Leerstandsmanagement, Fachkräftemangel, seniorengerechter Wohnraum, Infrastruktur und vieles mehr. Die Themenfelder, mit denen sich das neue "Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken" ab Herbst in Kronach beschäftigen soll, sind vielfältig. Am Montag hat Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) das bayernweit einmalige Projekt im historischen Rathaussaal vorgestellt. Mit dabei hatte er einen Förderbescheid über knapp 1,3 Millionen Euro.


"Oberfranken Offensiv" als Träger

"Die demografische Entwicklung ist vor allem für ländliche Regionen die große Herausforderung der nächsten Jahre", sagte der Minister. Mithelfen, die damit verbundenen Probleme in Oberfranken zu bewältigen, soll das neu ins Leben gerufene Kompetenzzentrum, dessen Kosten der Freistaat Bayern zu 90 Prozent übernimmt. Den Rest, etwa 144 000 Euro, steuert der Träger, die Initiative "Oberfranken Offensiv e.V." bei.

Einen wichtiger Meilenstein für gleichwertige Lebensverhältnisse in Bayern, nannte Minister Söder das Projekt, das eine Laufzeit bis 2020 hat und für das drei Experten arbeiten sollen.

Zwar habe - so Söder - Oberfranken in den vergangenen Jahren viel geleistet. "Seit langem steigt die Bevölkerungszahl wieder an." Lediglich in zwei Kreisen - darunter Kronach - gebe es noch einen leichten Rückgang. Dennoch stünde man vor erheblichen Herausforderungen. Söder: "Ostbayern ist eingekesselt von den Niedriglohnländern Tschechien und Polen sowie Thüringen und Sachsen, die bundesweit zu den Höchstfördergebieten zählen."


Analysieren und entwickeln

Die konkreten Aufgaben des Kompetenzzentrums erklärte Birgit Seelbinder, stellvertretende Vorsitzende von "Oberfranken Offensiv". So wolle man zunächst die demografische Lage in Oberfranken genau analysieren - auch mit Hilfe einer Datenbank. Anschließend sehe man sich als Mitmachplattform, wolle von Kronach aus Ansprechpartner für Politiker und Bürger sein und gemeinsam Ideen und Projekte entwickeln. Seelbinder: "Demografische Maßnahmen der gesamten Region werden von hier gesteuert."

Eine Standortentscheidung pro Kronach, die von der anwesenden lokalen Politprominenz honoriert wurde. "Ein wichtiger Schritt für die Region", lobte Landrat Oswald Marr (SPD). "Man sieht, was mit einem Franken als Minister möglich ist", sagte MdL Jürgen Baumgärtner (CSU).

Bei der Wahl für Kronach - so Söder - habe auch das Vorgängerprojekt "Demografie-Pilotregion Oberfranken" eine Rolle gespielt. Seit 2014 und noch bis Jahresende arbeiten in Trägerschaft von "Kronach Creativ e.V." drei Mitarbeiterinnen beispielhaft für Bayern an Strategien bezüglich demografischer Probleme im Kreis Kronach. "Eine verdienstvolle Arbeit, die wir jetzt in größere Strukturen umwandeln", sagte Seelbinder.