Seit einiger Zeit prangt ein Transparent auf der Spitalbrücke: "Lass den Klick in Deiner Stadt." Dahinter steckt die Aktionsgemeinschaft Kronach um Vorsitzenden Dietrich Denzner. Das Transparent solle "einen Denkanstoß geben und sensibilisieren dafür, was es heißt, beim anonymen Internethändler statt beim Fachhändler vor Ort einzukaufen", so Denzner. Denn wenn nur noch bei Amazon & Co. gekauft würde, wäre Kronachs Innenstadt wohl recht bald ein trostloser Ort.

"Sogar in der 1a-Lage in der Rosenau und der direkten Innenstadt haben wir in Kronach etliche Leerstände", benennt Denzner das Offensichtliche. Und weist damit auf die Dringlichkeit hin, den Einzelhandel zu unterstützen. In der Schwedenstraße, wo der Kronacher einen Elektro-Fachhandel betreibt, seien über die Jahre mehrere Anbieter verschwunden. In ganz Kronach schlossen zig Läden dauerhaft ihre Türen. Ob das immer an der Konkurrenz aus dem Internet lag, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass diese ein nicht zu verachtender Faktor ist.


Beratung als Vorteil

Vergleicht man Preise von Fachhändlern in Ladengeschäften mit den billigsten im Internet, ist die Tendenz klar. "Nur über den Preis können wir nicht konkurrieren", weiß Dietrich Denzner. Stationäre Händler vor Ort müssen Ladenmieten und Mitarbeiter bezahlen, Lagerflächen vorhalten und laufende Kosten zahlen, die beim reinen Internethändler teilweise entfallen.

Dafür haben die lokalen Anbieter aber auch Vorteile: Der Kunde kann das Buch, die Hose, den Fernseher gleich mitnehmen. Das Wunsch-Handy kann er anfassen und unmittelbar mit anderen Modellen vergleichen. Und er wird - idealerweise - kompetent beraten. "Wir schicken unsere Mitarbeiter regelmäßig auf Schulungen. Sie sollten immer ein bisschen mehr über das Produkt wissen als der Kunde", sagt Denzner.

Durch Recherche im Internet seien Kunden mittlerweile deutlich besser vorinformiert als früher. Deshalb müssten sich Anbieter mehr reinhängen, um angemessen beraten zu können. Auch in diese Richtung soll das Transparent an der Spitalbrücke anregen: Fachhändler sollten noch besser werden, statt den Kopf hängen zu lassen.

Die Idee zu "Lass den Klick in deiner Stadt" ist nicht neu. Die Idee, das Konzept nach Kronach zu bringen, sei inspiriert durch ähnliche Aktionen von Händlervereinigungen anderer Städte, sagt Denzner. In Lichtenfels etwa startete eine gleichnamige Initiative im Jahr 2014. Dabei sollte - wie jetzt in Kronach - der ortsansässige Einzelhandel unterstützt und die Kunden motiviert werden, ihre Einkäufe in der Region zu tätigen.


Man muss gefunden werden

Sabine Köppel, Berzirksgeschäftsführerin für Oberfranken des Handelsverbands Bayern, schätzt das Konzept. Sie hält es für sinnvoll, Kunden mit derlei Aktionen, die es neben Lichtenfels auch schon in Würzburg, Augsburg und weiteren Städten gebe, zu sensibilisieren."Gleichzeitig wäre es aber zu kurz gegriffen, nur über das Internet zu jammern", warnt sie. Man müsse den virtuellen Raum als Herausforderung begreifen, aber auch seine Potenziale erkennen.

Es gebe viele Beispiele, die zeigen, wie lokale Händler vom Internet profitieren könnten. "Wichtig ist vor allem, dass Sie überhaupt im Netz gefunden werden", meint Köppel. Nicht jeder müsse einen Online-Shop etablieren - aber zumindest auf seine Adresse und eventuelle Angebote hinweisen. Das Nutzerverhalten hat sich geändert. Vor allem junge Menschen gehen seltener planlos in die Stadt - sie wollen genau wissen, welche Angebote sie wo finden.

Wie nachhaltig Aktionen wie "Lass den Klick in Deiner Stadt" sind, mag Köppel vom Handelsverband nicht beurteilen. "Die ersten Eindrücke ergeben noch keine signifikanten Werte zu Änderungen im Käuferverhalten oder einem lokalen Umsatzwachstum."


Bücher sind ein Netz-Produkt

Davon, dass der stationäre Einzelhandel dem Untergang geweiht sein könnte, will Köppel allerdings nichts wissen: "Es gibt sogar ehemals reine Netz-Anbieter wie Amazon, die mittlerweile lokale Shops haben." Wichtig sei, dass die "kleinen" Anbieter die Potenziale des Internets verstehen und neue Absatzkanäle erschließen, "Multi-Channelling" ist ein Fachbegriff dafür.

Derzeit werden bei einem Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels von jährlich 450 Milliarden rund zehn Prozent über Versandhandel generiert. Tendenz steigend. "Das ist ein Durchschnittswert. Im Buchhandel sind es über 50 Prozent", so Köppel. Ob das Transparent an der Spitalbrücke daran etwas ändert, wird sich zeigen.