Die großen, grünen Buchstaben neben dem Rosenturm sind noch nicht beleuchtet. Die Hütten davor sind noch verschlossen. Doch es dauert nur noch Stunden, dann wird sich die Szenerie auf dem Marienplatz mit Leben erfüllen. Am Freitag um 14 Uhr werden die Geschäfte bei der "Kronacher Weihnacht" öffnen. Um 18 Uhr wird es dann in passender, abendlicher Atmosphäre die offizielle Begrüßung durch den Bürgermeister und das Christkind geben.

Dann soll sich der traditionsreiche Markt in einem neuen Gewand zeigen. Dafür hat der Verein Kronacherleben gesorgt, der die "Kronacher Weihnacht" heuer erstmals ausrichtet. Seine Vorstandsmitglieder Paul Schnell (Vorsitzender) und Steffen Mahr (Zweiter Vorsitzender) erzählten uns von neuen Hütten und neuen Ideen.

Neue Besen kehren gut, heißt es. Wo hat Kronacherleben als neuer Veranstalter mit dem "Fegen" angefangen? Sprich: Was ist neu bei der "Kronacher Weihnacht"?
Paul Schnell: In erster Linie natürlich die Hütten - 26 Stück. In der Oberen Stadt wird es ein Kinderkarussell mit einem Glühwein-/Mandelstand geben. Auf der Zwischenebene bauen wir eine Märchenstation auf. In der Oberen Stadt werden die Schaufenster mit Märchenfiguren dekoriert. Dort wird auch viel mit Licht gearbeitet. Außerdem richten wir einen Selfie-Point ein. Dort kann man sich mit Schlitten und Winterlandschaft fotografieren.

Die neuen Hütten und die Bühne sind natürlich besonders augenfällig. Wieso haben Sie nicht wieder auf die bestehenden Hütten zurückgegriffen?
Schnell: Wir sind schon ein Stück weit blauäugig angetreten. Wir wollten die alten Hütten optimieren. Nach dem Zuschlag haben wir sie uns angeschaut - da hat uns fast der Schlag getroffen. Dann fing die Überlegung an: Was tun? Also haben wir uns umgehört, sind in die Preisfindung gegangen. Mit einem möglichen Lieferanten hatten wir kein Glück. Schließlich hat man uns den Rat gegeben: Baut die Hütten doch selbst. So sind wir in den Hüttenbau reingegangen. Um den 20. September haben wir damit angefangen. Die Bühne haben wir aber von der Firma Stöckert bauen lassen. Da musste man einen Knick reinbringen, um den Rosenturm einschließen zu können. Und wir wollten ein richtiges Ensemble, auch farblich. Die alten Hütten waren mittlerweile fast schwarz. Jetzt passt alles von der "Rosenbergalm" bis zur Bühne zusammen.
Steffen Mahr: Das muss uns erstmal jemand nachmachen. Von der Stadt Lichtenfels waren Leute zur Besichtigung der Alm hier. Die fanden auch unsere zerlegbaren Hütten gut. Sie haben bestätigt, dass unsere Lösung für die Hütten besser ist als ihre. Zum Teil wurden unsere Hütten schon von Fieranten gekauft. Sie sind eben schön und durchdacht. Wenn man bedenkt, wie wir sie am Anfang geplant hatten, haben wir jetzt - rein hüttentechnisch - aus einem Mercedes einen Porsche gemacht.

Die ganze Organisation und der Aufbau klingen nach viel Arbeit, zumal der Verein ja noch nicht lange besteht und er die Veranstaltung erstmals ausrichtet. Wie wurde das geschultert?
Schnell: Unser Verein besteht erst seit dem 9. Januar 2015. Von daher ist alles, was dasteht, quasi aus dem Stand geschossen.
Viele Firmen haben uns dabei geholfen. Auch durch Sponsoring. Und es ist Wahnsinn, wie viel ehrenamtliches Engagement eingeflossen ist. Die Ehrenamtlichen arbeiten wie die Tiere. Das wäre sonst gar nicht zu bezahlen gewesen. Schön ist außerdem, dass viele der aktiven Werbebeiräte von 2012 - der ersten Weihnacht in der unteren Stadt - wieder dabei sind. Wir versuchen nun, trotz Stress und Nervosität die positive Stimmung zu halten.
Mahr: Es geht schon an die Substanz, was da geleistet wurde. Wir haben uns am Ende bis zum Freitag durchgehangelt. Aber der Zusammenhalt ist da. Die Vereinsmitglieder haben teilweise sogar Verwandte und Kumpel mitgebracht, so dass über 20 Mann im Einsatz waren.

Sie sagen, die Arbeit wäre nicht zu bezahlen. Aber lässt sich so eine "Kronacher Weihnacht" auch in konkrete Zahlen fassen?
Schnell: Es wurde mal ausgerechnet, dass es die Stadt etwa 27 000 Euro kosten würde, die Veranstaltung selbst durchzuführen. Uns wurden 10 000 Euro Zuschuss gewährt, weil bei uns eben vieles im Ehrenamt geleistet wird.

Deckt dieser Zuschuss die Unkosten?
Schnell: Nein, da ist keine Deckung gegeben. Die kriegen wir nur durch Sponsoren hin. Alleine das Material auf dem Markt hat einen Wert von über 50 000 Euro.

Werden die neuen Hütten auch mit neuen Inhalten "gefüllt"?
Mahr: Wir haben alles durchgemischt. Wir wollten keine Ess- und Trinkmeile. Das ist vielleicht auch ein Ansporn für die handwerklichen Stände, die jetzt auch bis 22 Uhr öffnen dürfen. Das ist mal was Neues, das man jetzt einfach ausprobieren muss.
Schnell: Die "Kronacher Weihnacht" soll ein Weihnachtsmarkt sein, da soll es nicht nur um Essen und Trinken gehen. Deshalb haben wir diesen Bereich etwas zurückgefahren. Es heißt ja Weihnachtsmarkt und nicht Weihnachtskneipe. Wenn wir alle Interessenten mit Essens- und Getränkeständen eingeladen hätten, hätten wir sie vermutlich bis zum Rathaus hoch stapeln können. Aber wir wollten von den Fieranten mehr die handwerklichen berücksichtigen.