Die Stadt Kronach hat mit ihrem berühmten Sohn Lucas Cranach ein Pfund, mit dem sie künftig noch mehr wuchern möchte. Dazu ergibt sich nun eine unerwartete Gelegenheit durch eine Kooperation mit der Universitätsbibliothek Erlangen. Das Vorhaben wurde am Montag im Stadtrat vorgestellt.

Kerstin Löw, die Leiterin des Kronacher Tourismusbetriebs, wies darauf hin, dass die Bestrebungen, den Namen Lucas Cranach in Wert zu setzen, bereits seit Jahren forciert werden. Als Erfolgsbeispiele nannte sie unter anderem das Städtenetzwerk "Wege zu Cranach". Mit einer Ausstellung in den Räumen der Fränkischen Galerie auf der Festung Rosenberg soll nun ein neuer Markstein gesetzt werden. Dort könnten 65 Blätter mit 86 Handzeichnungen von Lucas Cranach gezeigt werden. Voraussetzung sind neue Vitrinen, die etwa 100 000 Euro kosten würden. Der Eigenanteil der Stadt würde 10 000 Euro betragen.


Schlummernde Schätze heben

Löw sprach von Schätzen, die in Erlangen zurzeit im Dunkeln schlummern. "Die wollen wir heben." Für die Stadt Kronach sieht sie darin eine einmalige Chance. Einmalig, weil die Werke nach der Ausstellung für zehn Jahre gesperrt werden würden, wie Christina Hofmann-Randall (Leiterin der Abteilung Handschrift und grafische Sammlung der Universitätsbibliothek Erlangen) feststellte. "Es ist der weltweit größte Bestand. Er wurde vor 20 Jahren ein einziges Mal komplett gezeigt", berichtete sie. Die Bibliothek ist an diese Werke gekommen, als sie die markgräfliche Sammlung aus Ansbach erhalten hat.

Kronach wäre für Hofmann-Randall der ideale Standort einer Ausstellung, da dort auch Cranach-Bilder zu finden sind. In Verbindung mit den Handzeichnungen wäre die Präsentation etwas, "das so noch niemals gezeigt wurde". Und in den Räumen der Fränkischen Galerie würden nicht einmal Kosten für die Versicherung auf Kronach zukommen.

"Es ist ein unglaubliches Vorhaben", stellte Löw die Bedeutung heraus. In der Regel seien solche Ausstellungen sehr gut besucht; Interessierte wüssten, dass sie so etwas nur ein- oder zweimal im Leben zu sehen bekommen.


Dauerhafte Nutzung

Der Kronacher Museologe Alexander Süß versicherte, dass die Vitrinen auch einen dauerhaften Wert hätten. Dadurch würde man einen Grundbestand in der Galerie schaffen, der einer weiteren Kooperation mit der Unversitätsbibliothek dienen könnte. So stehen schon weitere Ausstellungen mit Werken von Hans Süß und mit Barockzeichnungen in Aussicht. Löw sieht darin gar eine Chance, Kronach als Ausstellungsort speziell für Handzeichnungen zu etablieren.

Sven Schuster (SPD) hielt die Vitrinen für eine auf Sicht ohnehin notwendige Anschaffung und die Kooperation mit der Universität Erlangen - wie schon bei der Heunischenburg - für einen Gewinn. Jonas Geissler (CSU) meinte, Ostern und Weihnachten seien zusammengefallen angesichts dieses Geschenks. Michael Zwingmann (FW) hielt es prinzipiell für den richtigen Weg, solche Konzepte für die Festung zu erarbeiten und dort dauerhaft Höhepunkte zu setzen. Markus Oesterlein (CSU) sah in der Anschaffung eine langfristige Investition und eine "super Sache". Entsprechend fiel die Abstimmung einhellig positiv für den Erwerb der Vitrinen aus.


Markenwechsel bei Festspielen

Wie bei der Cranach-Ausstellung erhofft sich Kerstin Löw auch für die neu benamten Rosenberg-Festspiele, dass sie für Begeisterung sorgen. Der Markenwechsel sei bisher gut verlaufen, die Vorbereitungen ebenso. Die neue Werbelinie ist bereits am Start; mit Plakaten, Flyern, im Internet und bei Veranstaltungen wird auf die 26 Aufführungen hingewiesen. Seit Mitte April proben die Statisten, ab 1. Juni steigen die Schauspieler mit ein. "Der Zeitplan konnte bisher auf allen Ebenen eingehalten werden", sagte Löw, die sich besonders über die sehr gute Nachfrage beim Kinderstück freut.

"Ich denke, dass wir auf einem sehr guten Weg sind - und auf Kurs", meinte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW). Jonas Geissler sprach von einer spürbar guten Stimmung, einem tollen Ensemble und einer in Teilbereichen deutlichen Professionalisierung. Allerdings würde er den Markenwechsel gerne noch intensiver begleiten lassen. Sven Schuster fragte nach, ob es mehr als die bis jetzt eine vorgestellte Schauspielerin aus Kronach geben wird. Dies bejahte Löw.


Kosten für die Werbung

Für "absolut überzeugend" hielt Angela Degen-Madaus (FL) die Präsentation der Tourismus-Chefin. Michael Zwingmann meinte, die Räte selbst sollten noch stärker ihren Stolz zeigen, was in Kronach im Tourismusbereich geschafft wird.

Auf Zwingmanns Nachfrage nach den Werbekosten stellte Kerstin Löw fest, dass ein eigener Etat von etwa 14 000 Euro hierfür vorgesehen sei, allerdings heuer auch Mittel aus ihrem allgemeinen Budget hineinfließen würden. Daher gehe sie in diesem Jahr von über 20 000 Euro aus.