Für Bernd Pflaum war es die letzte Jugendhilfe-Ausschusssitzung. In knapp zwei Monaten wird der Kreisjugendpfleger seinen Dienst beenden und den verdienten Ruhestand antreten. Landrat Oswald Marr (SPD) dankte Pflaum für sein jahrzehntelanges Engagement in der Jugendarbeit. Pflaum werde aber auch noch im Landratsamt würdig verabschiedet.

Bei der Ausschusssitzung wurde der von der Verwaltung ausgearbeitete Vorschlag der Neuausrichtung der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes im Landkreis Kronach besprochen. Der Vorschlag fand bis auf zwei CSU-Stimmen (Thomas Löffler und Michael Wunder) mit sieben Befürwortern die Zustimmung des Gremiums.

Thomas Löffler erklärte, dass die CSU-Fraktion einen Antrag auf die Einstellung eines Streetworkers gestellt hätte. Der Landrat und die Verwaltung hätten im vorliegenden Beschluss diesem nicht entsprochen, obwohl die Forderung vor einiger Zeit im Kreisausschuss positiv gesehen wurde. Die CSU werde deshalb den neuen Vorschlag ablehnen und will die Angelegenheit im Kreisausschuss und Kreistag aufgreifen.


Kein Bedarf vorhanden

Der Jugendamtsleiter Stefan Schramm informierte über die personellen Umstrukturierungen im Landratsamt und erklärte, warum aufgrund von verschiedenen Stellungnahmen der Behörden - Polizei, Amtsgericht und Jobcenter - kein Bedarf für einen klassischen Streetworker im Landkreis Kronach gesehen wird.
Die Drogenszene im Landkreis Kronach finde den Experten nach nicht auf der Straße und öffentlichen Plätzen statt. Dass es Drogenprobleme gibt, das bleibe unbestritten. Nur verspreche man sich eben von einem klassischen Streetworker keinen Erfolg.

"Wir sollten jetzt die Gelegenheit der Eingliederung des Sachgebiets Jugendarbeit in das Kreisjugendamt nutzen", sagte Stefan Schramm. Demnach fasste das Gremium folgenden Beschluss: Der Jugendhilfeausschuss befürwortet die Schaffung einer sozialpädagogischen Personalstelle im Kreisjugendamt Kronach. Dem Kreisausschuss und dem Kreistag wird empfohlen, eine zusätzliche Vollzeitstelle im Sozialdienst des Kreisjugendamtes für bezirkssozialarbeiterische Aufgaben einzurichten. Die Haushaltsmittel für eine zusätzliche Personalstelle für eine Sozialpädagogische Fachkraft (circa 60 000 Euro) sind im Haushalt einzustellen.

Mit dieser Vollzeitstelle sollen die beiden Präventionsfachkräfte von den allgemeinen, bezirkssozialarbeiterischen Aufgaben entlastet werden. Es wird empfohlen, die Personalstelle innerhalb des ersten Kalenderhalbjahres 2016 zu besetzen - soweit der Beschluss. Die beiden Stellen der bisherigen Jugendpfleger seien bereits ausgeschrieben. Durch diese zusätzliche Fachkraft soll wieder mehr Zeit in die Präventionsarbeit investiert werden. "Darüber müsste sich eigentlich auch die CSU freuen", sagte der Landkreischef.


Haushalt für 2016

Der Haushaltsplanentwurf 2016 wurde einstimmig angenommen und dem Kreisausschuss und Kreistag zur Annahme empfohlen. Jugendamtsleiter Schramm sprach von einem schwierig zu kalkulierendem Jahr. Vor allem die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge würden große Unsicherheiten darstellen.

Der Haushalt schließt mit 1 923 400 Euro Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 6 406 600 Euro ab. Das entspreche einem Zuschussbedarf von 4 483 200 Euro. Mehrausgaben entstehen vor allem durch den Anstieg der Elternbeiträge in Kindertagesstätten und durch Zuzug anspruchsberechtigter Asylbewerberfamilien (rund 25 000 Euro Zuwachs). Erhöhter Bedarf bestehe auch durch die vorübergehende Unterbringung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (rund 50 000 Euro Mehrausgaben).


Mehr Schulbegleiter gewünscht

Um fast 190 000 Euro ist der Haushaltsplan gegenüber 2015 für die vollstationäre Unterbringung für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gestiegen, da vermehrt Anträge auf Gewährung eines Schulbegleiters gestellt werden.
Schramm schließt den Haushalt 2015 mit 999 936 Euro Einnahmen und 4 092 654 Euro Ausgaben ab. Das ergebe einen Zuschussbedarf für 2015 in Höhe von 3 093 016 Euro. Der Zuschussbedarf für 2015 liegt um 337 184 Euro unter dem Haushaltsansatz.
Der Jugendhilfeausschuss stimmte einer Verlängerung der Kooperationsvereinbarung über die Schaffung einer Stütz- und Förderklasse an der Pestalozzi-Schule Kronach für ein weiteres Schuljahr bis zum 31. Juli 2017 zu. Die Beschäftigung des sozialpädagogischen Fachpersonals erfolgt beim Caritasverband für den Landkreis Kronach.
Am Schluss hob Manfred Nerlich die gute Arbeit an der Berufsschule in Kronach hervor. Trotz ständig sinkender Schülerzahlen habe man alternative Angebote geschaffen und mit neuen Ideen auch weitere Berufsfelder zur Ausbildung integriert.