Das Bild an der Wand hinter dem Bürgermeisterschreibtisch hat Jens Korn mit Bedacht gewählt. Ein Flößer hängt sich mit ganzem Körpergewicht an die Stange seines Floßhakens. Die Szene soll daran erinnern, "dass ich mich in mein Amt reinknien muss", sagt Korn. Seit einem Jahr ist der 42-Jährige Bürgermeister von Wallenfels. Mit dem Fränkischen Tag sprach er über demografischen Wandel, Mittagessen mit der Familie und darüber, was man von Markus Söder lernen kann.

Das Bild hinter dem Schreibtisch ist eine von drei großformatigen Fotografien aus den 1930er Jahren, die der neue Bürgermeister in sein Büro gehängt hat. Alle zeigen Szenen von Wallenfelser Flößern auf dem Main bei Würzburg. Das, auf dem sich ein ganzer Trupp abmüht, ein Floß auf Kurs zu halten, mahnt zur Teamarbeit: "Allein wuppt auch ein Bürgermeister überhaupt nichts." Das letzte zeigt Flößer, balancierend auf Baumstämmen, die das Bild klar diagonal teilen. Ebenso deutlich strukturierte Inhalte zu haben, das sollte auch für einen Bürgermeister gut sein, meint Korn.

Herr Korn, bis vor einem Jahr wollten Sie Bürgermeister werden. Können Sie das noch nachvollziehen?
Jens Korn: Mehr als je zuvor. Die Aufgabe macht mir sehr viel Freude.

Hat sich Ihr Leben verändert?
Es ist sogar ein komplett anderes. Und das, obwohl ich schon jahrelang Zweiter Bürgermeister war, kommunalpolitische Erfahrung habe und wusste, was ein Bürgermeister zu tun hat.
In den vergangenen Jahren habe ich erst in Bayreuth (IHK, Anm. d. Red.) und dann in Coburg (Brose) gearbeitet. Ich bin abends heimgekommen und habe dann noch viele Versammlungen in Wallenfels und im Landkreis besucht. Das ist jetzt anders. Besser. Denn obwohl Bürgermeister ein sehr zeitintensiver Job ist, habe ich mehr Zeit mit meiner Familie: Einfach zwei-, dreimal die Woche gemeinsam Mittagessen mit meinem Sohn und meiner Frau. Dass das jetzt möglich ist, bedeutet mir viel.

Können Sie als Bürgermeister Erfahrungen aus ihren vorigen Jobs nutzen? Sie waren unter anderem Büroleiter von Staatsminister Markus Söder...
Ja, klar. Ich habe Jura studiert, was im Bürgermeisteramt sicher nicht schadet. Ob das beim Führen einer Stadtratssitzung ist, bei baurechtlichen Dingen oder beim Einordnung des Gegenstands von Nachbarschaftsstreits.
Meine Arbeit bei der Kommunalpolitischen Vereinigung in München hat mir viel Know-How und ein gutes Netzwerk gebracht. Und klar, die Arbeit für Markus Söder bereitet einen in wohl jeder Hinsicht auf ein Bürgermeisteramt vor. Sowohl was Inhalte angeht als auch die Frage: Wie kommuniziere ich Politik?

Was meinen Sie damit?
Söder hat ein Gespür für Themen und dafür, wie man sie anpacken und vermitteln muss. Politik sollte zwar nie vorrangig mit dem Ziel gemacht werden, in der Öffentlichkeit gut dazustehen - aber ich muss auch unpopuläre Themen so angehen, dass sie nicht sofort auf Ablehnung stoßen.

Können Sie das auf Wallenfelser Themen beziehen?

In gewisser Form auf das des demografischen Wandels. Da dürfen wir den Bürgern keinen Sand in die Augen streuen, aber wir müssen mit Fingerspitzengefühl kommunizieren. Man muss den Menschen vermitteln, dass große Veränderungen bevorstehen. Die können wir nicht ganz aufhalten, sondern müssen sie gemeinsam gestalten und abmildern.

Beim Stichwort Demografie ist das des Leerstands nicht weit. Den gibt es auch im Wallenfelser Ortskern.
Ja. Und wenn wir es nicht schaffen, in die Ortsmitte wieder Leben reinzubringen, dann ist das für Wallenfels ein riesiges Problem. Aber es gibt zum Beispiel die Idee der Sanierungsgenossenschaft im Oberen Rodachtal. Die könnte eine Schlüsselposition einnehmen. Wir haben hier Kräfte, die etwas bewegen können - man muss sie nur zusammenbringen.

Gibt es Dinge, die Sie als Bürgermeister erst noch lernen müssen?
Klar. Dass ich Dinge, die ich mir vornehme, auch ganz konsequent verfolgen muss. Manchmal ist außerdem weniger mehr: Fokussierung auf drei oder vier Kernpunkte und weniger Beiwerk - das muss ich sicher noch üben.

Welcher ist der wichtigste Kernpunkt, den Sie gerade forcieren?
Neben dem Thema Demografie ist es bei uns die Stadtsanierung. Die ist wiederum ein Weg, wie wir dem Wandel begegnen und ihn gestalten können. Wir fangen jetzt an mit dem Kirchenumfeld. Und wir stoßen in diesem Jahr auch den Marktplatz an, weil wir da ein Plangutachten auf den Weg bringen möchten.

Wo hakt's denn noch?
Beim Thema Flößerei musste ich bisher den größten Rückschlag einstecken: Weil das Staubecken nicht in der geplanten Weise realisiert werden kann (wir berichteten, Anm. d. Red.).

Gibt es für das Staubecken eine Alternative oder Kompromissidee?
Noch nicht. Wir haben auch noch keinen definitiven Abschlussbericht. Es ist wirklich schwierig.

Das Hallenbad, Schrägstrich, die Schulturnhalle in Wallenfels ist sanierungsbedürftig...
Da gibt es vage Ideen, was man machen könnte. Von der Wiederbelebung des Schwimmbades über eine Nutzung als Gymnastik- und Tischtennishalle bis hin zu einem Generationen-Indoor-Aktivpark. Es steht auf der Prioritätenliste aber nicht ganz oben.

Wie sieht es mit dem Breitbandausbau im Ortsteil Schnaid aus?
Es ist ja nicht nur der Ortsteil Schnaid. Wir haben beschlossen, dass wir Breitband in Wallenfels und in der Schnaid ausbauen - wobei der Wallenfelser Westen teilweise schon sehr gut versorgt ist. Wir sind mitten in der Ausschreibung. Das dauert länger, als wir ursprünglich gedacht haben, weil sehr viele bayerische Gemeinden ausbauen wollen und das zu Kapazitätsproblemen führt. Die Ausschreibung wird wohl noch bis in den Juni/Juli dauern. Dann erst können wir im Stadtrat entscheiden.

Wo sehen Sie langfristige Potenziale für Wallenfels?
Wir arbeiten permanent am Thema Flößerei. Die Situation in Schnappenhammer - beim Start der Floße - werden wir deutlich verbessern. Da wird es mehr Angebote geben für Floßgäste. Wir werden auch versuchen, das Flößen stärker als Marke zu etablieren, mit neuem Logo. Davon abgesehen müssen wir unseren Holzreichtum und unsere Holz-Expertise vor Ort besser nutzen. Es mag ein hochtrabendes Ziel sein, aber vielleicht können wir die Anbindung an eine wissenschaftliche Einrichtung erreichen, die uns hilft, innovativer zu sein und so mehr Wertschöpfung in der Region zu halten. Allerdings wollen wir nicht nur den Bereich Holz stärken, sondern die regionale Wirtschaft allgemein.

Wie zum Beispiel?
Am 8. Mai wird es im Bildungszentrum die Ausbildungsmesse im Oberen Rodachtal geben. 20 Unternehmen und Organisationen werden dabei sein: Vom kleinen Dienstleister bis zu den ganz großen Arbeitgebern. Mit solchen Veranstaltungen wollen wir junge Leute wegbekommen von der Ansicht, dass es im Oberen Rodachtal keine berufliche Perspektive gebe. Wir haben super Firmen mit tollen Chancen!
Die Fragen stellte Hendrik Steffens