Die Industrie ist im Wandel. Doch nicht nur die Industrie, die ganze Gesellschaft ist von dieser Veränderung betroffen. Von der "Industrie 4.0" ist die Rede, der vierten industriellen Revolution. Hans Rebhan, Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach, erweiterte diesen Begriff auf "Gesellschaft 4.0". Wie der Frankenwald diesem Wandel begegnen kann, darum ging es im Workshop "Visionworx" am Donnerstagabend in Mitwitz.

Wie viele der weltweiten Top-100-Unternehmen des Jahres 1917 existieren heute noch? Das wollte Referent Harald Ostermann von den etwa 60 Teilnehmern des Workshops wissen. Die Antwort: eines. General Electric. "Der Erfolg von heute ist der Tod von morgen", beschrieb Ostermann diesen Wandel.


Entwicklung hat sich verschärft

Diese Entwicklung der vergangenen rund hundert Jahre hat sich heute noch verschärft, wie aus seiner Schilderung hervorging. Die Rede ist von einer disruptiven Veränderung, also einem grundlegenden Wandel, der alte Strukturen aufbricht. Diesem Wandel will die Region mit offenem Visier begegnen.

"Heute ging es um das Starten der dritten Stufe des Innovations-Zentrums", erklärte Rebhan den Hintergrund für das Treffen in der alten Reithalle am Wasserschloss. Das Innovations-Zentrum Kronach (IZK), die Hochschule Coburg und Bayern Innovativ hatten die Veranstaltung gemeinsam auf die Beine gestellt. Nach dem Aufbau eines Netzwerkes und angesichts des bevorstehenden Studiengangs "Zukunftsdesign" wurde so die Weiche gestellt, um ganz klare und ersichtliche Projekte für die Region auf den Weg zu bringen, wie Bernd Hüttel von der Firma Dr. Schneider erläuterte.


Ein wichtiger Schritt

"Es ist die erste Veranstaltung dieser Größenordnung", stellte IZK-Geschäftsführer Hendrik Montag-Schwappacher fest. Sie sollte nicht nur inspirieren, sondern zum gemeinsamen Denken anregen. Ideen sollten in eine Form gegossen werden, die eine praktische Anwendung erkennbar machen. Wie wichtig dieser Schritt ist, unterstrich auch Rupert Tkotz von Bayern Innovativ: "Wir müssen aus den Ideen zu Projekten und Kümmerern kommen." Und da müssten die Unternehmen und Personen aus der Region ganz eng eingebunden werden.

In Gruppen wurden Konzepte ausgearbeitet und anschließend von den Teilnehmern selbst bewertet. Gewonnen hat an diesem Abend ein "visionärer Vorschlag", wie Montag-Schwappacher festhielt. Bei diesem "virtuellen Konzern" geht es darum, dass Unternehmen zwar eigenständig bleiben, jedoch ihre Stärken und Kompetenzen bündeln, wenn es erforderlich wird. "Dadurch haben sie eine ganz andere Schlagkraft und Reaktionszeit", hob Referent Gunther Herr hervor.


Thema ist in den Köpfen angekommen

"Das Thema ,Industrie 4.0‘ ist ganz klar in den Unternehmen angekommen", bestätigte Hüttel den Erfolg dieses ersten großen Workshops. Auch Markus Weber von der Firma Weber hielt die inzwischen eingetretene Vernetzung über das IZK hinaus - etwa ein Drittel der Teilnehmer waren keine Mitglieder - für einen wichtigen Schritt. So seien neue Projekte angeregt worden, die sich zum Beispiel mit der Digitalisierung in der Produktion, der Demografie, der Wahrnehmbarkeit der Region, neuen Dienstleistungen und Produkten oder der Mitarbeiterverfügbarkeit befassen.

Dass die Zusammenarbeit der heimischen Unternehmen so gut funktioniert, liegt laut den Referenten auch an einem Faktor, der gerade Oberfranken auszeichnet: die Heterogenität. Rebhan erklärte, dass hierzulande eine Branchenvielfalt herrsche, daher gebe es kaum Vorbehalte, einem unmittelbaren Konkurrenten durch die Kooperation einen Vorteil zu verschaffen. Für den Frankenwald stecke darin eine Riesenchance. Das hätten die Verantwortlichen auch beim Arbeitstreffen erkannt.

"Wir haben die kritische Masse an Personen erreicht, die etwas bewegen können", freute sich Referent Herr zum Abschluss der Zusammenkunft. "Wenn wir sie jetzt nicht von der Angel lassen, dann können wir etwas bewegen."