Ein leckerer Duft liegt in der Luft der Pestalozzi-Schule. Auf dem Herd dampft es aus zwei großen Töpfen. Es gibt Gemüse-Eintopf sowie einer Art Rindergulasch mit afrikanischen Gewürzen und ganz viel Knoblauch. Roza, Almaz, Addis und Metasebia rollen geschickt Injera - Fladen aus gesäuertem Brot - auf. "Das ist eine Beilage, die es in Äthiopien zu jedem Essen gibt. "Auf dem Fladen wird die Hauptspeise verteilt, die wir mit abgerissenen Injera-Stücken essen - so wie in Deutschland mit Besteck gegessen wird", erklärt Yergalem, der wie die vier Frauen aus Äthiopien kommt und wie sie im Kronacher Asylwohnheim lebt.

Die Äthiopier bereiten diese landestypischen Speisen aber nicht alleine zu. Hilfe erhalten sie von der Ganztagesklasse 8/9 der Pestalozzi-Schule sowie von drei Schülerinnen der Maximilian-von-Welsch-Schule.

Und das kam so: "Es handelt sich um einen Gewinn von der Ausstellung ,anders? - cool!‘ im Kronacher Rathaus, die auch von der Pestalozzi-Schule besucht worden war. Die Schüler nahmen an einem Fragen-Quiz teil. Erster Preis war das Kochprojekt", erklärt Julia Mari vom Jugendmigrationsdienst des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Bamberg, die mit Gerd Weickert vom Fachdienst für Migration und Integration des Diakonischen Werks Kronach-Ludwigsstadt/Michelau Ideengeber für dieses ungewöhnliche Projekt war. Hierzu lud man auch mehrere Schüler der Realschule I ein, die sich in der Projektgruppe "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" engagieren.

Schüler und Gäste kommen klar

"Es ist schön zu sehen, wie die Schüler der beiden Schulen untereinander sowie mit den äthiopischen Gästen klar kommen. Sie verstehen sich gut und haben offensichtlich viel Spaß zusammen", freut sich Gerd Weickert. Mit dem Projekt wolle man gleichzeitig ein wenig Werbung für das zweite Kronacher Afrika-Fest am 27. Juli im Struwwelpeter machen.

Von der Realschule I waren Jasmin Geiger, Nadine Fröba und Anne Oelschläger zur Aktion eingeladen. "Wir sind Mitglieder des Teams ,Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage‘, der Schüler von 13 bis 15 Jahren angehören. Geleitet wird die Gruppe von unserem Betreuer Benjamin Pfister", erklärt Jasmin.

Das Kochprojekt gefalle ihr sehr gut, da man dabei andere Kulturen kennenlerne und man auch Anregungen erhalte. In der Pestalozzi-Schule sei man sehr freundlich aufgenommen worden. Berührungsängste gebe es nicht. "Ich finde, dass unsere Schulen mehr zusammenarbeiten sollten. Die beiden Schulen sind nicht weit voneinander entfernt und trotzdem weiß man nicht viel voneinander", meint Anne.

Innerhalb der Projektgruppe habe man sich sehr mit dem Thema Migration beschäftigt. Anne und Nadine besuchten in diesem Zusammenhang mit weiteren Team-Mitgliedern auch das Kronacher Asylheim. "Es ist schlimm, wie die Leute dort untergebracht sind und wie klein die Räume sind. Außerdem dürfen sie kein Deutsch lernen. Dabei wäre es für ihre Integration so wichtig, unsere Sprache zu können", zeigen sich die Schülerinnen sicher, deren Projektgruppe auch die Erlöse verschiedener Veranstaltungen für die Asylbewohner gespendet hat.

Weiter müssten die Flüchtlinge "deutsches" Essen essen, das sie vorher nicht gekannt hätten. Das bestätigt auch Yergalem. "Ich vermisse das äthiopische Essen schon. Es gibt hier Zutaten zu kaufen, aber wir dürfen nicht selbst einkaufen. Deshalb ist für uns der heutige Tag so schön", strahlt der Äthiopier.

Schüler haben viel behalten

Und auch seitens der Pestalozzi-Schule ist man begeistert von der Idee. "Wir besuchten mit unseren Schülern die Ausstellung ,anders? - cool!‘. Unsere Schüler waren sehr neugierig und haben sich sehr für den Inhalt der Ausstellung interessiert", blickt Sonderschulrektorin Irene Müller zurück. Auch im Nachhinein habe man an der Schule intensiv über die Lebenssituation von Migranten geredet. Dabei habe man gemerkt, dass die Schüler viel von der Ausstellung behalten hätten.

Auch an ihrer Schule gebe es viele Kinder mit Migrations-Hintergrund. "Für unsere Schüler ist die Zusammenarbeit mit Jugendlichen anderer Schulen wichtig", zeigt sich die Schulleiterin sicher. Sie suchten den Kontakt nach außen, gerade auch weil die Pestalozzi-Schule nicht gerade im Mittelpunkt der Gesellschaft stehe. Dies gelte sicherlich auch für die Flüchtlinge in Kronach.

"Das gemeinsame Kochen hat prima geklappt. Wir haben uns auf Englisch verständigt, teils auch mit Händen und Füßen", verrät die Schülerin Christina. Und auch die Fachoberlehrerin Sabine Schmidt, die das Kochprojekt leitete, outet sich als Afrika-Fan. "Ich liebe Afrika. Für mich ist es ganz spannend, welches Essen es dort gibt", so Schmidt.

Neugierig zeigten sich auch die Ganztagesklassen der Pestalozzi-Schule, die in den Genuss des äthiopischen Essens kamen. Ohne Vorbehalt "schaufelten" sie sich ihre Teller voll und ließen sich das ungewohnte Menü schmecken - die meisten mit Besteck. Einige "Mutige" probierten aber auch Injera als Besteck-Ersatz. Und ein Schüler meinte gar: "Das war heute das beste Essen vom ganzen Jahr, weil ich mit den Händen essen durfte."