Müsste die SPD-Kreistagsfraktion heute über die Konzeptphase für einen möglichen Nationalpark Frankenwald abstimmen, gäbe es ein Nein. Das stellten Fraktionsvorsitzender Richard Rauh und Kreisvorsitzender Ralf Pohl am Dienstag in einem Pressegespräch fest. Die Tür wolle man dem Vorhaben jedoch nicht zuschlagen. Vor einer Zustimmung müssten allerdings erst K.o.-Kriterien aus dem Weg geräumt werden.

Geht man in die Konzeptphase, obwohl noch nichts Konkretes vorliegt? Ist eine Konzeptphase schon eine indirekte Zustimmung - eine Lawine, die, einmal losgetreten, nicht mehr zu stoppen ist? Und wer wird überhaupt die Federführung in dieser Phase übernehmen? Solange solche Fragen im Raum stehen, sieht sich die SPD laut Pohl nicht im Stande, grünes Licht für ein solches Projekt zu geben.


Faktor Zeit

Um diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen, braucht es nach Ansicht der Sozialdemokraten vor allem eines: Zeit. Die Dialogphase müsste ausgedehnt werden, um offene Fragen zu klären, Zahlen zu prüfen und Abläufe zu regeln. "Im Moment ist es, als ob man ohne Licht im Nebel fährt - dann riskiert man Kollateralschäden", unterstrich Rauh, dass seiner Ansicht nach die Menschen noch nicht mit auf den Weg genommen wurden. Eine Bringschuld sieht er dabei auch bei der Politik. So meint er, dass das Landratsamt oder das Ministerium als neutrale Instanzen das Ruder in die Hand nehmen sollten. Auch um zu klären, wer wann über was entscheiden darf. Und die Politik müsste seiner Ansicht nach viel stärker in der Öffentlichkeit Position beziehen und aufklären. Bisher seien der Landrat und die Bürgermeister in der Diskussion eher abgetaucht.

Die Bürger stünden vor vielen offenen oder nicht ausreichend geklärten Fragen: Wie steht es um mögliche Nitratbelastungen im Grundwasser? Sind angesichts wechselnder Gebietskulissen die Sicherheitszonen gegen den Borkenkäfer überhaupt umsetzbar? Wie lässt sich so ein Park erlebbar machen? Wie viel Kapital privater Investoren müsste in die Verbesserung der Infrastruktur mit eingebracht werden? Über Alternativen wie ein Biosphärenreservat müsste vorab gesprochen werden, um deren Chancen gleich mit abklopfen zu können. Und nicht zuletzt müsste festgestellt werden, wer die Weichen am Ende stellen wird: Kreistag? Gemeinden? Bürger? Nur Kronacher? Auch die Nachbarkreise?


"Juli - ein utopischer Termin"

Mit solchen grundlegenden Themen müsse man sich genauer beschäftigen, ehe ein neuer Schritt Sinn machen würde. Daher sei der Juli für das Einläuten der nächsten Etappe utopisch, meinen die SPD-Politiker. "Momentan fehlt ein Fundament für eine eigene Meinung", stellte Rauh klar. Wenn die Einwände berücksichtigt und die offenen Fragen geklärt werden, würde sich die SPD einer Konzeptphase allerdings nicht verschließen. Dann dürfe aber nicht vergessen werden: "Primär muss es um den Naturschutz gehen, auch wenn die anderen Fakten ebenfalls wichtig sind."