Teil eins der Probleme: Die Bauern und die Hitze

"Wenn Sie sich umschauen, was sehen Sie?" Kreisobmann Erwin Schwarz sitzt, zum Schutz vor dem Regen, auf einer überdachten Bierbank auf der Hofwiese und gibt die Antwort auf seine Frage gleich selbst: "Lauter strahlende Bauern."

Es ist wie so oft im Leben: des einen Freud ist des andern Leid. Während die Freischießen-Wirte jeden Tropfen verteufeln werden, ist für die Bauern "jeder Tropfen Gold wert". Und noch besser: es war kein Starkregen. "25 Liter sind besser als 50 Liter, das nimmt der Boden alles auf", sagt Schwarz.

Allein, der Regen lies diesen Sommer zu lange auf sich warten. Beim Mais werden es wohl 30 bis 40 Prozent Ertragseinbußen sein, beim Gras über 40 Prozent. Beim Getreide hingegen, ob Winter-, oder Sommersorten, habe er bislang kaum Klagen gehört, sagt Klaus Siegelin, stellvertretender Kreisobmann. Die Ernte sei "fast normal" gewesen. Ja, sagt Erwin Schwarz, das habe auch ihn überrascht - eine durchschnittliche Getreideernte trotz weniger Niederschläge.


Wenn der Mais die Energie verliert

Dennoch sei es, sagt Schwarz, ein "immenses Problem, wenn Mais und Gras ausfällt". Beides seien keine typischen Handelsprodukte und langsam würden auch die Futtervorräte aus den vergangenen Jahren knapp. Einige Landwirte müssten heuer wohl Zwischenfutter anbauen, das sie dann im Herbst noch mähen können. Und beim Mais käme zu den Ernteausfällen das Problem der fehlenden Energiedichte. Durch die lange Trockenheit sind die Kolben irgendwann dürr geworden, die Maiskörner wurden nicht mehr weiter produziert, der Mais verliert an Energie. Energie, die die Tiere eigentlich in ihrem Futter bräuchten. Die Folge: es gelinge schlicht nicht, die Leistungsbereitschaft der Tiere auszufüttern, sagt Schwarz.

Doch das eigentliche, wirklich große Problem, sei weder der Mais-, noch der Grasverlust. Es ist der Verlust des Wassers. Der Grundwasserspiegel ist während der langen Trockenperiode teils dramatisch gesunken. Michael Fischer vom Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung hat einen Nachbarn, in Gehülz, oben auf dem Berg, der müsse nun für seinen Hof das Wasser vom Brunnen ein paar Hundert Meter weiter holen. Langfristig hofft Schwarz daher auf einen guten Winter, viel Niederschlag und eine langsame Schneeschmelze - nur so könne der Grundwasserspiegel wieder steigen. Birken, Pappeln, ein Großteil der Laubbäume habe bereits abgeschmissen, sagt Schwarz. Den Bäumen im Wald kann der Regen nun kurzfristig noch helfen. Schwarz hofft, dass er wenigstens die Bäume im Wald soweit aufpäppelt, dass sie sich gegen den Borkenkäfer wehren können.

Einen Vorteil hatte die Hitzewelle dann doch. Durch die frühere Ernte habe er jetzt mehr Zeit, das Freischießen zu genießen, sagt Schwarz. Normalerweise sitze er im August noch die meiste Zeit im Mähdrescher auf dem Feld.


Teil zwei der Probleme: Die Bauern und die niedrigen Preise

Mit Essen spielt man nicht. Könnte Klaus Siegelin, stellvertretender Kreisobmann, den großen Lebensmittelketten einen Satz sagen, es wäre dieser. Der Preiskampf der Discounter, die Schlacht um Marktanteile von zwei oder drei Prozent, all das gehe zu Lasten der Bauern, setze Existenzen aufs Spiel. So, sagt auch Kreisobmann Erwin Schwarz, könne es nicht weitergehen. Seien es Strom, Mieten oder Treibstoff, überall würden die Preise steigen, allein der Lebensmittelhandel sei davon ausgenommen. Momentan liege der Milchpreis bei 30 Cent, langfristig wären zwischen 33 und 35 Cent nötig, sagt Schwarz. Vorallem der schlechte Milchpulver- und Butterpreis von derzeit 24 Cent (im August 2013 waren es noch 44 Cent) sei dabei das Problem, nicht so sehr das Auslaufen der Milchquote im April dieses Jahres. Bei den Bauern macht's nun nicht nur die Milch, sondern auch das Fleisch. Oder eben nicht.


Keine Köpfe nach China

Derzeit sei der Fleischpreis mit 1,40 Euro pro Kilo Schweinefleisch auf einem Fünfjahrestief. Im August 2013 lag der Preis noch bei rund 1,62 Euro. Kostendeckend könnte der Bauer mit 1,44 Euro pro Kilo arbeiten. Das Russlandembargo, verhängt aufgrund der Ukrainekrise, kostet rund vier Cent, schätzt Schwarz. Die Russen, aber auch die Chinesen, die wegen der momentanen Abwertung des Yuan weniger importieren, beide hätten gekauft, was in Deutschland nicht gut absetzbar ist: fetteres Fleisch, Rüssel, Füße, Köpfe. Was nicht mehr verkauft werden kann, muss entsorgt werden, da fallen zusätzliche Kosten an.

Die Zeiten, in denen man noch von den guten Jahren zehren konnte sind fast vorbei. Und die Zeiten, in denen an Schützenfesten der Preis noch einmal stieg, der Sommerausschlag, sind wohl ebenfalls vorbei.

Er wisse, sagt Schwarz, auch die Händler bei solchen Festen müssen leben, aber wenn von einem Steak, das für 4,50 Euro beim Freischießen verkauft wird, 35 Cent beim Bauern ankämen, sei das nicht gerade viel. Kein Vorwurf, eher ein Appell soll es sein.

Beim Getreide sehe es schließlich nicht anders aus. Für eine Semmel von 35 Cent entfallen auf den Getreideanteil zwei Prozent (das entspricht 0,71 Cent). Schwarz stört es, dass die Landwirte oft als Sündenbock hingestellt werden, wenn die Preise beim Brot stiegen und die Bäcker das mit einem steigenden Getreidepreis begründen würden.

Protestieren, wie in anderen Teilen Deutschlands bereits geschehen, wollen die Bauern in Kronach nicht. Sie setzten auf den Dialog, das Verständnis der Bürger. Darum appelliert auch die stellvertretende Kreisbäuerin Marina Herr an den Verbraucher, sich darüber Gedanken zu machen, was man einkaufe: "Muss es wirklich die Bio-Tomate aus Spanien sein, oder ist nicht die vom Gärtner nebenan besser?" Bäuerliche Familienbetriebe, sagt sie, hängen von der Antwort dieser Frage ab. Kurzum: Bio ist eben nicht gleich regional.