt, dass diese Zeit die Menschen zum Nachdenken bringen soll: "Man hat so viel Reichtum. Wir hungern freiwillig, anders ist es wenn man es muss." Deswegen sei es auch so wichtig, darüber nachzudenken und in sich zu gehen. Kürzlich sei er in Peru gewesen und eine Stadtrundfahrt durch ärmere Gebiete habe ihm die Augen geöffnet: "Da sieht man erst, was Hunger bedeutet."

Selbst ist Adem Elkol Moslem und hält den Ramadan seit seinem zehnten Lebensjahr ein. "Ich mache das für mich selber und mir tut es sehr gut", stellt Elkol fest. In seinem Alltag wird er oft gefragt, wie er den Fastenmonat Ramadan, der als fester Bestandteil zu seinem Leben gehöre, aushalte: "Das ist meine Überzeugung und, dass man nichts essen darf ist reine Kopfsache", so Adam Elkol, der den Ramadan nicht als Pflicht sieht. In christlicher Hinsicht ist er der Meinung, dass die Fastenzeit von viel mehr Menschen eingehalten werden sollte.

Meinung (Hendrik Steffens)

Viele werden das kennen. Gleich nach dem Aufwachen wandert die Hand zum Handy. Klar, um den rappelnden Wecker abzustellen. Aber auch, um die Social-Media-Profile zu checken. Siehe da: Acht Daumen hoch bei Facebook, vier neue Bewunderer bei Instagram und ein netter Kommentar auf Wordpress. Guten Morgen, Follower! Über den Tag wandert das Smartphone gefühlt alle fünf Minuten aus der Tasche in die Finger. Beim Essen, Nachdenken, manchmal sogar beim Autofahren. Das hat etwas von Sucht nach Ablenkung oder nach Bestätigung. Und dann ist da noch die ständige Angst, etwas zu verpassen oder nicht erreichbar zu sein. Das sind Ängste, die es zu Zeiten des Wählscheibentelefons nicht gab, die heute jedoch abertausende Menschen in so genannten Entwicklungsländern fest im Griff haben.

Für den Autor dieses Textes soll deshalb das Fasten in diesem Jahr digitaler Natur sein. Er will sich seiner (Un-)Abhängigkeit von virtuellen sozialen Plattformen bewusst werden. Zumindest nach Feierabend. Also manchmal...


Fastenzeit - wozu?

Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet in der Osternacht. In den 40 Tagen vor Ostern erinnern sich Christen an Jesu Leidensweg. Daher auch der Name Passionszeit. In den Fastenwochen stimmen sich Gläubige auf das Osterfest und die Zeit der Erneuerung ein. Einige Christen verzichten auf Fleisch, Eier und Alkohol. Viele Menschen nutzen die Fastenzeit aber auch, um bewusst auf Dinge zu verzichten. Sie überdenken ihre Gewohnheiten: Nehmen das Fahrrad anstelle des Autos, lesen statt fernzusehen, treffen sich mit Freunden, anstatt allein vor dem Computer zu sitzen oder tauschen Schokolade gegen Obst.