Der ICE läuft in den Coburger Bahnhof ein. Die weißen Türen öffnen sich. Dutzende Fahrgäste steigen ein und aus. Unter ihnen auch zahlreiche Kronacher, die mit dem Schnellzug in Richtung Norden weiterfahren wollen und deshalb lieber in der Veste-Stadt als in Bamberg zusteigen. Stopp! So weit sind wir noch nicht.

Ein Systemhalt in Coburg, welcher der ganzen Region zugute kommen soll, ist bislang nur ein Gedankenspiel. Damit er doch noch Realität wird, warb Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel von der IHK zu Coburg im Kronacher Kreisausschuss für Unterstützung - moralische wie auch eine kleine finanzielle.


Nachteil für die Region

"Durch den Wegfall der ICE-Halte in Lichtenfels und Saalfeld hätte ein Systemhalt in Coburg Auswirkungen auf die gesamte Region", beteuerte Schnabel die Notwendigkeit eines Schulterschlusses in Oberfranken und Südthüringen. Die Bahn stuft die Bedeutung des Coburger Bahnhofs für die ICE-Verbindung zwischen Nürnberg und Erfurt nämlich eher als Zeitverlust denn als gutes Geschäft mit vielen Fahrgästen ein, wie aus den Schilderungen hervorging. Deshalb seien momentan auch nur Stopps in laut Bahn "pendlerfreundlichen Zeiten" - sprich in Tagesrandlagen - vorgesehen, so der IHK-Vertreter.

"Aus unserer Sicht ist das nicht korrekt", betonte Schnabel, dass der Einzugsbereich bei einem Systemhalt in Coburg viel größer, das Passagieraufkommen erheblich höher wäre, als die Bahn bisher annimmt. Deshalb soll eine Potenzialanalyse erstellt werden. Es habe Signale gegeben, dass die Bahn ein solches Gutachten durchaus in ihre Überlegungen einfließen lassen würde, so Schnabel. Selbst das Innenministerium unterstütze dieses Vorhaben daher mit 20 000 Euro. Die gleiche Summe steht bisher allerdings noch als Deckungslücke auf der Rechnung. Einhellig beschloss der Kreisausschuss deshalb, einen Beitrag von 5000 Euro zu leisten und sich auch öffentlich für einen Systemhalt des ICE in Coburg stark zu machen - doch nicht ohne Ergänzungen.


Weitere Überlegungen

Klaus Löffler (CSU) brachte ins Gespräch, dass auch Jena noch um einen Anschluss an das ICE-Netz kämpfe - nicht uninteressant, vor allem für die Bürger im nördlichen Landkreis Kronach. Stellvertretender Landrat Gerhard Wunder (CSU) stellte fest, dass dieser ICE-Halt geprüft werden sollte, aber eine Entscheidung noch ausstehe.

Entgegen Schnabels Einwurf, sich nicht in Alternativdiskussionen zu verzetteln, hielt es Ralf Pohl (SPD) sehr wohl für nötig, auch schnelle Verbindungen für die Altstrecke über Kronach zu finden, wie IC oder Interregio. "Wir müssen zweigleisig fahren", so Pohl. Zudem müssten die Anbindungen nach Coburg (Eilbus, Bahn) verbessert und dort die Parkplatzfrage geklärt werden. Schnabel pflichtete ihm bei, dass es bei diesen beiden Punkten einiger Verbesserungen bedarf, die bei der Zusage des Systemhalts auch kommen müssten. Pohls Vorschläge wurden anschließend in den Beschluss aufgenommen.


Auch Politiker gefordert

Petra Zenkel-Schirmer (Frauenliste) forderte darüber hinaus neben den statistischen Zahlenspielen mehr Einflussnahme der Politik. Peter Hänel (FW) hatte leise Zweifel am Erfolg, so lange die Bahn in erster Linie an kürzeren Fahrtzeiten interessiert ist. Deshalb überlegte er zunächst, ob der Kreis Kronach finanziell gleich in die Vollen gehen muss. Letztlich pflichtete er jedoch Hans Rebhan bei, der wie Bernd Liebhardt (beide CSU) ein starkes Signal für die Region forderte. "Wenn ich nichts für die Zusteiger tue, dann kann sich nichts tun - da beißt sich die Katze in den Schwanz", unterstrich Rebhan den Handlungsbedarf auch aus Sicht des Kreises Kronach.