Ein ganz anderes - und vor allem jüngeres - Auditorium als gewohnt hatte die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) am Freitag in Kronach. Ihre Zuhörer waren nicht viel jünger als sie selbst, denn sie diskutierte im Rahmen des Europatags mit Zehntklässlern der Siegmund-Loewe-Schule.

Dabei fand die Abgeordnete aus dem Nachbarstimmkreis Kulmbach-Lichtenfels den Draht zur Jugend. Und sie machte Mut. Sie war selbst Realschülerin und hat in jungen Jahren eine steile Karriere gemacht. Auch bei kritischen Fragen blieb sie cool und wich keiner Frage aus. Ob sie denn Bundeskanzlerin oder Ministerpräsidentin werden wolle, wurde die fast 27-Jährige gefragt. Sie hielt es für ziemlich aussichtslos, dass eine Fränkin ein so hohes Amt ausüben könnte. Außerdem erinnerte sie daran, dass ihr Mandat zeitlich befristet sei. Wichtiger als eine überregionale Karriere sei ihr, etwas für die Menschen in der Heimat bewegen zu können. Man könne schnell weg sein, meinte sie im Hinblick auf das Schicksal zweier fränkischer Bundesminister: ihres Vorgängers im Wahlkreis, Guttenberg, und von Hans-Peter Friedrich.

Rektor Uwe Schönfeld hatte in seiner Einleitung ein bisschen auf Guttenberg angespielt. Auf den Adligen sei die ehemalige Korbstadt-Königin Emmi Zeulner gefolgt, verriet er den Zehntklässlern augenzwinkernd.


Eine durchschnittliche Schülerin

Die Abgeordnete plauderte munter drauf los und zeigte den Realschülern die Vorteile des Bildungssystems auf. Sie sei selbst eine durchschnittliche Realschülerin gewesen und habe sich über Fachoberschule und FOS 13 bis zum Studium durchgekämpft. "Ich wäre in den Anfangsklassen des Gymnasiums mit Pauken und Trompeten durchgefallen, weil ich ganz einfach länger gebraucht habe", gab Emmi Zeulner ganz unumwunden zu.

Zum Europatag hatten die Realschüler Wahlwerbeflyer für Fantasieparteien entworfen. Thomas Hauptmann, der als Fachschaftsvorsitzender Geschichte/Erdkunde der Realschule II die Diskussion mit Emmi Zeulner organisiert hatte, pinnte die Flyer an die Tafel. Da gab es Werbung für die "Jugendpartei Deutschlands", die "Dadner Union", die "Zauberwürfel-Partei" oder die "Gute Laune Partei" zu bewundern. Emmi Zeulner war begeistert von der Kreativität der Realschüler. Besonders gefiel ihr der Flyer der "Zukunftspartei Nordhalben". Den fand sie "richtig cool und gut gemacht".


Frage nach Diätenerhöhung

Cannabis würde sie auf keinen Fall legitimieren, antwortete sie mit bestimmtem Ton auf eine entsprechende Schülerfrage. Denn das Zeug mache abhängig. Auf die warnenden Aufschriften und Schockbilder auf Zigarettenschachteln eingehend, berichtete sie, dass sie zu Weihnachten einen Schokoladen-Nikolaus von einem Repräsentanten der Tabak-Industrie erhalten habe. Aufschrift: "Ich mache dick!" Emmi Zeulner hat ihn bei ihrer schlanken Figur ebenso verschmäht wie Glimmstängel.

Klar, dass die Realschüler nach der saftigen Diätenerhöhung für Abgeordnete fragten. Emmi Zeulner gab unumwunden zu, dass die Diätenerhöhung für sie ein bisschen schwierig gewesen sei, denn viele Leute in ihrem Alter (fast 27) verdienten bei Weitem nicht so viel wie Abgeordnete. "Ich habe lange überlegt, ob ich dagegen stimme", sagte sie. Doch das hätte nichts geändert. Sie hätte die erhöhten Diäten sowieso bekommen. Deshalb werde sie es so halten wie vorher auch schon praktiziert und den einen oder anderen Betrag für einen guten Zweck geben.

Als sie auf die langen Arbeitstage einer Abgeordneten zu sprechen kam, konnten die Realschüler erkennen, dass der "Stundenlohn" angesichts des Zeitaufwands nicht gar so exorbitant ist wie vorher vermutet. Sie bat auch um Verständnis dafür, dass man im Bundestag qualifizierte Leute haben wolle. Und manche Abgeordnete, die aus der Industrie kämen, müssten Einkommenseinbußen hinnehmen.

Die große Koalition hielt sie übrigens nicht für die beste Lösung: "Vielleicht können wir die Kollegen noch davon überzeugen."