Dem bildungspolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Gerhard Waschler aus dem Raum Passau, lief am Freitag beim Anblick der leckeren "Linzer Torten" das Wasser im Mund zusammen. Allzu gerne hätte er probiert, aber es gab zwei Gründe, dies nicht zu tun: Erstens kamen die Torten grad aus dem Backofen und hatten deutlich über 100 Grad. Waschler hätte sich also den Mund verbrannt. Zweitens waren die Tortenbäcker Muslime - und die dürfen während des Ramadan tagsüber nichts essen. Also wäre es unschicklich gewesen, vor deren Augen zu schnabulieren. Aber Waschler kam kurze Zeit später in den Genuss einer Quiche - drei Stockwerke höher.

Nun zur Auflösung des Rätsels um die kulinarischen Verlockungen für den Politiker. Der war auf Einladung von MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) im Landkreis. In der Lorenz-Kaim-Schule informierte er sich über die Integration von Flüchtlingen, denn an der Berufsschule gibt es inzwischen drei Klassen mit jungen Asylbewerbern und Flüchtlingen. Zwei weitere Klassen kommen ab Herbst dazu. Die jungen Leute lernen kochen, backen und was man sonst so braucht, um sich zu integrieren, vor allem lernen sie natürlich Deutsch. Die Berufsschule ist eine von 21 bayerischen Schulen, die beim Projekt "Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge" mitmachen. Das dauert zwei Jahre. Anschließend steht eine Berufsausbildung an. Ein harter Weg, den die jungen Leute aber gerne gehen. Gerhard Waschler war erstaunt, wie gut junge Afghanen bereits nach acht Monaten in Deutschland mit den Tücken der deutschen Grammatik zurechtkommen.

Zuerst führte Schulleiter Rudolf Schirmer den Gast aus dem Wahlkreis Passau-Ost in die Backstube im Erdgeschoss. Dort hatte Fachlehrer Ralf Lindlein mit den Flüchtlingen nicht nur Linzer Torten gebacken, sondern informierte via Beamer auch über Land und Leute in Österreich. Als Gerhard Waschler wissen wollte, wo die Donau von Deutschland nach Österreich fließt, kam die Antwort eines jungen Afghanen wie aus der Pistole geschossen: Passau. Waschler war happy.


Wissbegierige Jungs

Rudolf Schirmer berichtete, dass die Lehrer ganz glücklich mit den jungen Leuten seien. Dies unterstrich Fachoberlehrerin Heidi Drechsel in der Küche im dritten Stock der Berufsschule. "Es ist ein tolles Arbeiten mit den Jungs. Die sind sehr wissbegierig", lobte sie. Dort saß sie mit jungen Leuten aus Eritrea zusammen und aß Quiche. Die Gelegenheit für Gerhard Waschler und seine Begleiter, endlich zu schnabulieren.

Lehrerin Christine Schottdorf informierte zur Beschulung der Flüchtlinge. Im Februar 2015 habe man mit einer Klasse mit unbegleiteten Flüchtlingen begonnen. Zwei weitere Klassen seien inzwischen dazugekommen, weitere zwei Klassen würden im September gebildet. In Oberfranken gebe es 52 Klassen mit 1000 jungen Flüchtlingen. Es gebe keine disziplinarischen Probleme. Man strebe einen erfolgreichen Übergang vom Projekt der Berufsschule zur Ausbildung an.


Kontrollierte Zuwanderung

MdL Jürgen Baumgärtner sah in einer kontrollierten Zuwanderung eine Chance für Deutschland. Aber diese jungen Leute fehlten in ihren Heimatländern. Baumgärtner war stolz, "eine solche Berufsschule in meinem Stimmkreis zu haben".

IHK-Vizepräsident Hans Rebhan lobte die tolle Zusammenarbeit zwischen Berufsschule und IHK Bayreuth. Die Integration dieser jungen Leute funktioniere im ländlichen Raum besser als in Ballungsräumen, war er überzeugt.

Gerhard Waschler war vom Projekt begeistert: "Sie haben ein Musterbeispiel geliefert, wie man mit pädagogischem Gespür an eine schwierige Sache rangeht." Er war überzeugt, dass diese jungen Menschen das Gute, das ihnen hier widerfahre, in ihren heimischen Kulturkreis mitnähmen.


Für eine Wirtschaftsschule in Pressig

Alle ziehen an einem Strang - und in die gleiche Richtung. Das erfuhr Gerhard Waschler, bildungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, am Freitag in der Pressiger Schule. Dort soll nach dem Willen von Politikern aus der Region eine Wirtschaftsschule angesiedelt werden. Schulleiter Reinhard Horn und Bürgermeister Hans Pietz (FW) möchten aber bald Klarheit über eine mögliche Wirtschaftsschule, denn es stehen in der Pressiger Bildungseinrichtung Baumaßnahmen an.

Allen Beteiligten geht es darum, den Schulweg der jungen Leute so kurz wie möglich zu machen. Und die Eltern sollen auch kein Schulgeld wie bei einer privaten Einrichtung zahlen.

MdL Jürgen Baumgärtner brachte es auf den Punkt: Man wolle dem Gast aus dem Stimmkreis Passau-Ost, der mit an den Hebeln der Macht sitzt, mit auf den Weg geben, wo den Frankenwäldern der Schuh drückt. "Wir wollen unsere Heimat so gestalten, dass unsere Kinder auch noch gut hier leben können." Für die CSU komme eine Privatschule nicht infrage. Man wolle es nicht zulassen, dass die Schulwegkostenfreiheit ausgehöhlt werde. Es dürfe nicht sein, dass der Geldbeutel der Eltern darüber entscheide, welche Ausbildung das Kind erhalte.


Zu lange Schulwege

Angela Wiegand (CSU) erinnerte an die extrem langen Schulwege für die Kinder aus der Rennsteigregion. Deshalb wäre es toll, wenn man eine Wirtschaftsschule bekommen würde. Pressig wäre ein idealer Standort hierfür. Das Zweigstellenmodell einer Wirtschaftsschule wäre ihrer Ansicht nach auch für weiterführende Schulen denkbar. Es sei ganz schwierig, Mitarbeiter für führende Positionen in die Rennsteigregion zu bekommen, wenn ihre Kinder einen so langen Schulweg hätten.

Ins gleiche Horn stieß IHK-Vizepräsident Hans Rebhan. In den 1970er Jahren sei falsch entschieden worden, die weiterführenden Schulen nach Kronach zu bauen, denn der Landkreisnorden habe einen starken Industriekern am Rennsteig.

Die Bürgermeister aus Steinbach am Wald und Pressig, Klaus Löffler (CSU) und Hans Pietz (FW), betonten die gute Zusammenarbeit der beiden Mittelschulen Windheim und Pressig. Die Schulfamilien arbeiteten gut und vertrauensvoll zusammen, aber man benötige die Unterstützung der Landespolitik, stellte Löffler heraus. Die Schwerpunkte seien auf die heimische Wirtschaft abgestellt. Wichtig sei, dass die Schüler schnell nach Hause kämen. "Wenn wir die Schülerbeförderung nicht regeln, werden wir in Zukunft einen riesigen Fachkräftemangel haben", war sich Klaus Löffler sicher. Hans Pietz betonte, dass man den Schulverbund stärken und ausbauen wolle. Pressig wäre der ideale Standort einer Wirtschaftsschule.


Boom bei Ganztagsklassen

Dem stimmte der Pressiger Schulleiter Reinhard Horn zu. Man habe in den vergangenen Jahren einen Boom bei den Ganztagsklassen erlebt. Im kommenden Jahr habe man sieben solcher Klassen. Die Eltern nähmen dieses Angebot gerne wahr.

Berufsschulleiter Rudolf Schirmer stellte heraus, dass die Betriebe im Kreis Kronach keine minderwertigen Produkte, sondern High-Tech herstellten. Dafür brauche man qualifizierte Arbeitskräfte.

MdL Gerhard Waschler versprach, die Anliegen der Frankenwälder gerne weiterzugeben. Er sah den Kreis Kronach ähnlich strukturiert wie seinen Stimmkreis Passau-Ost. "Die Münchner haben viele Dinge, von denen wir nur träumen können", bedauerte er. Man müsse schauen, dass die Infrastruktur gut, die Wege nicht zu weit seien. Den Fachkräftemangel wolle man mit eigenen Ressourcen beheben, auch mit Zuwanderung.